Die schönste Ecke Deutschlands?

Schon der weit gereiste Alexander von Humboldt bezeichnete die Gegend um den Königssee als „eine der schönsten Landschaften der Erde“. In ausländischen Reiseführern über Deutschland nimmt dieser südöstlichste Zipfel des Landes zudem immer eine ganz besondere Rolle ein. Ist es am Königsee wirklich so viel schöner als an irgendeinem anderen Platz in Deutschland oder gar auf der ganzen Welt? Da ich diese Frage unbedingt für mich beantwortet haben musste und mein letzter Besuch am Königsee aus Kindertagen rührt, musste ich jetzt erneut dorthin.

In Schönau am Königsee ist viel los
In Schönau am Königsee ist viel los
Alpenidylle sieht anders aus
Alpenidylle sieht anders aus
Souvenirstände gibt es in Schönau reichlich
Souvenirstände gibt es in Schönau reichlich
Das Wasser des Sees ist glasklar
Das Wasser des Sees ist glasklar
Über den See verkehren Elektroboote
Über den See verkehren Elektroboote
Direkt am See liegt eine Bobbahn
Direkt am See liegt eine Bobbahn

Wie für fast jeden, der zum Königsee kommt, führte der Weg über den Ort Schönau ans Wasser. Was hier auffällt, ist zunächst einmal ein überdimensionierter proppenvoller Parkplatz, der so gar nicht in die Landschaft passen will. Ringsum erheben sich majestätische Berge. Mein Blick richtet sich zum Jenner, wandert dann weiter über zahlreich vorhandene Souvenirgeschäfte, die ebenfalls nicht so recht ins Bild der stillen Alpenidylle passen wollen, und bleibt schließlich am Königsee hängen. Vor mir liegt er, smaragdgrün und von erstaunlich klarem Wasser. Unzählige Fische sind selbst in tieferen Regionen noch zu erkennen. Was von hier nicht zu erkennen ist, ist die Kulisse mit der berüchtigten Watzmann Ostwand sowie die bekannte Wallfahrtskapelle St. Bartholomä. Da ich mehr vom Königsee sehen will, wird eine Fahrt mit den Elektroboten gebucht. Für 16,90 Euro befördern diese Besucher von Schönau über St. Bartholomä, einmal über den kompletten See bis nach Salet, tief im Nationalpark Berchtesgaden gelegen.

Wer sich auf eine entspannte Fahrt freut, muss schlucken, als er feststellt, dass kein Schiff ablegt, bevor es nicht bis auf den letzten (Not-)sitz vollgestopft ist. Zwar dauert es nicht lange, bis genug Fahrgäste ein Ticket gelöst haben, aber eng an eng mit fremden Leuten gekuschelt und in der Bewegungsfreiheit völlig eingeschränkt, freut man sich nicht wirklich auf die rund einstündige Fahrt. Dennoch, was es dann zu sehen gibt, entschädigt. Zuerst passiert das Schiff den sogenannten Malerwinkel, von dem Wanderer, die aus Schönau kommen, einen Blick auf das vier Kilometer entfernte St. Bartholomä und den Watzmann genießen können.

Viel voller sind die Boote nicht zu bekommen
Viel voller sind die Boote nicht zu bekommen
Gemächlich tuckert das Boot über den See
Gemächlich tuckert das Boot über den See

Die Szenerie ist beeindruckend. Fjordähnlich mit steilen Ufern präsentiert sich der Königsee. Die Schiffsbesatzung kramt eine Trompete hervor und präsentiert durch ein kleines Ständchen, das von den Berghängen zurückhallende Echo. Theoretisch wäre dies sogar halbwegs interessant, käme ich mir nicht auf dem vollen Schiff vor, wie auf einer Butterfahrt – unterstrichen noch dadurch, dass die Besatzung sich dafür feiern lässt, rein zufällig eine Trompete im Gepäck zu haben, und anschließend Trinkgeld kassiert. Doch was dann nach der nächsten kleinen Rechtskurve allmählich sichtbar wird, entschädigt für das fragwürdige Schauspiel. Mehr und mehr wird die steil vom Seeufer aufragende Flanke des Watzmanns sichtbar. Eine gewaltige Wand, die einfach nur für Staunen sorgt. Ist sie der Grund, warum viele hier die schönste Ecke Deutschlands sehen? Vielleicht ist es auch St. Bartholomä, das kurz danach erreicht wird. Wild romantisch wirkt die kleine Kapelle vor dem imposanten Watzmann. Ein absolutes Kalendermotiv! Wären da nicht Unmengen von Touristen, die sich um das Gebäude mit den roten Türmchen scharren. Ich will hier gar nicht erst aussteigen und bleibe im Boot. Ich will direkt weiter nach Salet. Ich will tiefer hinein in den Nationalpark und weg von den Standard-Sehenswürdigkeiten, die mir irgendwie zu überlaufen sind.

Zufällig hatte die Besatzung eine Trompete dabei
Zufällig hatte die Besatzung eine Trompete dabei
Langsam kommt der Watzmann ins Bild
Langsam kommt der Watzmann ins Bild
St. Bartholomä ist erreicht
St. Bartholomä ist erreicht
Irgendwie wirkt die kleine Kapelle fast schon niedlich
Irgendwie wirkt die kleine Kapelle fast schon niedlich
Im Hintergrund ragt steil der Watzmann auf
Im Hintergrund ragt steil der Watzmann auf
Am Watzmann kann man sich nicht satt sehen
Am Watzmann kann man sich nicht satt sehen
Die Anlegestelle in Salet
Die Anlegestelle in Salet
Auch hier ist das Wasser glasklar
Auch hier ist das Wasser glasklar
Unmengen kleiner Fische tummeln sich am Ufer
Unmengen kleiner Fische tummeln sich am Ufer

Doch hätte ich mir eigentlich denken können, dass es auch in Salet nicht viel ruhiger sein würde. Auch hier bahnten sich wahre Touristenmassen ihren Weg. Zwischen der Anlegestelle und dem rund 5 Minuten Fußweg entfernten Obersee war irgendwie mehr Betrieb, als in der Münchener Fußgängerzone an einem Samstag in der Vorweihnachtszeit. So macht es in den Bergen nicht wirklich Spaß – wenngleich die Natur hier ungeheuer imposant wirkt.

Der Königsee bietet immer wieder tolle Ansichten
Der Königsee bietet immer wieder tolle Ansichten
Zahlreiche Wege führen durch den Nationalpark
Zahlreiche Wege führen durch den Nationalpark
Interessante Spiegelungen im Obersee
Interessante Spiegelungen im Obersee
Der Röthbachfall ist der höchste Wasserfall Deutschlands
Der Röthbachfall ist der höchste Wasserfall Deutschlands
Ein Foto ohne Menschen zu machen ist hier fast unmöglich
Ein Foto ohne Menschen zu machen ist hier fast unmöglich
Auf den Wanderwegen ist ordentlich Betrieb
Auf den Wanderwegen ist ordentlich Betrieb
Einsame Stellen sind kaum zu finden
Einsame Stellen sind kaum zu finden

Daher komme ich mit der Beantwortung meiner Frage nicht wirklich weiter. Ist die Gegend um den Königsee tatsächlich die schönste Ecke in Deutschland? Zweifelsfrei hat der See mit seinem klaren Wasser, den Steilen Ufern und den umgebenen Bergen, wie dem sagenumwobenen Watzmann, einen ganz besonderen Reiz. Doch derartige Touristenmassen, wie sie hier unterwegs sind, beeinträchtigen dieses Bild massiv. Was ich an den Bergen so sehr liebe, ist neben der beeindruckenden Natur, ganz sicher auch die große Stille und die Ruhe, die in den Alpen zu finden ist. Im Trubel rund um den Königsee ist davon jedoch definitiv nichts zu finden.

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Thomas Limberg

Ob Nordpol, Himalaya oder der Zoo um die Ecke. Immer wenn ich unterwegs sein und Neues entdecken kann, bin ich am glücklichsten. In diesem Blog nehme ich Dich seit 2010 mit auf meine Städtereisen, Roadtrips, Wander-Abenteuer und zu vielem mehr.

2 Kommentare

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  • Dein Beitrag spiegelt genau das wider, was auch ich beim Besuch des Königssees ampfunden habe.
    Daher kann ich dir nur wärmstens eine Tour tiefer in den Nationalpark hinein empfehlen. Ausgestiegen sind wir auch am Salet und sobald man die gut begehbaren, ebenen Wanderwege verlässt und sich die Berge hinaufschlängelt, nehmen die Menschenmassen rapide ab. Auf meiner Hüttentour passierte ich die Teufelshörner, den Funtensee und das steinerne Meer, ehe es wieder zurück ging. Und wenn man dann nach Tagen der Abgeschiedenheit St. Bartholomae erreicht, kann man auch gut über die Menschenmassen hinweg sehen, zumindest ging es mir so.