Mit OLT nach Heringsdorf

osnapicture 31. Oktober 2011 1


Usedom auf einer größeren Karte anzeigen

Kartenlegende: Die rote Strecke wurde mit dem Fahrrad gefahren. In Lila ist die Taxifahrt zum Flughafen gekennzeichnet. Am linken Fahrrad-Symbol haben wir die leihfahrräder bekommen. Das rechte Fahrrad-Symbol markiert den Ort, an dem uns eine panne ereilte. Beim mittleren fahrrad-Symbol haben wir ein Ersatzrad bekommen.

Am 29.10. flog die OLT letztmals die Strecke von Bremen nach Heringsdorf auf Usedom. Da die Airline zu diesem Termin auf ihrer Homepage Tagesausflüge inklusive Leihfahrrad und Flughafentransfer für 129 Euro anbot, wollten wir die Gelegenheit nutzen und der Insel einen Besuch abstatten.
Leider gab es bereits bei der Buchung einige Verwirrungen. Die OLT schickte uns eine Rechnung über 152,08 Euro. Auf meine Nachfrage, warum mit 129 Euro geworben wird und ich nun mehr bezahlen sollte kam von der OLT die Antwort, dass man nicht gewusst habe, dass ich auch ein Fahrrad und einen Flughafentransfer wolle. Mit der zusätzlichen Leistung würde es natürlich billiger. Die 152,08 Euro seien der normale Preis für den reinen Flug gewesen.
Die OLT änderte dann zwar alles und gab uns das Angebot für 129 Euro, stellte aber am nächsten Tag ein neues Angebot auf der firmeneigenen Homepage vor. Jetzt wurde der reine Flug – ohne Fahrrad und Transfer – für 99 Euro beworben.  Dass Flüge kurz vor dem Abflug billiger werden, hatte ich bisher noch nie erlebt und ich hoffte, dass bei OLT auf dem eigentlichen Flug alles etwas professioneller laufen sollte. Wir machten uns also mit etwas gemischten Gefühlen früh morgens auf den Weg von Osnabrück nach Bremen und checkten direkt ein. Die Dame am Check-In überreichte uns einen Umschlag, in dem sich Gutscheine für den Transfer und das Leihfahrrad befanden und eröffnete uns, dass wir freie Platzwahl im Flugzeug haben sollten. In der Saab 2000 waren von 50 Plätzen nur 12 belegt.
Leider ertönte während des Wartens im Abflugbereich schon bald eine Durchsage, dass sich unsere Abflug auf unbestimmte Zeit verschiebt. Der Flughafen in Heringsdorf war wegen dichtem Nebel geschlossen worden und unsere Maschine konnte folglich nicht starten. Nach einer Stunde ging es dann überraschend los. Der Flughafen Bremen hatte zwar kurzfristig Probleme einen Bus zu organisieren, der die 12 Passagiere zum Flugzeug bringen sollte, aber nach 10 Minuten Warten war auch dies geschafft und der Flug konnte starten. Positiv überrascht war ich vom großen Sitzabstand bei der OLT. Selbst wenn die Saab voll besetz gewesen wäre, hätte man es darin sehr gut aushalten können. Auch das Essen war mit einem Schinkenbrötchen, einer kleinen Prinzenrolle und einem Trinkjoghurt mehr als ausreichend.

Saab 2000 der OLT in Heringsdorf

Saab 2000 der OLT in Heringsdorf

Am kleinen Flughafen von Heringsdorf wartete schon ein Großraumtaxi, das die vier Tagesausflügler zur Verleihstation der Fahrräder nach Bansin brachte. Da in dem Seeheilbad völlig tote Hose herrschte, beschlossen wir direkt an der Strandpromenade entlang nach Polen zu fahren. Die gesamte rund 10 km lange Strecke empfand ich als ziemlich trist und ich hatte nie das Gefühl am Meer zu sein. Usedom wirkte auf mich eher wie das klischeehafte Ende der Welt mitten auf dem Land. Maritimes Flair wie an der Nordsee kam hier nicht wirklich auf.

Seebrücke - Ganz nett aber eines der wenigen Highlights auf Usedom.

Seebrücke – Ganz nett aber eines der wenigen Highlights auf Usedom.

Auch hinter der polnischen Grenze änderte sich wenig. Zwar nahmen hier die überteuerten Restaurants – wie sie noch auf deutscher Seite zahlreich zu finden waren – etwas ab, aber ansonsten gab es auch hier nichts, weswegen man unbedingt herkommen müsste. Nach einer Stunde in Polen kehrten wir wieder um und erlitten rund zwei Kilometer vor der Grenze eine Fahrradpanne. Bei einem unserer Fahrräder blockierte plötzlich das Hinterrad und war nicht mehr zu lösen.

Irgendwo zwischen Deutschland und Polen.

Irgendwo zwischen Deutschland und Polen.

Da nur noch drei Stunden verblieben, bis uns das Taxi von Bansin zum Flughafen bringen sollte und wir bis dahin noch 8 Kilometer vor uns hatten, machten wir uns direkt auf den Weg. Der Versuch das Fahrrad mit dem blockierten Hinterrad zu tragen wurde schon bald aufgegeben – es war einfach zu schwer. Ich entschied mich also für das Schleifen. Aber auch ein Fahrrad, dessen Räder sich nicht drehen, über den Boden zu schleifen ist ein Kraftakt, der über 8 Kilometer kaum in drei Stunden zu schaffen ist. Wir entschieden uns “nur” bis zur Grenze zu schleifen und dort den Fahrradverleiher anzurufen. Dieser war gar nicht begeistert, brachte uns aber nach etwas Muffelei am Telefon und einer ca. einstündigen Wartezeit ein Ersatzrad, mit dem wir den Rückweg antreten konnten.
Als wir dann wieder in Bansin ankamen, verblieb uns noch eine Stunde. Wir versuchten Fischbrötchen oder einen Kiosk mit Getränken zu finden, wurden aber nicht von Erfolg gekrönt. Während es z.B. auf Sylt auch in der Nebensaison an jeder Ecke solche Buden gibt, waren die einzigen Verpflegungsmöglichkeiten auf Usedom die zahlreich vorhandenen Restaurants. Da wir dort die Preise nicht zahlen wollten, kauften wir das Nötigste in einem Supermarkt und wurden dann zum Flughafen gebracht.

Niedlich - Der Flughafen Heringsdorf.

Niedlich – Der Flughafen Heringsdorf.

An einem der vier Check-In-Schalter bekamen wir schnell unsere Bordkarte und passierten ebenso schnell die Sicherheitskontrolle. Schnell auch deshalb, weil hier – wie sonst fast überall – meine Kameraausrüstung keinem Sprengstofftest unterzogen wurde.
Der 10 Minuten vor der geplanten Abflugszeit startende Rückflug war mit 21 Personen etwas stärker ausgelastet, aber trotzdem herrschte wieder freie Platzwahl. Wir nahmen  die Plätze am Notausgang, auf denen man sich richtig schön ausstrecken konnte. Jetzt gab es ein Salami-Sandwich, einen gefüllten Zitronenkuchen und ein paar Salz-Knabbereien zu essen.
Mit der Straßenbahn fuhren wir in Bremen vom Flughafen zum Hauptbahnhof und durften dort 1,5 Stunden inmitten gröhlender Halbstarker, auf unseren Zug nach Osnabrück warten. Im Zug dann ein ähnlich chaotisches Bild: Angetrunkene, gröhlende und peinliche Freimarkt-Besucher stapelten sich im Regionalexpress und ließen erneut eine Bahnfahrt zur Tortur werden.

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1 Kommentar »

  1. phil 1. November 2011 at 12:16 - Reply

    Uhi! Was soll man zu einem Tripreport sagen. :) Zuerst natürlich Danke für deine Mühe und das Aufschreiben, allerdings haben sich beim Lesen an manchen Stellen meine Zehnägel nach oben gerollt.
    Der ganze Tag hört sich eher ‘nervend’ oder ‘belastend’ an und das ist ja mal überhaupt nicht das, was man sich von seinem Tag bzw. von 2x 129€ erwartet. Respekt an dieser Stelle, ich glaube bei mir wäre das kaputte Fahrrad wahrscheinlich nach kurzer Zeit im Meer gelandet. Oder ich hätte es einfach irgendwo abgeschlossen und die zweite Person auf dem Gepäckträger die 8km mitgenommen und dem Verleiher dann anhand einer Karte beschrieben wo er seinen Kernschrott abholen darf.

    Aber immerhin hast du eine Saab mitgenommen :) Grüße!

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