Bergwandern im Ruhrgebiet

Als Wander-Fan bin ich manchmal etwas neidisch auf die Bayern. Von München aus sind die Berge in einer Stunde erreicht. Blöd nur, wenn man so wie ich im Norden Deutschlands wohnt und trotzdem nicht auf Gipfel verzichten möchte. Jetzt habe ich aber endlich eine wunderbare Alternative zur langen Fahrt in die Alpen gefunden. Die Halden im Ruhrgebiet, sind zwar kein Vergleich zu echten Bergen, aber wie viel Spaß das Wandern dort trotzdem macht, davon konnte ich mich jetzt auf der Halde an der Beckstraße in Bottrop überzeugen, deren Gipfel ein sogenannter Tetraeder krönt.

Auf dem Gipfel der Halde steht ein Tetraeder
Auf dem Gipfel der Halde steht ein Tetraeder

Was sind denn Halden?

Halden gibt es im Ruhrgebiet reichlich. Diese entstanden einst als Nebenprodukt des Bergbaus und sind ihr sichtbares Erbe über Tage. Entstanden sind sie durch das Gestein, das der Bergmann bei der Kohleförderung aus den Schächten mit nach oben brachte, und das sich nicht weiter verwerten ließ. War das Ruhrgebiet einst relativ flach, ist steckt heute fast unter jeder Erhebung eine Halde. Dabei wirken viele Halden relativ natürlich – fast wie kleine Mini-Berge. Über viele ist inzwischen sprichwörtlich Gras gewachsen und einige haben sich zu richtig hübschen Biotopen entwickelt, die die Umgebung oft um rund 100 Meter überragen. Wie von „echten“ Bergen bietet sich auch von vielen Halden eine hervorragende Aussicht.

Die Tetraeder-Halde in Bottrop von Essen aus gesehen
Die Tetraeder-Halde in Bottrop von Essen aus gesehen. Sie überragt die Umgebung um rund 80 Meter.
Die Halde Oberscholven ist mit 201 Metern die höchste im Ruhrgebiet
Die Halde Oberscholven ist mit 201 Metern die höchste im „Pott“. Das Foto entstand vom Tetraeder aus.

Was gibt es dort zu sehen?

Was man vom Gipfel der Tetraeder-Halde an der Beckstraße in Bottrop sehen kann, ist wirklich erstaunlich. Eigentlich liegt einem hier das halbe Ruhrgebiet zu Füßen. Besonders beeindruckend sind die Arena auf Schalke, das Gelsenkirchener Parkstadion, das Kraftwerk Herne, die Innenstädte von Gelsenkirchen, Bottrop und Essen, die Skihalle Bottrop, die Kokerei sowie die Zeche Zollverein in Essen, die Kokerei Prosper, das Kraftwerk Scholven mit der dazugehörigen Halde, der Gasometer in Oberhausen sowie die Hochöfen Duisburg-Bruckhausen oder das Bergbaumuseum in Bochum. Bei guter Sicht ist selbst der rund 40 Kilometer entfernte Rheinturm in Düsseldorf zu erkennen. Vor allem der Blick auf die nur wenige Meter entfernte Kokerei Prosper fasziniert. Alle paar Minuten steigen hier dichte Wolken aus weißem Wasserdampf auf, die davon zeugen, dass soeben Koks gelöscht wurde.

Die Veltins Arena ist die Heimat von Schalke 04 und wunderschön zu sehen
Die Veltins Arena ist die Heimat von Schalke 04 und wunderschön zu sehen
Mittig befindet sich die Innenstadt von Gelsenkirchen, rechts das Bergbaumuseum in Bochum
Mittig befindet sich die Innenstadt von Gelsenkirchen, rechts das Bergbaumuseum in Bochum
Unterhalb der Halde verliefen einst die Gleise der Zechenbahn
Unterhalb der Halde verliefen einst die Gleise der Zechenbahn
Mit der Kokerei und der Zeche Zollverein in Essen ist sogar ein Weltkulturerbe zu sehen
Mit der Kokerei und der Zeche Zollverein in Essen ist sogar ein Weltkulturerbe zu sehen
Die Skihalle in Bottrop und die Kokerei Prosper miit Dampf aus dem Löschturm
Die Skihalle in Bottrop und die Kokerei Prosper miit Dampf aus dem Löschturm
Imposant wirkt die Innenstadt von Essen
Imposant wirkt die Innenstadt von Essen
Blick zur Halde Haniel mit dem Kreuz des Kreuzweges und den Bahnschwellen auf dem Gipfel
Blick zur Halde Haniel mit dem Kreuz des Kreuzweges und den Bahnschwellen auf dem Gipfel

Ist der Weg nach oben schwierig?

Verglichen mit einer echten Bergwanderung in den Alpen ist eine Wanderung auf die Tetraeder-Halde sehr einfach. Dennoch geht es bergauf. Eine halbe Stunde, die man vom Parkplatz an der Beckstraße nach oben benötigt, sollte allerdings niemanden vor große Probleme stellen. Über mehrere Kehren zieht sich der Weg von hier gemütlich durch lichten Wald nach oben. Auch Tierliebhaber kommen auf ihre Kosten. Zahlreiche Kaninchen, viele Vögel und sogar eine Eidechse habe ich auf dem Weg zum höchsten Punkt gesehen. Die Strecke ist übrigens durchaus auch für Fahrräder oder Kinderwagen geeignet. Es gibt auch eine sogenannte Direttissima, die schnurgerade über 387 Treppenstufen auf den Gipfel führt. Unterwegs, sowie direkt am Gipfel, gibt es überall schöne Sitzgelegenheiten mit toller Aussicht.

Der Weg nach oben ist nicht schwierig
Der Weg nach oben ist nicht schwierig
Mittels Kehren geht es stetig bergan
Mittels Kehren geht es stetig bergan
Kaninchen tummeln sich vor allem am Parkplatz an der Beckstraße reichlich
Kaninchen tummeln sich vor allem am Parkplatz an der Beckstraße reichlich
Auch Eidechsen fühlen sich hier wohl
Auch Eidechsen fühlen sich hier wohl
Bänke zum Entspannen gibt es reichlich
Bänke zum Entspannen gibt es reichlich
Viele Plätze bieten eine hervorragende Aussicht
Viele Plätze bieten eine hervorragende Aussicht
Auch abseits von Bänken finden sich lauschige Plätzchen
Auch abseits von Bänken finden sich lauschige Plätzchen
Ein Kind lässt einen Drachen steigen. Im Hintergrund die Arena auf Schalke
Ein Kind lässt einen Drachen steigen. Im Hintergrund die Arena auf Schalke

Was ist das Besondere am Tetraeder?

Der Tetraeder ist ein in Form einer dreiseitigen Pyramide erbauter Aussichtsturm. Die Kantenlänge des auf 9 Meter hohen Säulen stehenden Tetraeders beträgt jeweils 60 Meter. Er steht seit 1995 auf dem höchsten Punkt der Halde und kann frei begangen werden. Es sind verschieden Aussichtsplattformen eingehängt. Die erste befindet sich in 18 Metern Höhe und ist durch eine als Hängebrücke gebaute Treppe zu erreichen. Eine zweite Plattform befindet sich in 32 Metern Höhe, die dritte Plattform schwebt 38 Metern über dem Boden. Alle Treppen und Plattformen sind schwebend aufgehängt und bewegen sich bei Wind leicht. Durch die Treppenstufen und Böden hat man einen freien Blick nach unten. Personen, die Höhenangst haben, dürften hier an ihre Grenzen stoßen, zumal die obere Plattform auch noch eine leichte Neigung aufweist. Wer sich allerdings bis nach oben traut, hat ein ganz besonderes Erlebnis und eine noch bessere Sicht als nur vom Gipfel der Halde.

Die Stahlkonstruktion des Tetraeders ist faszinierend
Die Stahlkonstruktion des Tetraeders ist faszinierend
Unter den Füßen hat man überall einen freien Blick nach unten
Unter den Füßen hat man überall einen freien Blick nach unten
Der Aufstieg ist nichts für Personen mit großer Höhenangst
Der Aufstieg ist nichts für Personen mit großer Höhenangst
Die obere Aussichtsplattform ist leicht geneigt
Die obere Aussichtsplattform ist leicht geneigt
Die Aussicht von ganz oben
Die Aussicht von ganz oben
Vom Tetraeder hat man einen traumhaften Blick
Vom Tetraeder hat man einen traumhaften Blick
Bis nach ganz oben zu steigen, sollte man sich nicht entgehen lassen
Bis nach ganz oben zu steigen, sollte man sich nicht entgehen lassen

Wie kommt man hin?

Um den Wanderparkplatz zu erreichen, von dem es auf die Halde geht, gibt man ins Navi am besten die Beckstraße in Bottrop ein. Diese führt bereits leicht ansteigend nach oben. Links befindet sich nach einiger Zeit unübersehbar ein größerer Parkplatz.

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Thomas Limberg

Ob Nordpol, Himalaya oder der Zoo um die Ecke. Immer wenn ich unterwegs sein und Neues entdecken kann, bin ich am glücklichsten. In diesem Blog nehme ich Dich seit 2010 mit auf meine Städtereisen, Roadtrips, Wander-Abenteuer und zu vielem mehr.

9 Kommentare

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  • Hallo Thomas,

    schöner Bericht mit klasse Bildern 🙂

    Es macht viel Spaß in den Ruhrpott Mountains die Landmarken auf den Halden zu erkunden. Klasse ist auch Tiger & Turtle in Duisburg, das Geleucht in Moers und vielleicht für Dich die Halde Norddeutschland 🙂

    Viele Grüße
    Thomas

    • Hallo Barbara,
      klar, das sind keine „richtigen Berge“. Für uns Flachlandtiroler, für die die Alpen zu weit weg sind, um dort gerade mal eben einen Tagesausflug hin zu unternehmen, sind Halden aber eine perfekte Alternative. Ich war selbst überrascht, welch tolle Aussicht man von oben hat. Diese erinnert dann doch fast ein wenig an „echte Berge“.
      Liebe Grüße
      Thomas

  • Vielen Dank für deine Nachricht in meinem Blog 🙂 Echt witzig dass wir beide am selben Tag über das Tetraeder geschrieben haben 😉 Ich könnte aber dauernd drüber schreiben, weil ich recht häufig eigentlich dort bin. Aus der Nachbarstadt zu kommen und dort jeden Tag quasi auf dem Arbeitsweg vorbeizukommen hat schon so seine Vorteile. Aber ich stimme dir auch zu dass es schön wäre wenn wir hier Berge hätten. Die Halden sind zwar auch alle echt toll – ich kann dir die Halde Hohewart ans Herz legen falls du dort noch nicht warst! – aber es ist halt doch etwas ganz anderes wenn man an einem richtigen Berg wandert!

    Liebe Grüße,
    Sabrina

    • Hallo Sabrina,
      da bin ich ja fast etwas neidisch… Würde auch gerne jeden Tag dort vorbeikommen.
      An der Halde Hoheward bin ich neulich unterwegs gewesen. Allerdings war das zur Extraschicht und es war schon dunkel. Ich muss mich dort demnächst mal bei Tageslicht umschauen.
      Sonnige Grüße
      Thomas

  • Hi Thomas,

    finde es richtig gut, dass Du eine kleine Reportage zum „Bergwandern“ im Ruhrgebiet gemachst hast. Zeigt es doch, dass der Pott durchaus sehr attraktiv sein kann und auch landschaftlich viel zu bieten hat. Klar, sind es nicht die Alpen, aber wenn man gerade wenig Geld hat, kann man auch in der Nähe schöne Ausflüge machen!