Unerwartete Begegnung am Geigelstein

Thomas Limberg 6. November 2014 0

 

Wer regelmäßig hier vorbeischaut, hat schon festgestellt, dass ich dem Berg-Virus zum Opfer gefallen bin. Gipfel zu besteigen, ist zu einer meiner Lieblingsbeschäftigungen geworden. Besonders schön ist die Tour zum zweithöchsten Gipfel der Chiemgauer Alpen – dem 1808 Meter hohen Geigelstein. Für mich war es diesen Sommer die letzte Bergtour. Ich wollte dabei unbedingt noch etwas Alpen-Wildlife sehen. Ich hoffte, irgendwo ein Murmeltier, eine Gams oder gar einen Hirsch erspähen zu können. Um es vorweg zu nehmen, ich sah keines dieser Tiere, wurde jedoch mit einer noch interessanteren Begegnung belohnt.

Doch zuerst galt es, sich für eine Route auf den Gipfel zu entscheiden. Der am häufigsten begangene Weg ist wohl jener über die Westseite von Sachrang aus, der auch an der Priener Hütte vorbeiführt. Da mir aber der Weg von Ettenhausen bei Schleching als besonders schön empfohlen wurde, entschied ich mich für diesen. Da dort auch die Talstation der Geigelsteinbahn liegt, verband ich damit zugleich die Hoffnung, die Wanderung etwas abkürzen zu können und mit ihr zur auf der 1100 Meter hoch gelegenen Bergstation auf der Wuhrsteinalm fahren zu können. Doch an der Bahn angekommen, musste ich feststellen, dass die Bahn zum Verkauf steht und nicht mehr in Betrieb ist. Also war komplett Laufen angesagt. Hier ein kleiner Überblick des ungefähren Wegverlaufes. Leider hatte mein GPS, mit dem ich die Route aufgezeichnet habe, zwischendurch einige Aussetzer:

volle Distanz: 16855 m
Maximale Höhe: 1810 m
Minimale Höhe: 619 m
Gesamtanstieg: 5597 m

Anfangs führt der Weg, vorbei an einem Bach, recht lange durch einen Wald. Erst auf Höhe der Bergstation der Geigelsteinbahn, erreicht man das baumlose Almgebiet, von dem ein erster Blick auf den Gipfel des Geigelsteins und des benachbarten Breitensteins möglich ist. Je höher man jetzt steigt, desto besser wird auch der Blick ins Tal und auf die südöstlich gelegenen Ausläufer der Berchtesgadener Alpen und des Kaisergebirges.

Der Weg führt an einem Bach vorbei

Der Weg führt an einem Bach vorbei

An Bächen gefällt es mir immer besonders

An Bächen gefällt es mir immer besonders

Blick auf den Breitenstein

Blick auf den Breitenstein

Blick zurück ins Tal

Blick zurück ins Tal

 Allerdings wird der Weg hier auch recht steil. Der Schweiß fließt jetzt ordentlich. Dafür gibt es aber eine Belohnung, die für alle Mühen entschädigt. Kein Hirsch, kein Murmeltier und keine Gams. Auf dem hellen Kies des Weges hebt sich schwarz glänzend etwas Längliches ab: ein wunderschönes Exemplar einer männlichen Kreuzotter. Noch nie zuvor habe ich in Deutschland eine Schlange in freier Natur gesehen und inzwischen schon fast geglaubt, dass diese hier ausgestorben sein müssen, und jetzt sitzt direkt vor mir ein solch faszinierendes Exemplar. Schade nur, dass Kreuzottern recht scheu sind. Als ich auf sie zuging, um Fotos von ihr zu machen, nahm sie recht schnell sprichwörtlich die Beine in die Hand und verschwand im hohen Gras der Almwiese.

Steil steigt der Weg über die Almen an

Steil steigt der Weg über die Almen an

Eine wunderschöne Kreuzotter

Eine wunderschöne Kreuzotter

Voller Euphorie über diese Begegnung bemerkte ich die nächsten Meter gar nicht, wie steil es inzwischen geworden war. Ich war aber mehr als froh, als irgendwann der Kiesweg sein Ende nahm und wir quasi vor der Gipfelwand des Geigelsteins stehen. Ab jetzt ist die Wanderung vorbei. Von hier an wird mehr geklettert als gegangen. Zwar nicht schwierig, aber auf dem tückischen Weg mit kleinen Felsbrocken ist volle Konzentration und zwischendurch der Einsatz der Hände angesagt. Im oberen Bereich, als der Gipfel fast schon zum Greifen nah ist, zieht sich die Strecke noch einmal endlos. Zwischen Latschenkiefern sind einige Geröllfelder zu queren, bevor man endlich oben ist.

Unten im Tal lag der Startpunkt der Tour

Unten im Tal lag der Startpunkt der Tour

Östlich des Geigelsteins sind schneebedeckte Gipfel zu sehen

Östlich des Geigelsteins sind schneebedeckte Gipfel zu sehen

Leider war es im Inntal etwas dunstig

Leider war es im Inntal etwas dunstig

Hinter dem Geigelstein-Gipfel erhebt sich die Kampenwand

Hinter dem Geigelstein-Gipfel erhebt sich die Kampenwand

Auch der Wendelstein ist vom Gipfel aus zu sehen

Auch der Wendelstein ist vom Gipfel aus zu sehen

Das Gipfelkreuz des Geigelsteins

Das Gipfelkreuz des Geigelsteins

Der Autor ganz oben

Der Autor ganz oben

Ich auf dem Gipfel

Ich auf dem Gipfel

Hat man dann den Gipfel erreicht, haut die phänomenale Aussicht fast jeden Wanderer förmlich aus den Latschen. In alle Richtungen gibt es hier etwas zu sehen. Von der Kampenwand und dem Wendelstein, auf dessen Gipfeln ich noch vor wenigen Tagen stand, über das Kaisergebirge, den Rand des Chiemsees und bis weit hinein in die Zentralalpen reicht von hier der Blick. Klar, dass ich recht lange oben blieb und der Rückweg erst angetreten wurde, als es so spät geworden war, dass langsam die Gefahr drohte, nicht mehr den gesamten Weg im Hellen zu schaffen. Durch die lange Zeit am Gipfel waren jetzt keinerlei Experimente mehr möglich. Es musste der gleiche Weg zurück genommen werden. Zu gerne hätte ich noch einen Abstecher zur Priener Hütte gemacht oder wäre über den Gipfelgrat noch auf den Breitenstein gestiegen, aber sowohl Uhr als auch Beine sprachen dagegen.

Die Priener Hütte bleibt unerreichbar

Die Priener Hütte bleibt unerreichbar

Der Abstieg über die Schotterfelder erfordert volle Konzentration

Der Abstieg über die Schotterfelder erfordert volle Konzentration

Talstation der stillgelegten Geigelsteinbahn

Talstation der stillgelegten Geigelsteinbahn

 

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