Bremerhaven – Ein Traum für Schiff-Fans

Fast fünf Kilometer lang ist die Kaje des Container-Terminals in Bremerhaven

Zugegeben, ich habe schon Stunden an Flughäfen verbracht, um Flugzeuge zu fotografieren oder einfach nur um die Flieger zu beobachten. Für Schiffe habe ich diese Leidenschaft bisher nicht so wirklich entwickeln können. Doch warum eigentlich? In letzter Zeit faszinieren mich Schiffe immer mehr. Ob große Pötte oder kleine Barkassen, ob historisches Segelschiff oder moderner Frachter – wie bei Flugzeugen gibt es auch bei Schiffen unzählig viele Formen, Farben und Funktionen, die mich zunehmend begeistern. Wer ebenfalls ein Herz für Schiffe hat, der dürfte in Bremerhaven voll und ganz auf seine Kosten kommen. Noch mehr rund um das Thema Schiff gibt es wahrscheinlich in keiner anderen deutschen Stadt zu entdecken. Doch wo muss man in Bremerhaven unbedingt hin und wo gibt es welche Schiffe zu sehen?

Dicke Pötte an der längsten Kaje der Welt

Wer sich für Schiffe interessiert, der muss zum Container-Terminal. Hierher kommen die ganz großen Pötte. Schiffe so hoch wie Hochhäuser! Es lohnt sich ungemein das bunte Treiben in jenem Containerhafen zu beobachten, der zu den 25 größten der Welt zählt. Leider ist das Betreten für Privatpersonen verboten. Es gibt jedoch zwei sehr gute Möglichkeiten trotzdem ganz nah dran zu sein. Zum einen bietet der sogenannte Hafenbus Rundfahrten über das Gelände an. Ich habe an einer solchen teilgenommen und war begeistert. Allein das viele Ladegut, das dort auf gigantischen Abstellplätzen auf die Verschiffung wartet, ist beeindruckend. Unvorstellbare Mengen an Fahrzeugen, Trucks, US-Wohnwagen, ja sogar Panzer und andere Militärfahrzeuge habe ich in Massen gesehen. Dazu Container bis zum Abwinken. Kühlhäuser für Bananen und vieles vieles mehr. Einen Wermutstropfen gibt es allerdings: Während der Tour herrscht Foto-Verbot. Deshalb gibt es hier auch keine Fotos von mir davon.  Wer gerne Fotos macht, sollte vielleicht eine andere Möglichkeit in Betracht ziehen: Bei einer Hafenrundfahrt vom Wasser aus, sieht man ebenfalls sehr viel und kann nach Herzenslust fotografieren. Man hat dabei nicht nur einen Logenplatz, um sein Objektiv auf die großen Schiffe zu richten, sondern kann zugleich noch einen architektonischen Weltrekord sehen. Die Kaje des Container-Terminals in Bremerhaven wurde mit einer Länge von 4930 Metern und 14 Liegeplätze 2010 als das größte zusammenhängende Container-Terminal der Welt ins Guinness-Buch eingetragen. Egal für welche Möglichkeit man sich entscheidet, anschließend ist ein Besuch in der „Letzten Kneipe vor New York“ schon fast ein Muss. Das Essen dort ist ausgezeichnet und ich habe selten ein Restaurant gesehen, das so stilvoll eingerichtet ist. Vor der Tür ergibt sich zudem ein traumhafter Panoramablick in Richtung Container-Terminal.

Fast fünf Kilometer lang ist die Kaje des Container-Terminals in Bremerhaven
Fast fünf Kilometer lang ist die Kaje des Container-Terminals in Bremerhaven
Die letzte Kneipe vor New York ist Kult bei Einheimischen und Touristen in Bremerhaven
Die letzte Kneipe vor New York ist Kult bei Einheimischen und Touristen

Frischer Fisch und Fischereihafen-Flair

Lohnenswert ist vor allem auch ein Besuch im historischen Fischereihafen, der von Bremerhaven Mitte nur einen Katzensprung entfernt ist. Hier sind oft interessante Schiffe zu sehen. Ein ganz besonderes ist sogar ständig zu Gast – die FMS „Gera“. Es handelt sich dabei um den letzten deutsche Seitentrawler, der jetzt ein Museumsschiff ist. An Bord informiert eine Ausstellung über die harte Arbeit der Hochseefischerei. Wer danach selbst Appetit auf frischen Fisch bekommen hat, bekommt in zahlreichen umliegenden Restaurants ein breites Angebot. An kleinen Buden werden fangfrische Krabben angeboten und im Seefisch Kochstudio kann man sogar lernen, wie man verschiedene Meerestiere einfach aber lecker zubereitet. Bei der Zubereitung helfen und anschließend alles probieren inklusive. Ein ganz besonderer Tipp für alle Hobby-Matrosen ist die Hafenkneipe Krohns-Eck. Hier herrscht auch spät abends noch authentisches Hafen-Flair – leider nicht rauchfrei, dafür aber mit schönem Biergarten und Hafenblick.

Die Wega Hamburg ist eine Vermessungs-, Wracksuch- und Forschungsschiff
Die Wega ist eine Vermessungs-, Wracksuch- und Forschungsschiff
Das Museumsschiff FMS „Gera“ im Fischereihafen Bremerhaven
Das Museumsschiff FMS „Gera“ im Fischereihafen
Das Seefisch Kochstudio Bremerhaven bietet ein ganz besonderes Erlebnis
Das Seefisch Kochstudio Bremerhaven bietet ein ganz besonderes Erlebnis
In Krohns Eck in Bremerhaven wird auch Seemansgarn gesponnen
In Krohns Eck wird auch Seemansgarn gesponnen

Wo Elvis einst nach Deutschland kam

Jeder der sich irgendwie für Schiffe interessiert, hat den Namen bestimmt schon einmal gehört – Columbuskaje. Was sich dahinter verbirgt, ist vor allem viel Tradition. Elvis Presley betrat hier 1958 deutschen Boden. Vor allem aber steht die Columbuskaje für die Geschichte der Auswanderer. Ein großer Teil des deutschen und europäischen Auswandererstromes in die USA aber auch in andere Länder nahm hier seinen Anfang. Millionen Menschen brachen von hier mit so prominenten Schiffen wie der namensgebenden Columbus, der Bremen und der Europa in ein neues Leben auf. Wer sich dafür interessiert, sollte unbedingt einen Abstecher ins Deutsche Auswandererhaus unternehmen, das sich ebenfalls in Bremerhaven befindet. In diesem einzigartigen Museum sind Teile dieser Schiffe nachgebaut. Mehr dazu habe ich HIER geschrieben. Eine ganz besondere Lieferung traf übrigens im Frühjahr 1948 an der Columbuskaje ein. Unter dem Decknamen Bird Dong wurden 23000 Holzkisten mit einem Gewicht von 500 Tonnen angeliefert. In den Kisten waren allerdings, nicht wie darauf vermerkt, Türknäufe aus Barcelona, sondern ziemlich viel Geld. 5,7 Milliarden DM, die in den USA gedruckt wurden und 1948 in der Bundesrepublik für die Währungsreform benötigt wurden. Heute wirkt die Columbuskaje eher etwas trist und strahlt nicht mehr den anmutigen Glanz vergangener Tage aus. Vor allem in den Sommermonaten nutzen aber Kreuzfahrtschiffe die Kaje und das dortige Columbus Cruise Center zum Anlegen.

Nachbildung der Columbus (hinten) im Deutschen Auswandererhaus
Nachbildung der Columbus (hinten) im Deutschen Auswandererhaus

Highlights an der Weser und im Zentrum

Wohl jeder, der sich für Schiffe interessiert und nach Bremerhaven kommt, besucht auch den Stadtteil Mitte. Hier, wo Sehenswürdigkeiten wie der Zoo am Meer, das Auswandererhaus, der älteste noch in Betrieb befindliche Festland-Leuchtturm an der Nordseeküste oder das Klimahaus zu finden sind, bekommen Besucher alle möglichen Schiffe zu sehen. Lohnenswert ist vor allem ein Spaziergang entlang des Deiches an der Wesermündung. Von dort können viele fahrende Schiffe beobachtet werden. Wer in Bremerhaven übernachtet, dem kann ich übrigens ein perfektes Hotel empfehlen, um aus dem Zimmer die Wesermündung zu beobachten. Das Hotel „Im Jaich“ liegt direkt hinter dem Weserdeich und hat sogar Ferngläser zur Schiffsbeobachtung auf den Zimmern. Jedoch sollte man bei der Buchung nach einem Zimmer in den höheren Stockwerken fragen, sonst schaut man nicht komplett über den Deich. Absolutes Highlight im Stadtteil Mitte ist aber wohl der historische Hafen mit zahlreichen Museumsschiffen. Darunter Schlepper, Dampfschiffe, große Segelschiffe, wie der weltweit letzten hölzernen Handels-Großsegler „Seute Deern” oder gar ein U-Boot aus dem Zweiten Weltkrieg.

Blick vom Klimahaus über den Zoo am Meer auf die Wesermündung
Blick vom Klimahaus über den Zoo am Meer auf die Wesermündung
Auf der Weser sind viele interessante Schiffe unterwegs
Auf der Weser sind viele interessante Schiffe unterwegs
Blick von Bremerhaven Mitte in Richtung Container-Terminal
Blick von Bremerhaven Mitte in Richtung Container-Terminal
Hier gibt es überall viel Schiffe zu sehen
Hier gibt es überall viel zu sehen
Der Weserdaich vom Hotel Im Jaich aus gesehen. Aus den höheren Stockwerken ist die Sicht besser
Der Weserdeich vom Hotel Im Jaich aus gesehen. Aus den höheren Stockwerken ist die Sicht besser
Ein Schiff in der Schleuse. Im Hintergrund das Auswandererhaus
Ein Schiff in der Schleuse. Im Hintergrund das Auswandererhaus
Ein Schlepper im Museumshafen
Ein Schlepper im Museumshafen
Durch den Museumshafen zu schlendern ist sehr lohnenswert
Durch den Museumshafen zu schlendern ist sehr lohnenswert
Sogar ein altes U-Boot kann hier besichtigt werden
Sogar ein altes U-Boot kann hier besichtigt werden
Blick ins Innere des U-Boots
Blick ins Innere des U-Boots
Auch Segel- und Dampfschiffe liegen im Museumshafen
Auch Segel- und Dampfschiffe liegen im Museumshafen

Ein außergewöhnliches Museum

Der Museumshafen grenzt an ein absolutes Highlight in Bremerhaven: Das Deutsche Schiffahrtsmuseum. Ich hätte mich dort Tage aufhalten können. Schließlich gibt es auf über 8000 Quadratmetern Ausstellungsfläche reichlich zu sehen. Von einer alten Hansekokke aus dem Jahre 1380 über Exponate aus der jüngeren Vergangenheit bis hin zur modernen Schifffahrt wird hier alles Mögliche gezeigt. Besonders beeindruckt haben mich die zahlreichen Modelle und Dioramen. Am besten, ich lasse einige Fotos für sich sprechen:

Von der kompletten Flotte der kaiserlichen Marine werden Modelle gezeigt
Von der kompletten Flotte der kaiserlichen Marine werden Modelle gezeigt
Auch wer sich für die Kriegsmarine interessiert, bekommt viel zu sehen
Auch wer sich für die Kriegsmarine interessiert, bekommt viel zu sehen
Ein kleines U-Boot aus dem zweiten Weltkrieg
Ein kleines U-Boot aus dem Zweiten Weltkrieg
Auch der Nachbau einer echten Schiffsbrücke kann besichtigt werden
Auch der Nachbau einer echten Schiffsbrücke kann besichtigt werden
Blick in die Kabine der Besatzung auf einem Frachtschiff
Blick in die Kabine der Besatzung auf einem Frachtschiff
Unglaublich detailreich sind die Modelle
Unglaublich detailreich sind die Modelle
Sehr interessant ist das Modell der Estonia
Sehr interessant ist das Modell der Estonia
Die Columbuskaje zu ihrer "Blütezeit"
Die Columbuskaje zu ihrer „Blütezeit“
Das Gigantische Modell der Bremen mit Einschnitten zum Hineinsehen fasziniert
Das Gigantische Modell der Bremen mit Einschnitten zum Hineinsehen fasziniert
Vieles dreht sich auch um die Polar- und Meeresforschung
Vieles dreht sich auch um die Polar- und Meeresforschung
So soll es 1869 in Bremerhaven ausgesehen haben, als hier eine Polarexpedition startete
So soll es 1869 in Bremerhaven ausgesehen haben, als hier eine Polarexpedition startete
Modell der deutschen Antarktisexpedition von 1911-1912
Modell der deutschen Antarktisexpedition von 1911-1912
1870 ging die Hansa durch Eispressung verloren
1870 ging die Hansa durch Eispressung verloren
Modell der ersten deutschen Nordpolar-Expedition von 1868 mit der Grönland
Modell der ersten deutschen Nordpolar-Expedition von 1868 mit der Grönland

Auf Kontrollfahrt mit einem Seenotrettungskreuzer

Ein weiteres Highlight für Schiff-Fans bietet Bremerhaven im Bereich der Geeste-Mündung. Dort liegt, sofern kein Einsatz und keine Kontrollfahrt anstehen, der schmucke Seenotrettungskreuzer Hermann Rudolf Meyer. Wer etwas Glück hat, kann diesen gelegentlich vom Weserdeich aus auch in Fahrt sehen. Wer noch mehr Glück hat, darf sogar an Bord. Obwohl letzteres eigentlich fast ausgeschlossen ist, hatte ich dieses Glück. Damit ich hier davon berichten kann, wurde eine der seltenen Ausnahmen gemacht und ich durfte sogar auf einer Kontrollfahrt mitfahren. Ein absolut großartiges Erlebnis! Vor allem auch, weil die Crew außerordentlich nett war und über alles Mögliche mit mir geplaudert hat. Gut zu wissen, dass solche Jungs im Notfall für uns da sind. Wer sich dafür interessiert, für den habe ich während der Fahrt einige Szenen für DIESES VIDEO gedreht.

Der Seenotrettungskreuzer Hermann Rudolf Meyer
Der Seenotrettungskreuzer Hermann Rudolf Meyer
Ich durfte eine Kontrollfahrt an Bord erleben
Ich durfte eine Kontrollfahrt an Bord erleben
Auch das Tochterboot kam zum Einsatz
Auch das Tochterboot kam zum Einsatz
Das Tochterboot vor dem Container-Terminal in Bremerhaven
Das Tochterboot vor dem Container-Terminal in Bremerhaven
Blick ins Innere des Schiffes
Blick ins Innere des Schiffes
Die Crew ist ungemein sympathisch
Die Crew ist ungemein sympathisch

Offenlegung: Zu einem Teil der hier vorgestellten Dinge wurde ich von der Erlebnis Bremerhaven GmbH und den beteiligten Partnern eingeladen.

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Thomas Limberg

Ob Nordpol, Himalaya oder der Zoo um die Ecke. Immer wenn ich unterwegs sein und Neues entdecken kann, bin ich am glücklichsten. In diesem Blog nehme ich Dich seit 2010 mit auf meine Städtereisen, Roadtrips, Wander-Abenteuer und zu vielem mehr.

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