Eine neue Reisekamera

Thomas Limberg 19. Januar 2014 5
Meine neue Powershot G16

Meine neue Powershot G16

Die Powershot von hinten

Die Powershot von hinten

Ich war nie ein Freund kleiner Kompaktkameras. Zu langsam, zu schlechte Bildqualität, zu wenige manuelle Einstellmöglichkeiten. Doch gerade auf Reisen nervt es mich manchmal extrem, immer einen großen Rucksack mit einer Spiegelreflex, mehren Objektiven und dem nötigen Zubehör schleppen zu müssen. Vor einigen Wochen stand bei mir eine Wandertour in den Harz an. Dort wollte ich es erstmals wagen, den Rucksack mit der ganzen Fotoausrüstung zu Hause zu lassen und ich steckte mir stattdessen nur meine kleine Olympus Tough in die Hosentasche. Es war zwar äußerst angenehm, einmal nicht wie ein Packesel durch die Lande zu ziehen, aber spätestens, als wir mit unserer Wanderung in einem Wald starteten, begann ich mich mehr und mehr zu ärgern. Bei den schwierigen Lichtverhältnissen war mit der schon etwas betagten Kompaktkamera fast nichts anzufangen. Ich ärgerte mich über mich selbst. Warum hatte ich nicht einfach – wie sonst auch – die Spiegelreflex-Ausrüstung mitgenommen? Damit ich wenigstens ein paar Erinnerungen knipsen konnte, packte ich die Tough wieder weg und griff auf mein iPhone zurück. Dieses machte deutlich bessere Fotos. Den Vergleich zu dem, was mit einer Spiegelreflex möglich gewesen wäre, braucht man allerdings nicht zu ziehen – mir wären wahrscheinlich sonst die Tränen gekommen.

Meine Olympus Tough hat wohl ausgedient

Meine Olympus Tough hat wohl ausgedient

Ich beschloss, nie wieder ohne eine vernünftige Kamera irgendwohin zu reisen. Doch stand ich damit wieder vor dem Problem der Schlepperei. Nicht nur, dass mich die klobige Ausrüstung manchmal extrem nervt, auf manchen zukünftigen Reisen kann sie einfach nicht dabei sein. So plane ich u. a. gerade eine Reise, bei der ich ganz sicher auf meine DSLR-Ausrüstung verzichten muss, um das Gewicht des gesamten Gepäcks zu reduzieren. Auf gute Fotos will ich aber trotzdem nicht verzichten, deshalb musste eine Alternative her.

Ich fragte mich, ob evtl. eine der neuen spiegellosen Systemkameras ein guter Kompromiss für mich sein könnte. Da diese aber keinen optischen Sucher haben, auf den ich immer viel Wert lege, verwarf ich die Gedanken recht schnell wieder.  Also schaute ich mir sämtliche der höherwertigen Kompaktkameras an. Vielleicht war ja dort eine Kamera zu finden, die ein Mindestmaß an Bildqualität und fotografischer Flexibilität garantierte. Ich überlegte hin und her und blieb schließlich bei der Canon Powershot G16 hängen. Diese vereinte all die Dinge, die ich als Grundvoraussetzung für den Kauf ansah. Dazu gehören:

  • ein optischer Sucher
  • manuelle Einstellungsmöglichkeiten
  • ein lichtstarkes Objektiv
  • ein schneller Autofokus
  • Netzwerkfähigkeit

Ich überlegte hin und her, ob ich mir diese Kamera zulegen soll, und ob diese auf einigen meiner künftigen Reisen statt einer DSLR ins Gepäck kommen soll. Schließlich beschloss ich das Experiment zu wagen und kaufte mir die scheinbar eierlegende Wollmilchsau. Natürlich wollte ich sofort testen, ob damit meine Ansprüche zu erfüllen sind. Da ich nur wenige hundert Meter von einem Baggersee entfernt wohne, schnappte ich mir die Kamera und ging dort mit ihr auf eine Test-Tour:

Erster Eindruck zur Canon Powershot G16:

Als erstes fällt mir auf, dass es wesentlich angenehmer ist, mit einer kleinen Kamera aufzubrechen. Die  Kamera ist klein genug, um auch noch in eine Jackentasche zu passen, aber nicht zu klein. Sie liegt sehr gut in de Hand und die wichtigsten Einstellungen lassen sich mechanisch erledigen ohne umständlich durch das Menü navigieren zu müssen. Überhaupt will ich als Erstes möglichst wenig einstellen und den Automatikmodus testen. Gleich bei den ersten Bildern stelle ich fest, dass der Autofokus extrem schnell ist und fast immer präzise sitzt. Als die Sonne aufgeht, richte ich die Kamera in den Himmel. Dass ich bei den Aufnahmen die Kamera versehentlich auf ISO 1600 stehen hatte, merke ich erst, als ich mir hinterher die Exif-Daten der Aufnahmen anschaue. Das Rauschen bleibt in einem sehr verträglichen Maß, das zudem bis ISO 1600 kaum auffällt.

F8, 1/250, ISO 1600

F8, 1/250, ISO 1600

Als ich durch einen kleinen Wald zum See spaziere, korrigiere ich trotzdem die hohe ISO-Einstellung und lasse die Kamera mal automatisch arbeiten. Ich bin überrascht, wie gut sie dort mit den schwierigen Verhältnissen und dem teils extremen Gegenlicht klar kommt.

Automatikmodus, F1.8, 1/640, ISO 400

Automatikmodus, F1.8, 1/640, ISO 400

Automatikmodus, F2.8, 1/160, ISO160

Automatikmodus, F2.8, 1/160, ISO160

TV-Modus, F2.8, 1/125, ISO200

TV-Modus, F2.8, 1/125, ISO200

Dass auch die Farben überzeugen, wird mir spätestens am See klar. Alle werden naturgetreu wiedergegeben. Wem dies nicht reicht, der kann sogar im Menü nachjustieren.

F2.8, 1/125, ISO100

F2.8, 1/125, ISO100

Da die Kamera über zahlreiche Spezialprogramme und Filter verfügt, wollte ich natürlich auch diese testen. Viele, wie das Programm für Schneeaufnahmen, Feuerwerk und Sterne, wird man sicher fast nie benötigen, aber einige andere können sicher Sinn machen.

HDR-Aufnahme. Die Kamera macht hintereinander 3 Aufnahmen mit unterschiedlichen Belichtungen, kombiniert diese dann zu einer und sorgt so für einen höheren Kontrastumfang.

HDR-Aufnahme. Die Kamera macht hintereinander 3 Aufnahmen mit unterschiedlichen Belichtungen, kombiniert diese dann zu einer und sorgt so für einen höheren Kontrastumfang.

Nostalgische Aufnahme. Die Stärke des Effekts lässt sich, wie bei allen Spezialprogrammen dieser Kamera, anpassen.

Nostalgische Aufnahme. Die Stärke des Effekts lässt sich, wie bei allen Spezialprogrammen dieser Kamera, anpassen.

Ganz sicher werde ich von diesen Spezialprogrammen fast nie welche benötigen. Eines der Programme hat mich aber schlichtweg vom Hocker gerissen: Das Portrait-Programm. Die Ergebnisse sind dabei derart überzeugend, dass man eine DSLR kaum vermissen wird. Die Schärfe sitzt in Sekundenbruchteilen dort, wo sie liegen soll und der Hintergrund bekommt eine stimmige Unschärfe.

Automatikmodus mit automatisch zugeschaltetem Portrait-Modus, F2, 1/200, ISO80

Automatikmodus mit automatisch zugeschaltetem Portrait-Modus, F2, 1/200, ISO80

100% Ausschnittsvergrößerung aus dem vorherigen Foto

100% Ausschnittsvergrößerung aus dem vorherigen Foto

In der Kamera ist sogar eine Gesichtserkennung integriert, die die Personen vor der Linse erkennen kann und die Aufnahmen später nach Namen sortiert. Mir sind solche Funktionen fast etwas unheimlich, darum habe ich diese nicht getestet. Da die Kamera eine Vielzahl verschiedener Aufnahmesituationen aber sofort richtig einschätzt, gehe ich davon aus, dass sie auch dieses problemlos hinbekommt.

Eine große Stärke von ihr liegt vor allem im Makro-Bereich. Ich bin absolut erstaunt, wie dicht ich an alles mit der Linse herangehen kann.

F2.8, 1/50, ISO800

F2.8, 1/50, ISO800

Der einzige Schwachpunkt, der mir bisher aufgefallen ist, besteht im Automatikmodus bei schnell bewegten Objekten. Die Kamera tendiert für meinen Geschmack – zugunsten niedriger ISO-Werte – immer zu relativ langen Belichtungszeiten. Bei meiner Katze, die nicht gerade ruhig vor der Kamera sitzen bleibt, sind scharfe Aufnahmen im Automatikmodus so eher schwierig. Da ich den Automatikmodus eh selten benutzen werde, kann ich damit aber ganz gut leben.

Innenaufnahme, TV-Modus, F2.8, 1/100, ISO3200

Innenaufnahme, TV-Modus, F2.8, 1/100, ISO3200

100% Ausschnittsvergrößerung der vorherigen Aufnahme

100% Ausschnittsvergrößerung der vorherigen Aufnahme

Innenaufnahme, TV-Modus, F1.8, 1/100, ISO2000

Innenaufnahme, TV-Modus, F1.8, 1/100, ISO2000

Gerade für bewegte Objekte bietet die Kamera viele verschiedene Focussiermöglichkeiten. Als Beispiel sei nur der Verfolgungs-Autofocus genannt, bei dem permanent der Focus auf dem sich bewegenden Objekt gehalten wird. Damit habe ich mich bisher aber noch nicht sonderlich intensiv beschäftigt.

Für einige ganz praktisch dürfte sicher der Blitzschuh sein, an dem externe Systemblitze aufgesteckt werden können. Da ich – wenn es sich irgendwie vermeiden lässt – eh auf’s Blitzen verzichte und notfalls auch der kleine eingebaute Blitz gute Ergebnisse liefert, werde ich diese Möglichkeit aber kaum nutzen. Zumal die kleine Kamera mit großem aufgestecktem Blitz sicher etwas merkwürdig aussehen würde.

Da ich die Kamera hauptsächlich unterwegs auf Reisen nutzen will, war ich auf ein Feature besonders scharf: die WLAN-Fähigkeit und die Möglichkeit GPS bezogene Standortdaten in die Fotos zu integrieren. Zum einen verspreche ich mir davon, unterwegs schnell und unkompliziert die Fotos von der Kamera zur Weiterverarbeitung auf ein iPad zu bekommen und zum anderen finde ich GPS-Daten in Fotos mittlerweile sehr nützlich, wenn man sich später einmal anschauen möchte, wo die Fotos aufgenommen wurden. Beides funktioniert tadellos. Zur Speicherung der GPS-Daten schaltet man nur sein Handy ein, startet die Canon-App CameraWindow und lässt dann von ihr automatisch während der Fototour die Standortdaten mitschreiben. Ist die Tour beendet, schickt man mit einem Klick die Standortdaten vom Handy auf die Fotos der Kamera. Das klingt zwar kompliziert, ist aber spielend einfach, da die Daten zwischen Handy und Kamera aufgrund der gespeicherten Uhrzeit automatisch synchronisiert werden.

Canon CameraWindow (AppStore Link) Canon CameraWindow
Hersteller: Canon Inc.
Freigabe: 4+

Preis: Gratis Download

 

Ebenso spielend einfach geht das Anzeigen der Fotos über eine WLAN-Verbindung auf dem iPad von der Hand. Einfach auf der Kamera das W-LAN aktiviert, auf dem iPad die CameraWindow-App gestartet und schon werden auf dem iPad alle Fotos angezeigt. Sehr nützlich ist dabei, dass man die Fotos auf der Kamera belassen kann und sie nicht erst auf das iPad überspielen muss, um diese in voller Größe zu sehen. Bisher nutzte ich immer das Camera-Connection-Kit, um meine Fotos aufs iPad zu bekommen. Zwar funktionierte dies auch sehr gut, man steckte die Speicherkarte in das Kit und bekam dann die Fotos auf dem iPad angezeigt. Leider – und das ist neben der Tatsache, dass man die Speicherkarte aus der Kamera nehmen musste, der entscheidende Nachteil – allerdings nur als Thumbnails. Wollte man die Fotos im Originalformat sehen, musste man diese erst von der Karte aufs iPad laden. Der Speicherplatz war dann schnell erschöpft. Mit der G16 kann ich mir jetzt aber alle Fotos im Originalformat direkt auf dem iPad anschauen und erst nach der Durchsicht entscheiden, welches Foto ich tatsächlich auf dem Gerät speichern möchte.

Eine Verbindung mit Apple-Geräten klappt problemlos

Eine Verbindung mit Apple-Geräten klappt problemlos

Theoretisch soll es wohl auch möglich sein, die Fotos direkt von der Kamera auf online Cloud-Dienste zu überspielen. Voraussetzung dafür ist allerdings, dass man zunächst eine Verbindung mit dem Canon-Dienst Image Gateway herstellt. Dies ist mir bisher eben sowenig gelungen, wie eine Verbindung von Kamera zum PC auf die Beine zu stellen. Während die Kommunikation zu Apple-Geräten einwandfrei funktioniert, stellt mich die Verbindung zu allem, was irgendwie mit Windows läuft, vor unlösbare Probleme. Da ich inzwischen eh mit Windows auf Kriegsfuß lebe und das unkomplizierte Handling von Apple lieben gelernt habe, muss ich vielleicht doch mal darüber nachdenken, meinen PC gegen einen Apple zu tauschen.

Auch wenn ich viele Dinge an der Powershot G16, wie etwa ihre Leistungsfähigkeit bei Nachtaufnahmen, noch nicht getestet habe, bin ich schon jetzt sehr damit zu frieden. Ich bin mir sicher, dass diese Kamera auf einigen meiner nächsten Reisen eine DSLR ablösen wird. Ich freue mich darüber, künftig nicht mehr so viel Equipment schleppen zu müssen und dabei keine zu großen Einbußen in der Bildqualität zu haben.

Für all jene, die sich die G16 auch zugelegt haben, kann ich als kleines Bonbon zusätzlich eine Tasche empfehlen. Damit mein wertvolles Spielzeug unterwegs nicht ungeschützt ist, habe ich mir die unten gezeigte Ledertasche gegönnt. Die Kamera passt perfekt hinein. Erhältlich ist sie zum Preis von 27,99 Euro HIER.

Sinnvolles Zubehör - Eine Ledertasche

Sinnvolles Zubehör – Eine Ledertasche

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5 Kommentare »

  1. Christina 3. Februar 2014 at 07:56 - Reply

    Hübsch, hübsch! :D
    Ich frag mich auch immer wieder, ob es nicht eine Alternative zum ewigen Rumgeschleppe der großen DSRL ist. Die Systemkameras sind da sicherlich eine sehr tolle Alternative. Ich durfte ja mal eine zeitlang die Samsung NX1000 testen, bei der ich mich ziemlich gefreut habe, nur “was kleines” dabei zu haben.
    Was mich jedoch noch davon abhält, sind die ziemlich hohen Anschaffungskosten (ist eine “richtige” Kamera) und schlussendlich doch großen Kameras, wenn man mal andere Objektive einpackt.
    Aber wer weiß, jedes Jahr kommen wieder neue Sachen heraus, irgendwann werde ich mich ganz sicherlich auch noch anstecken lassen. ;-)

    Liebe Grüße
    Christina

  2. Seb 23. April 2014 at 14:00 - Reply

    Hi Thomas,

    auch ich bin ein großer Freund der G16 geworden. Steckt meine alte 450D in den meisten Fällen locker in die Tasche.

    Alles Beste!

  3. christian fürst 25. April 2014 at 15:48 - Reply

    Danke für die gute beschreibung, erfahrungen sind eben wichtiger als so manches schlechte Bild. Ich tendiere aber zur G 15, da die nach diversen Tests wohl noch eine geringfügig bessere Bildqualität liefern soll.

  4. Simon 4. Juni 2014 at 12:57 - Reply

    Die Canon sieht sehr schick aus!

    Wir waren einmal mit Canon 5D Mark ii auf Weltreise und das zweite mal mit der Spiegellosen Fuji X-Pro1.

    Ich würde mich immer wieder für die Spiegellose entscheiden, von daher ist die Canon sehr reizvoll.

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