Mein erstes Mal auf Schneeschuhen

Thomas Limberg 2. Februar 2015 5

Kennt jemand diese großartigen Fotos von tief verschneiten Alpentälern? Ich kann mich daran einfach nicht satt sehen. Trotzdem war ich überhaupt noch nie im Winter in den Bergen – bis jetzt jedenfalls. Denn irgendwie wurde der Drang, selbst zu erfahren wie es sich anfühlt solche Szenerien mit eigenen Augen zu sehen, einfach zu groß. Zwar hatte ich mir schon im letzten Jahr Schneeschuhe gekauft, aber bisher nie Zeit und Gelegenheit gefunden, um diese auszuprobieren. Da kam es wie gerufen, dass am vergangenen Mittwoch rund um Oberaudorf, im bayerischen Inntal, absolutes Traumwetter herrschte und ich zufällig vor Ort war. Es hatte die ganze Nacht geschneit und die ohnehin schon stattliche Schneedecke war noch einmal um einige Zentimeter gewachsen. Unberührt lag der frische Schnee am frühen Morgen unter einem tief blauen Himmel. Ich wusste sofort, jetzt muss ich es endlich ausprobieren, wie es ist mit Schneeschuhen zu wandern.

Der Blick in den Himmel verrät, heute wird ein grandioser Tag

Der Blick in den Himmel verrät, heute wird ein grandioser Tag

Mit dem Skilift führ ich in die Höhe

Mit dem Skilift führ ich in die Höhe

Links ist der Berg zu sehen, den ich später erklimmen sollte

Links ist der Berg zu sehen, den ich später erklimmen sollte

Fast an der Bergstation angekommen

Fast an der Bergstation angekommen

Dort befindet sich der Berggasthof Hocheck

Dort befindet sich der Berggasthof Hocheck

Da ich nicht im Ort starten wollte und direkt die Einsamkeit suchte, entschloss ich mich zunächst mit dem örtlichen Skilift in die Höhe bringen zu lassen. An der Bergstation angekommen, legte ich meine Schneeschuhe an und hoffte dabei, dass ich damit überhaupt umgehen kann. Zu oft hatte ich gelesen, dass das Gehen mit Schneeschuhen etwas Übung erfordert und nicht immer auf Anhieb klappt. Vorsichtig setzte ich einen Fuß vor den anderen und legte so ein paar Schritte zurück. Ich war überrascht, wie einfach es doch war. Mir war sofort klar, Wandern mit Schneeschuhen ist nicht schwer – das kann jeder! Frohen Mutes machte ich mich auf den Weg. Während die Skifahrer ihren Weg talwärts einschlugen, zog es mich weiter hinauf. Ich wollte versuchen so nah wie möglich an den Gipfel des Brünnsteins zu kommen, der mich mit seinem schroffen Felaufbau schon im letzten Sommer fasziniert hatte. Die ersten Meter lief ich noch ganz am Rand der Skipiste und hoffte, dass niemand etwas dagegen hätte, dass ich mich hier mit Schneeschuhen aufhalte, doch schon bald hatte ich den oberen Rand der Piste erreicht und vor mir lag ein Hang – vollständig bedeckt von unberührtem Schnee. So wie es aussah, war hier in den letzten Tagen niemand gewesen, Spuren im Schnee hätten es sonst verraten müssen. Nur an einer Stelle war schwach die Spur eines Skitourengehers zu erkennen, die steil durch den Wald den Berg hinauf führte. Ich entschloss mich dieser Spur zu folgen. Später sollte sich noch herausstellen, dass dies ein Fehler war.

Hier startete ich meine Schneeschuhtour

Hier startete ich meine Schneeschuhtour

Anfangs führte der Weg noch ein Stück entlang der Skipiste

Anfangs führte der Weg noch ein Stück entlang der Skipiste

Der Tiefschnee war schnell erreicht

Der Tiefschnee war schnell erreicht

Ein erster Blick Richtung Brünnstein

Ein erster Blick Richtung Brünnstein

Ich kam in den Genuss einer traumhaften Winterlandschaft

Ich kam in den Genuss einer traumhaften Winterlandschaft

Der Schnee wurde immer mehr

Der Schnee wurde immer mehr

Während meine ersten Schritte auf Schneeschuhen noch sehr einfach waren, merkte ich jetzt, dass eine solche Winterwanderung doch etwas anderes ist, als im Sommer auf einen Berg zu gehen. Zwar war es technisch nicht sonderlich schwierig sich mit den Schneeschuhen zu bewegen, konditionell war dies jedoch eine andere Hausnummer, als auf sommerlichen Wanderwegen. Dies lag daran, dass der Schnee recht tief war, und man trotz der “Teller” an den Füßen unweigerlich bei jedem Schritt etwas einsank. Beim Herausziehen der Füße aus dem Schnee, hatte man immer ordentlich Schnee auf den Füßen und musste so bei jedem Schritt viel mehr Gewicht den Berg hinauf schleppen als im Sommer. Kam man auf der gewalzten Skipiste noch recht schnell voran, war ein Fortkommen durch den Tiefschnee recht Mühsam. Da bis auf den Tourenskigeher, von dem ich noch immer die Spur ausmachen konnte, wohl auch niemand hier unterwegs war, konnte ich auch auf keinen einfachen “Trampelpfad” ausweichen. Doch gerade darin lag sogar der Reiz. Wenngleich ich recht schnell völlig nass geschwitzt war, genoss ich die Ruhe hier oben. Ich war völlig alleine. Ich begegnete niemandem. Das einzige Zeichen von Leben, dass ich ausmachen konnte, war ein Buntspecht, der laut klopfend auf Nahrungssuche war, und der im traumhaft glänzenden Winterwald relativ leicht zu erblicken war.

Durch den Winterwald eine Spur nach oben zu ziehen, war recht mühsam

Durch den Winterwald eine Spur nach oben zu ziehen, war recht mühsam

Ein Blick auf meine Schneeschuhe

Ein Blick auf meine Schneeschuhe

Natürlich muss auch mal ein Selfie sein...

Natürlich muss auch mal ein Selfie sein…

Nach getaner Arbeit

Nach getaner Arbeit

Am Rande einer kleinen Alm

Am Rande einer kleinen Alm

Der höchste Punkt meiner Wanderung

Der höchste Punkt meiner Wanderung

Blick auf den Wilden Kaiser

Blick auf den Wilden Kaiser

Trotz des großen Kraftaktes fand ich immer mehr Gefallen am Schneeschuhgehen. Ich kam äußerst langsam voran, aber ich gewann mehr und mehr an Höhe. Zwischen den Tannen, die ihre Äste unter der Last des Schnees nach unten bogen, konnte ich immer wieder deutlich tiefer Oberaudorf und den Inn erkennen. Doch was einfach nicht in Sicht kommen wollte, war der felsige Kamm des Brünnsteins. Ich hatte schon die ganze Zeit das Gefühl, dass ich mich immer weiter davon entferne, statt darauf Kurs zu nehmen. Mich beschlich das Gefühl, dass ich irgendwie falsch war und kehrte, als ich schließlich eine Alm mit einem tollen Blick auf das Kaisergebirge erreicht hatte um. Wie hatte ich mich so verlaufen können? Oder hatte ich mich vielleicht doch nicht verlaufen und hätte einfach nur etwas weiter gehen müssen? Die Antwort finde ich etwas später, als ich fast wieder an der Bergstation des Skiliftes angekommen bin. Dort im Schnee vergraben befindet sich ein Wegweiser, den ich auf dem Hinweg übersehen hatte. Ich war falsch abgebogen und hatte den Fehler gemacht, der Skispur zu folgen. Zum Brünnstein hätte ich in die andere Richtung gemusst. Allerdings hätte ich dies nie für möglich gehalten, denn dort, wo der Weg langgehen sollte, hätte ich niemals einen Weg vermutet.

Auf dem Rückweg kann ich meine zuvor gelegte Spur nutzen

Auf dem Rückweg kann ich meine zuvor gelegte Spur nutzen

Kleine Bäume verschwanden fast vollständig unter dem Schnee

Kleine Bäume verschwanden fast vollständig unter dem Schnee

Wenn beim Schneeschuhwandern etwas besonders schwierig ist, dann ist es die Orientierung. Während jedes Kind im Sommer die Wanderwege auf die Berge findet, sieht es im Winter komplett anders aus. Nichts erinnert daran, dass unter dem Schnee irgendwo Wege verlaufen und man muss schon einen guten Orientierungssinn oder eine gute Ortskenntnis haben, um sich nicht zu verlaufen. Ich hatte in diesem Fall beides nicht und war statt zum Brünnstein zum Schwarzenberg gewandert. Zwar war ich etwas enttäuscht, dass es mit dem Brünnstein nicht geklappt hatte und dass ich am Schwarzenberg – wie ich später herausfand – nur rund 100 Höhenmeter unter dem Gipfel umgekehrt war, aber für meine erste Tour war ich trotzdem zufrieden. Ich hatte noch immer einen riesigen Spaß an den Schneeschuhen. Zumal es bergab deutlich leichter ging. Ich hatte jetzt eine ausgetretene Spur, der ich folgen konnte und versank nicht mehr so stark im Schnee. Zudem genoss ich die Einsamkeit und Stille, die nur kurzzeitig durchbrochen wurde, als ich die Bergstation des Skiliftes erreichte. War ich am Morgen noch mit diesem hierher gefahren, wollte ich den Rückweg ins Tal jedoch auf Schneeschuhen bewältigen. Schnell war ich wieder ganz alleine stieg ohne irgendwem zu begegnen bis ins Tal ab.

Auf dem Hinweg bog ich hier falsch ab

Auf dem Hinweg bog ich hier falsch ab

Statt links zu gehen, hätte ich rechts gemusst

Statt links zu gehen, hätte ich rechts gemusst

Dann kam die Skipiste erneut in Sicht

Dann kam die Skipiste erneut in Sicht

Blick von der Bergstation ins Tal

Blick von der Bergstation ins Tal

Immer mehr Skifahrer zog es nach oben

Immer mehr Skifahrer zog es nach oben

Mich zog es nach unten

Mich zog es nach unten

Schnell wurde es wieder still

Schnell wurde es wieder still

Eine Rast bot sich nirgendwo an

Eine Rast bot sich nirgendwo an

Fast unten im Tal

Fast unten im Tal

Blick auf das Passionsspielhaus im österreichischen Erl

Blick auf das Passionsspielhaus im österreichischen Erl

Zurück in Oberaudorf

Zurück in Oberaudorf

Die Kirche in Oberaudorf

Die Kirche in Oberaudorf

Insgesamt war meine erste Tour auf Schneeschuhen rund 10 Kilometer lang. Trotz der teils gewaltigen Anstrengungen an den steilsten Stücken, hat sie irrsinnig Spaß gemacht. Ganz sicher wird es nicht meine letzte Tour gewesen sein und ich werde mal nach schönen Routen Ausschau halten, die ich künftig gehen könnte. Für alle, die ebenfalls demnächst ihre erste Schneeschuhtour machen möchten, habe ich noch zwei Tipps: Zieht euch auf jeden Fall Gamaschen an, sonst habt ihr anschließend die Stiefel voller Schnee und benutzt Wanderstöcke mit Tourentellern. Diese erleichtern euch ungemein das Gleichgewicht im tiefen Schnee zu halten. Ich habe mit der “McKinley Gamasche Alpin Aquamax” sowie den “Leki Ortler” gute Erfahrungen gemacht. Für alle, die sich fragen, welche Schuhe man denn in den Schneeschuhen am besten anziehen sollte, kann ich das empfehlen, was ich auch gemacht habe: Zieht euch ganz normale knöchelhohe (Sommer-)wanderstiefel an. Ich hatte die “Meindl Arizona Pro” an und damit weder kalte noch nasse Füße.

 Falls jemand die Tour nachwandern möchte, hier ist die Strecke auf einer Karte zu sehen:

volle Distanz: 10080 m
Maximale Höhe: 1100 m
Minimale Höhe: 488 m
Gesamtanstieg: 554 m

.

Und ein kleines Video habe ich auch noch versucht zu drehen:

 

 

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5 Kommentare »

  1. Mel 2. Februar 2015 at 11:55 - Reply

    Oh Schneeschuhwandern wie schön. Hab ich jetzt auch erst was drüber geschrieben. Aber du hattest definitiv besseres Wetter als wird.
    LG
    Mel

    • Thomas Limberg 2. Februar 2015 at 14:35 - Reply

      Hallo Mel,
      das Wetter bei Euch sieht ja wirklich schlimm aus. Echt schade! Hoffentlich habt ihr euch die Lust am Schneeschuhwandern davon nicht verderben lassen – denn eigentlich macht das richtig viel Spaß.
      Schöne Grüße
      Thomas

  2. Mel 2. Februar 2015 at 17:47 - Reply

    Das http://world-whisperer.com/2015/01/25/schneeschuhwanderung_allgaeu/ war auch nicht meine erste und letzte Schneeschuhwanderung :-)
    Ich habe 4 Jahre in Finnland/Schweden gelebt und habe schon dort das Schneeschuhwandern kennen und lieben gelernt :-) Es gibt nichts besseres um sich im Schnee zu Fuß zu bewegen.

  3. Lifetravellerz 4. Februar 2015 at 09:44 - Reply

    Wenn dir Schneeschuhwandern gefällt musst du unbedingt mal ein Splitboard ausprobieren. Das macht bergab noch mehr Spass! https://www.youtube.com/watch?v=sIaOUQPyqf0 LG, Juergen

    • Thomas Limberg 6. Februar 2015 at 17:15 - Reply

      Das sieht interessant aus, ist aber wahrscheinlich auch nicht ganz so einfach…

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