Bei meinem letzten ersten Türkei-Urlaub habe ich etwas gelernt. Der Türke sagt nicht: “Guckst Du!” Er sagt: “Schau mal!” Das dafür aber unablässig und bei jeder Gelegenheit. “Schau mal, hier gibts Markenware original gefälscht! Schau mal rein! Schau mal, was kann ich Dir andrehen! Schau mal, was wünschen Sie?” Eigentlich wünschte ich gar nichts, nur etwas Ruhe. Dafür war die Türkei aber wohl das falsche Ziel. Ich empfand das, was oft als türkische Gastfreundschaft beschrieben wird eher als aufdringlich. Permanent – und das nicht nur an den touristischen Brennpunkten – angesprochen, eingeladen und vollgequatscht zu werden, widerspricht meinem Verständnis von Gastfreundschaft. Zu Gastfreundschaft gehört für mich auch den Wunsch des Gastes auf Ruhe und Privatsphäre zu respektieren. Selbst in Einkaufszentren permanent mindestens einen Verfolger zu haben, der einem die Sachen tragen möchte, mir den Kauf einer Unterhose ans Herz legt oder mir beim Stöbern durch die Jeans-Regale im Gleichschritt hinterhertrottet, nervt ab einem gewissen Punkt.
Gebucht hatte ich acht Tage Pauschalurlaub im alten Hafen von Antalya. Es galt zunächst etwas die Stadt zu erkunden. Wirkliche Sehenswürdigkeiten gab es nicht. Das Stadttor aus römischer Zeit war eher unspektakulär; der Hafen glich einer Baustelle und durch die Fußgängerzone konnte kaum ein Schritt gemacht werden ohne permanent angesprochen zu werden.
Basar im Herzen Antalyas
Das Tor zur Altstadt ist die Hauptsehenswürdigkeit
An den überall zu findenden Souvenirshops lauerten aufdringliche Händler
Eine ähnliche Perspektive in der Dämmerung
Moschee im Stadtzentrum
Eines der vielen Ausflugsboote
Da es in Antalya nicht viel zu sehen gab und ein Aufenthalt dort eher anstrengend als erholsam war, versuchte ich Ausflüge in die Umgebung zu machen. Was fast überall auf der Welt auf eigene Faus machbar ist, gestaltete sich hier aber als schwierig. Fast immer, wenn man irgendwo fragte, wie man zu diesem oder jenen Ziel kommt, lautete die Antwort ungefähr so: “Alleine?! Mit Bussen?! Schwierig! Aber wir bieten Touren dahin an. Günstiger Preis und der Besuch auf einem Bazar und in einer Teppichknüpferei ist schon inklusive.” Ich verzichtete dankend und suchte in meinen Reiseführern nach Alternativen. Das Museum war mit der Straßenbahn erreichbar. Also in die Bahn gesetzt und auf den Weg gemacht. Die Fahrt war toll. Die Straßenbahn ist eine alte Bahn aus Nürnberg und lässt das Herz von Freunden historischer Verkehrsmittel höher schlagen. Doch die Ernüchterung folgte bald. Meine Kameraausrüstung durfte nicht mit ins Museum und sollte in einem windigen Verschlag weggeschlossen werden. Also wurde zwangsläufig auch auf einen Museumsbesuch verzichtet.
Straßenbahn in Antalya
Macht Spaß: Eine Fahrt mit der Straßenbahn
Große Hoffnung setzte ich deshalb in den kommenden Istanbul-Besuch. Ich hatte dorthin vorab einen Tagesausflug mit Atlasjet gebucht. Als mich der Flughafenbus zum Flieger brachte, freute ich mich richtig. Für den einstündigen Flug stand dort nicht etwa ein kleiner Regionalflieger sondern ein A330 in Bemalung der Saudi Arabien Airlines, die das Flugzeug bis vor kurzem von Atlasjet übernommen hatten. Erstaunlich fand ich, dass das Langstreckenflugzeug zu rund 90 Prozent ausgebucht war. Verpflegung und Service waren super. Ich hätte nicht gedacht, dass es möglich ist alle Passagiere in der kurzen Flugzeit zu bedienen. Leider herrschte in Istanbul dichtes Schneetreiben und ein eisiger Wind. Vom Bosporus war kaum etwas zu sehen und aufgrund der Temperaturen war an eine wirkliche Stadtbesichtigung nicht zu denken. Lediglich die Hagia Sophia und die Blaue Moschee wurden besucht. Der Weg dorthin war dank Metro kein Problem. Durchgefroren wurde fast der ganze restliche Tag in einem Restaurant verbracht, wo ich über das gerade gesehene nachdenken konnte. Ich fand die beiden Gebäude zwar irgendwie sehenswert und beeindruckend, jedoch war ich auch etwas enttäuscht. Im Vergleich zur Pracht des Petersdoms in Rom wirkten diese eher wie eine graue Maus. Irgendwie hatte ich mehr erwartet. Da das Wetter immer schlimmer wurde, es für eine Rückfahrt zum Flughafen aber noch viel zu früh war, wurde noch der große überdachte Basar besucht. Dieser ist auf jeden Fall sehenswert, aber zugleich auch anstrengend. Auch hier wird man ständig angesprochen und muss sich gegen aufdringliche Händler wehren.
A330 von Atlasjet in Saudi-Bemalung
Und der hintere Teil des Fliegers
So sieht der A330 von innen aus
Kurios: Ex-United-737 jetzt für den Irak unterwegs
Leider spielte das Wetter auch an der Blauen Moschee nicht mit
Kurze Schnee-Pause an der Hagia-Sophia
Die Hagia Sophia von innen
Blick zur Blauen Moschee
Die Blaue Moschee von innen
Schneegestöber auch im Innenhof der Blauen Moschee
Im Sommer sicher ein schöner Anblick
Der große Basar in Istanbul
Zurück in Antalya dann erneut der Versuch auf eigene Faust und ohne Touristengruppe etwas zu sehen. Nach einigen Schwierigkeiten gelang es einen Bus zu den Düden Wasserfällen zu finden. Diese waren zwar ganz nett, aber auch hier störte das Drumherum. Die Wasserfälle und der umgebende Park wirkten eher wie ein Disneyland und nicht wie ein beeindruckendes Naturschauspiel. Wasserfälle in den Alpen oder Tropen fand ich deutlich interessanter. Der einzige Ausflug, der sonst noch auf eigene Faust zu machen war, war der in die antike Ruinenstadt Perge. Auch hier kann man sagen, ganz nett die Stadt gesehen zu haben. Wenn man sie nicht gesehen hat, dann hat man aber auch nichts verpasst. Für die römische Kultur braucht auf jeden Fall niemand in die Türkei zu kommen. Italien hat in diesem Punkt eindeutig mehr zu bieten. Zudem sind Ausgrabungen wie etwa in Pompeij deutlich interessanter.
Kann man sich anschauen, muss man aber nicht: Die Düden Wasserfälle
Antikes Stadion in Perge
Perge haut nicht wirklich vom Sockel
Das Wetter war fast immer gut
Einer meiner Lieblingsvögel und oft in Antalya zu treffen – der Stieglitz
Abschließend noch ein Wort zum Hotel. Gebucht hatte ich das Aspen Hotel in der Altstadt. Eigentlich ist das Hotel gar nicht schlecht. Die Aussicht auf den Hafen war schön, das Essen akzeptabel und das Personal freundlich. Was ich für ein 4-Sterne-Haus jedoch für wenig akzeptabel halte sind eine verschimmelte Dusche, abgeschlossene Fenster, eine Klimaanlage, die nur die Raumluft umwälzt und keine Frischluft von draußen anzieht, eine Heizung, die nur dann funktioniert wenn man im Raum ist und den Schlüssel in die Sicherung steckt, nur eine Bettdecke bei Belegung mit 2 Personen, warmes Wasser erst nach 6 Uhr, Verbotsschilder, die das Mitbringen von eigenen Getränken und Essen untersagen sowie W-LAN, das nur in einem ungeheizten Raum oder im Innenhof – nicht aber im Zimmer funktioniert.
Aussicht aus dem Zimmer im Aspen Hotel
Das Zimmer von innen
Auf solche Schilder reagiere ich allergisch
Dusche im Detail
Der Innenhof des Hotels war schön gestaltet
Wenige Stunden vor der Abreise bekam ich von der Rezeption ein Fax ausgehändigt. Auf diesen standen die Daten für meinen Rückflug. Nicht aber wie geplant per Direktflug um 3:40 Uhr nach Münster/Osnabrück sondern erst um 10.20 Uhr mit Zwischenlandung in Salzburg. Da das erste Mal auf einer meiner Reisen so etwas wie Heimweh eingetreten war und ich eigentlich nur nach Hause wollte, war ich alles andere als erfreut. Anscheinend hat Sunexpress aus zwei nur halbvollen Flügen einen gemacht und den geplanten Direktflug gestrichen. In Salzburg tobte ein Sturm und Böen mit 80 km/h erfassten das Flugzeug kurz vor der Landung. Das war definitiv nichts für schwache Nerven.
Nachdem ich jetzt fast 24 Stunden wieder zu Hause bin, ist mein Fazit eigentlich eindeutig. Viele Leute haben mich im Vorfeld gefragt: “Warum fährst Du eigentlich nicht mal in die Türkei? Das ist so schön da”. Ich bin neugierig geworden und habe mir acht Tage einen Teil davon angeschaut, kann jedoch nicht verstehen, was manche so schön an der Türkei finden. Ich persönlich finde es überall in Europa am Mittelmeer tausendmal schöner, sauberer und entspannter. Auch die Sehenswürdigkeiten sind in Italien oder Spanien um ein Vielfaches interessanter. Nach Antalya werde ich ganz sicher nicht noch einmal fliegen. Istanbul im Sommer könnte ich mir noch einmal überlegen, aber nach meinen ersten Eindrücken kann die Stadt im Vergleich zu Rom etc. einfach nicht mithalten. Lediglich einen Vorteil bietet die Türkei. Die Reisen sind billig. Auch Kleidung kann billig eingekauft werden. Davon habe ich reichlich Gebrauch gemacht. Trotzdem könnte ich jetzt Urlaub vertragen, weil selbst das Einkaufen anstrengend war.
Ein Teil meiner Einkäufe
















