Eine kleine Extraschicht

Kurz vor dem Feuerwerk versammeln sich viele Menschen vor der Zeche

Zugegeben, das Wort „Extraschicht“ klingt irgendwie nach Bestrafung. Tatsächlich komme ich mir am letzten Samstag auch etwas bestraft vor. Zunächst regnet es den ganzen Tag ohne Unterbrechung und als ich um 18 Uhr Feierabend habe und von Osnabrück aus in den Ruhrpott fahren will, schaffe ich es noch nicht einmal entspannt bis Münster. Bereits nach wenigen Kilometern stehe ich im Stau – auf der A1 geht für 45 Minuten gar nichts mehr. Doch dann passiert etwas, was ich kaum noch für möglich gehalten hätte, kurz hinter Dülmen reißt der Himmel plötzlich auf und ich darf sogar zur Sonnenbrille greifen. Meine Laune steigt schlagartig. Ich freue mich jetzt auf die Extraschicht. So wird die Nacht der Industriekultur, die jährlich an 48 Spielorten im Ruhrgebiet stattfindet, bezeichnet.

Klar, dass man unmöglich alle 48 Orte besuchen kann. Um nicht zu viel Zeit mit der Anfahrt zu verlieren, beschränke ich mich auf das nördliche Ruhrgebiet. Die Zeche Schlägel & Eisen in Herten soll meine erste Station sein. Diese reizt mich ganz besonders, da man sonst dort nicht auf den Förderturm kann. Ich will unbedingt hoch und die Aussicht genießen. Im Licht der untergehenden Sonne leuchten die Fördergerüste des ehemaligen Steinkohle-Bergwerkes wunderschön. Livebands spielen und der Besucherandrang hält sich in Grenzen. Das ist ganz nach meinem Geschmack. Gar nicht nach meinem Geschmack ist allerdings die Anstehschlange für einen Besuch auf dem Förderturm. Rund 100 Personen stehen vor mir, es geht kaum voran. Irgendwann erfahre ich, dass nur alle 30 Minuten 15 Personen nach oben dürfen. Ich überschlage kurz, wann ich oben sein könnte und verlasse die Schlange. Die Extraschicht wäre sonst sicher vorbei.

Das Wetter war pünktlich zur Extraschicht perfekt
Das Wetter war pünktlich zur Extraschicht perfekt
Als ich in Herten ankam, ging gerade die Sonne unter
Als ich in Herten ankam, ging gerade die Sonne unter
Die Zeche Schlägel & Eisen in Herten
Die Zeche Schlägel & Eisen in Herten
Dass es kurz zuvor noch geregnet hatte, war nicht zu übersehen
Dass es kurz zuvor noch geregnet hatte, war nicht zu übersehen
Livebands spielten vor der Zechen-Kulisse
Livebands spielten vor der Zechen-Kulisse
Leider war die Anstehschlange für einen Besuch auf den Förderturm sehr lang
Leider war die Anstehschlange für einen Besuch auf den Förderturm sehr lang
Blick hinüber nach Gelsenkirchen zur Halde Oberscholven
Blick hinüber nach Gelsenkirchen zur Halde Oberscholven
Typisch Ruhrgebiet, oder?
Typisch Ruhrgebiet, oder?

Etwas enttäuscht dass ich nicht hoch konnte, verlasse ich Schlägel & Eisen. Ich will noch zur zweiten Zeche in Herten. Die Zeche Ewald liegt nur wenige Minuten entfernt. Inzwischen ist es dunkel und schon von weitem sieht man die bunt angeleuchtete Industrieanlage. Das Fördergerüste von Schacht 2 sowie der Malakowturm leuchten in Grün und Rot. Reichlich Menschen sind hier unterwegs und versammeln sich auf dem zentralen Platz. Es ist kurz vor 23 Uhr. Ich bin genau passend zum Feuerwerk gekommen. Es lohnt sich! In Kombination mit der perfekt illuminierten Kulisse ist das Feuerwerk ein unvergleichlicher Anblick. Nach Ende des Feuerwerks drängen die Menschenmassen auf das Zechengelände. Ich beschließe, mir diese Zeche an einem „normalen“ Tag einmal in Ruhe anzuschauen und verzichte darauf, mich ins Getümmel zu stürzen. Stattdessen wandere ich auf die benachbarte Halde Hoppenbruch, die zusammen mit der daneben liegenden Halde Hoheward die größte Haldenlandschaft Europas bildet. Von hier oben hat man eine traumhafte Aussicht auf die beleuchtete Zeche und das bunte Treiben rundherum. Auch hierher muss ich unbedingt einmal im Hellen und schauen, was man dann von oben noch so alles sieht.

Der Malakowturm der Zeche Ewald ist rot angestrahlt
Der Malakowturm der Zeche Ewald ist rot angestrahlt
Die gesamte Zeche leuchtet wunderschön
Die gesamte Zeche leuchtet wunderschön
Kurz vor dem Feuerwerk versammeln sich viele Menschen vor der Zeche
Kurz vor dem Feuerwerk versammeln sich viele Menschen vor der Zeche
Welch toller Anblick
Welch toller Anblick
Das Feuerwerk war ein echtes Highlight
Das Feuerwerk war ein echtes Highlight
Die Zeche Ewald muss ich mir auch bei Tageslicht einmal anschauen
Die Zeche Ewald muss ich mir auch bei Tageslicht einmal anschauen
Nächtlicher Blick von der Halde auf Herten
Nächtlicher Blick von der Halde auf Herten
Die Halde Hoheward liegt direkt nebenan
Die Halde Hoheward liegt direkt nebenan

Ein Blick auf die Uhr verrät, es ist schon nach Mitternacht. Da die Extraschicht nur bis 2 Uhr geht, bleibt mir wenig Zeit. Schnell geht es weiter zur nächsten und letzten Station für heute: der Nordsternpark in Gelsenkirchen-Horst. Als ich ankomme, sehe ich in der Ferne gerade noch das Ende einer Lasershow. Wäre ich etwas eher gewesen und hätte einen besseren Standort gehabt, hätte diese sich ganz bestimmt sehr gelohnt. Aber es gibt auch so reichlich zu sehen. Die Zeche Nordstern ist ebenfalls bunt angestrahlt – sogar in wechselnden Farben.  Ein märchenhafter Musiker sorgt mit einem bunt leuchtenden Kostüm und einer kleinen Feuer-Show für Stimmung. Mein persönliches Highlight hier ist aber ein Besuch im Bergbaustollen. Dieser ist zwar kein Original aus der aktiven Zeit der Zeche, er wurde erst 1997 für Besucher errichtet, jedoch wirkt er wie ein Original. Vor allem die darin ausgestellten Exponate aus dem Bergbau faszinieren. Trotz der Enttäuschung, dass ich bei Schlägel & Eisen nicht auf den Förderturm konnte, hat sich die Extraschicht sehr gelohnt. Im nächsten Jahr werde ich ganz sicher wieder kommen und mir weiter Spielorte anschauen.

Die Zeche Nordstern in Gelsenkirchen-Horst
Die Zeche Nordstern in Gelsenkirchen-Horst
Ein märchenhafer Musiker sorgte für Stimmung
Ein märchenhafer Musiker sorgte für Stimmung
Besonders gelohnt hat sich der Besuch im Stollen
Besonders gelohnt hat sich der Besuch im Stollen
Viele Exponate sind hier ausgestellt
Viele Exponate sind hier ausgestellt
Um 2 Uhr endete die Extraschicht
Um 2 Uhr endete die Extraschicht

Eintrittskarten für die Extraschicht wurden mir vom Ruhr Tourismus zur Verfügung gestellt. Allerdings hätte ich diese nirgendwo benötigt. Alle von mir besuchten Orte waren auch ohne Eintrittskarte zugänglich.

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Thomas Limberg

Ob Nordpol, Himalaya oder der Zoo um die Ecke. Immer wenn ich unterwegs sein und Neues entdecken kann, bin ich am glücklichsten. In diesem Blog nehme ich Dich seit 2010 mit auf meine Städtereisen, Roadtrips, Wander-Abenteuer und zu vielem mehr.

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