Liebe Deutsche Bahn, ich rege mich nicht auf

Mit solch einem IC bin ich von Osnabrück nach Duisburg gefahren. Symbolfoto

Es wäre ja leicht sich über die Deutsche Bahn aufzuregen. Ich könnte darüber schreiben, dass von meinen letzten sechs Fahrten im Fernverkehr ausnahmslos entweder ein Wagen fehlte oder die Reservierungen nicht angezeigt werden konnten. Doch was soll ich mich über etwas aufregen, das inzwischen anscheinend zum Normalfall geworden ist? Stattdessen möchte ich heute über eine ganz besonders erfreuliche Geschichte schreiben, die auf einer meiner letzten Bahnfahrt passiert ist und die ich in dieser Form niemals erwartet hätte.
Ich meine damit nicht die Tatsache, dass mal wieder ein Wagen fehlte, als ich in Osnabrück in den IC 2213 stieg. An jenem 17. Mai zeigte das Thermometer erstmals richtig sommerliche Temperaturen in Deutschland. Sommerlich war es auch im Zug. Ich stieg in der Mitte ein und merkte schnell, dass hier etwas nicht stimmte. Offensichtlich war die Klimaanlage ausgefallen. Also ging ich einige Wagen weiter, bis ich das Ende des Zuges erreichte. Auch hier erwartete mich brütende Hitze. Wer sich mal in ein Auto gesetzt hat, das den ganzen Tag in der prallen Sonne abgestellt war, weiß wovon ich rede.

Ein Bahn-Mitarbeiter, der es nicht besser wusste

Doch ich will mich ja nicht aufregen. Schließlich will ich von einer erfreulichen und unerwarteten Begebenheit schreiben. Ich meine damit nicht die Tatsache, dass mir die Deutsche Bahn nachdem ich sie via Twitter darauf aufmerksam gemacht habe, dass in der Hitze für einige Fahrgäste Gesundheitsgefahr besteht, schon etwas kühn antwortet. Ich solle mich ans Zugpersonal wenden und es tue ihr leid, wenn es zu warm ist. Ich halte dem DB-Mitarbeiter, der mir geschrieben hat zugute, dass er nicht gesehen hat, dass schon beim ersten Halt des Zuges in Münster rund die Hälfte der Fahrgäste aus dem letzten Wagen zur Tür stürmten, um dort wenigsten zwei Minuten Frischluft zu bekommen. Ich halte ihm auch zugute, dass er nicht wissen konnte, dass in Dortmund eine Frau aussteigen musste, die eigentlich bis Duisburg wollte, weil sie es nicht mehr in dem Zug ausgehalten hat. Ebenso konnte er auch nicht wissen, dass es nicht so einfach ist sich an das Zugpersonal zu wenden, wenn man mit viel Gepäck unterwegs ist und das Personal nicht durch den Zug kommt.

Ganz unerwartete Hilfe

Also rege ich mich nicht auf und komme zur erfreulichen Begebenheit. Selten habe ich in Deutschland eine derartige Hilfsbereitschaft erlebt. Einige Fahrgäste scheinen einem Kollaps wirklich nahe. Da von der Seite der Deutschen Bahn keine Hilfe kommt, helfen sich die Fahrgäste schließlich selbst. „Möchten Sie vielleicht noch etwas Wasser?“, fragt ein junger Mann eine ältere Dame zwei Sitze hinter mir. Dem Beispiel folgen weitere. Wer etwas Flüssiges dabei hat, teilt es. Auch von mir wandert eine Coladose an den Nachbartisch zu einem älteren Ehepaaar. Dieses erzählt mir, dass die Klimaanlage schon beim Zustieg in Binz nicht funktionierte, die Situation aber erst mit zunehmenden Tagesverlauf etwa ab Hamburg unerträglich geworden ist. Von der Hilfsbereitschaft, die plötzlich herrscht ist das Paar genau so überrascht wie ich. Von Ellenbogengesellschaft ist hier keine Spur mehr. Und sogar von der Bahn gibt es kurz bevor ich in Duisburg aussteige ein positives Zeichen. Ein freundlicher Zugbegleiter lässt sich blicken und erfüllt einem älteren Herren einen Wunsch. Dieser muss noch bis Stuttgart und hatte den Zugbegleiter gebeten, das Klappfenster auf der Toilette aufzuschließen, damit er zwischendurch mal auf dem stillen Örtchen durchatmen kann.
Ist das nicht eine erfreuliche Geschichte? Doch warum die Deutsche Bahn immer öfter mit derartigen Zügen unterwegs ist, darüber darf ich nicht nachdenken. Denn dann müsste ich mich wirklich aufregen.

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Thomas Limberg

Ob Nordpol, Himalaya oder der Zoo um die Ecke. Immer wenn ich unterwegs sein und Neues entdecken kann, bin ich am glücklichsten. In diesem Blog nehme ich Dich seit 2010 mit auf meine Städtereisen, Roadtrips, Wander-Abenteuer und zu vielem mehr.

2 Kommentare

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  • Wie gut, dass Menschen dann doch in solchen Situationen zusammenhalten 😀

    Ich hatte neulich ein ähnliches Erlebnis. Düsseldorf Flughafen bis Köln. Der Zug hatte schon 25min Verspätung, ein Wagen war komplett gesperrt, wir standen schweißtreibend Haut an Haut und die Klimaanlage war auch in diesem RE ausgefallen.
    Das Atmen fiel schwer. Aber wann immer ältere Menschen einstiegen, boten die jungen sitzenden ihnen direkt die Sitzplätze an (ich stand von vorne herein die ganze Fahrt da ich auch meinen Koffer dabei hatte) und eine Dame neben mir wedelte sich mit ein paar Unterlagen etwas Luft zu und stellte sich irgendwann so, dass auch ich etwas von ihrem Wind abbekam.

    Aber auch hier kam natürlich nie Zugpersonal vorbei… meine Theorie: Denen war es zu heiß um durch den Zug zu laufen 😉

  • Meine Erfahrungen sind sehr unterschiedlich…

    Im RE5 von Köln nach Oberhausen war mal ein kompletter Wagen mit
    ausgefallener Klimaanlage, die Zugbegleiter hat´s null interessiert. Erst
    als in Duisburg ein Bundespolizist das ganze thematisiert hat und mit Konsequenzen drohte, hat sich etwas bewegt.

    Der Wagen wurde daraufhin geräumt und verschlossen.

    In ICE´s klappt das meistens ganz gut, daß Zugpersonal kümmert sich
    auch um Passagier Angelegenheiten wie defekte Klimaanlage etc.

    In den normalen IC Zügen dürfte es manchmal schwer sein mit der
    Technik, die Wagen sind häufig schon viele Jahre alt und gehören fast
    schon nicht mehr in den Regelverkehr.

    So hat es mir vor ein paar Jahren mal eine Zugbegleiterin erzählt.