Warum ein Foto von mir im Museum hängt

Rund 400 Kilometer von der nächsten Ortschaft entfernt, irgendwo mitten in der Wildnis der kanadischen Northwest Territories. Ein Ort, den man nur per Wasserflugzeug erreichen bzw. verlassen kann. Zwei Tage hatte es gestürmt, ein Flugzeug konnte bei diesem Wetter nicht fliegen und uns abholen. Wir mussten warten bis sich das Wetter besserte. In den letzten Tagen waren wir mit Kanus durch den Norden Kanadas gepaddelt und hatten keinerlei Kontakt zur Außenwelt. Zum Ende der Tour noch mehr Zeit in dieser großartigen Landschaft verbringen zu dürfen, empfand ich nicht als sinnlose Warterei, sondern als großes Geschenk. Ich nutzte die Zeit, um unzählige Fotos zu schießen. Darunter auch das oben abgebildete. Es entstand an meinem letzten Morgen in der Wildnis. Genau in jenem Moment, als sich das Wetter besserte und die Flugzeuge zu uns aufbrachen um uns zurück in die Zivilisation zu bringen. Heute, gute vier Jahre später, hängt davon ein Abzug im Bushaltestellenformat im Archäologischen Museum Hamburg.

Eiszeiten in Hamburg

Vom 18. Oktober 2016 bis zum 14. Mai 2017 läuft im Archäologischen Museum Hamburg und im dortigen Museum für Völkerkunde die Doppelausstellung „Eiszeiten“. Während die Ausstellung im letzteren Museum unter dem Motto „Die Menschen des Nordlichts“ steht, ist die Ausstellung im Archäologiemuseum mit „Die Kunst der Mammutjäger“ beschrieben. Jetzt habe ich zwar weder ein Mammut gejagt, noch bin ich ein Mensch des Nordlichts, und dennoch hängt mein Foto in der Ausstellung. Warum das so ist, dazu später mehr. Zunächst einmal habe ich mir angeschaut, was man denn unter Kunst der Mammutjäger versteht. Ich muss zugeben, ich war ziemlich baff, dass schon vor 35.000 Jahren Menschen Kunst erschaffen haben. Aus Elfenbein, Stein oder Knochen geschnitzt, finden sich Figuren in der Ausstellung, bei denen man sich gar nicht vorstellen kann, dass diese tatsächlich so alt sind. Zugleich sind in der Ausstellungen auch Waffen und Werkzeuge von Menschen der der späten Eiszeit sowie Exponate zur damaligen Tierwelt zu sehen. Die Ausstellung hat mich total begeistert. Nicht nur, dass ich etwas gesehen habe, was ich in dieser Form noch nicht kannte, sondern weil ich einige Parallelen zum heutigen Leben der Inuit entdeckt habe.

Ähnliche Kunstformen bei den Inuit

Ich habe mir im Norden Kanadas an einigen Orten Museen zur Geschichte der Inuit angeschaut. Immer wieder waren ganz ähnliche Objekte wie in Hamburg zu sehen. Allerdings alle wesentlich jünger und aus der näheren Vergangenheit. Tatsächlich haben sich bei den Inuit bis heute einige Traditionen und Kunstformen gehalten, wie es sie anscheinend schon in der Eiszeit gab. Beim Besuch der Hamburger Ausstellung fühlte ich mich sofort in die Arktis versetzt und mich an den Besuch der dortigen Museen erinnert. Dabei stammt die in Hamburg ausgestellte Kunst nicht aus dem hohen Norden sondern aus Mitteleuropa und Russland. Bisher hatte ich mir nie vergegenwärtigt, dass es einst in Deutschland so aussah, wie heute im Land der Inuit. Dies ist auch der Grund, warum mein Foto im Museum hängt.

Zeitreise in die Vergangenheit

Da es im Norden Deutschlands vor rund 14.000 Jahren so ausgesehen haben soll, wie heute in der Subarktis, suchte das Archäologische Museum nach einem Foto zur Veranschaulichung und stieß dabei auf meine Aufnahme von der Kanutour.  Natürlich hatte ich nichts dagegen, dass mein Foto in der Ausstellung gezeigt wird. Ganz im Gegenteil, es freut mich riesig, einen Teil dazu beitragen zu können, mehr Menschen für die „eisigen Welten“ begeistern zu können. Bis vor wenigen Tagen, hätte ich selbst nicht gedacht, dass sich das Leben, wie es sich noch heute zum Teil im hohen Norden findet,  vor tausenden von Jahren im Gebiet des heutigen Deutschlands stattfand. Wer mal in den Norden Kanadas kommt, wird wissen wovon ich rede. Wer sich allerdings „nur“ die Ausstellung in Hamburg anschaut, bekommt ebenfalls einen faszinierenden ersten Eindruck.

Übrigens, all jene, die sich für meine Kanutour, bei der das Foto entstand, interessieren, finden HIER einen ausführlichen Bericht darüber.

Thomas Limberg

Ob Nordpol, Himalaya oder der Zoo um die Ecke. Immer wenn ich unterwegs sein und Neues entdecken kann, bin ich am glücklichsten. In diesem Blog nehme ich Dich seit 2010 mit auf meine Städtereisen, Roadtrips, Wander-Abenteuer und zu vielem mehr.

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