Gründe für einen Roadtrip durch Wales

Das Schlechte zuerst: Das Frühstück in Wales ist genausogewöhnungsbedürftig wie in England. Doch Baked Beans und Blutwurst direkt nach dem Aufstehen, sind schon die einzigen Nachteile, die ich an diesem Land im Südwesten Großbritanniens finden konnte. Bei einem Roadtrip durch Wales wurde mir schnell klar, dass es reichlich Gründe gibt, die ein schlechtes Frühstück vergessen lassen. Seien es die traumhaften Landschaften, die wilde Küste oder die Ruhe im Hinterland – wer eine Rundtour durch Mittel- und Nordwales macht, wird nicht zuletzt durch die abwechslungsreichen Sehenswürdigkeiten begeistert sein.

Highlights eines Roadtrips durch Wales

Vier Schafe pro Einwohner

Schafe faszinieren mich immer wieder. Wenn die wolligen Tierchen auf einer saftig grünen Wiese stehen, strahlt es eine friedliche Ruhe aus. In Wales gibt es davon reichlich. Insgesamt knapp 12 Millionen Schafe sollen hier leben. Menschliche Einwohner hingegen hat Wales nur 3 Millionen. Somit kommen auf jeden Einwohner theoretisch vier Schafe – und das auf einer gigantisch großen Fläche. Kleine Weiden habe ich nirgendwo gesehen. Die Schafe, die hier hauptsächlich wegen des Fleisches gezüchtet werden, bevölkern riesige Wiesen. Mir scheint es so, als hätten die Schafe hier zwar ein kurzes, aber glückliches Leben.

Lara Croft und James Bond waren in Snowdonia

Allein der Name klingt wie aus einem Märchen. „Snowdonia“ – Was sich anhört, wie von einer anderen Welt, ist ein Paradies für Naturliebhaber. Einst machten sich hier Sir Edmund Hillary und Tenzing Norgay für die Besteigung des Mount Everest fit. Dabei ist der höchste Punkt, der Mount Snowdon, nur 1085 Meter hoch, doch das tut der Schönheit keinen Abbruch. Ganz im Gegenteil, wild und schroff präsentiert sich die Landschaft. Oft nutzen Filmemacher den Park als Kulisse. Guy Ritchie drehte hier „King Arthur“. Auch für die James-Bond-Streifen „Liebesgrüße aus Moskau“ und „Die Welt ist nicht genug“ wurden Szenen in Snowdonia gedreht. Ebenso für Tomb Raider. Angelina Jolie fährt als Lara Croft im Film scheinbar durch China. Entstanden sind diese Szenen allerdings hier in Wales. Leider war ich mit einem Guide unterwegs, der in dieser spektakulären Umgebung eindeutig zu wenig Zeit eingeplant hatte. So ist der Großteil meiner Fotos aus einem fahrenden Bus heraus entstanden. Wer in den Nationalpark kommt, sollte sich unbedingt Zeit nehmen. Sei es für genügend Fotostopps, zum Wandern oder zu einer Fahrt mit der Snowdon Mountain Railway zum höchsten Punkt Wales‘.

1200 Kilometer abwechslungsreiche Küste

Egal wo man in Wales unterwegs ist – die Küste ist eigentlich nie weit weg. Ein Abstecher zu den malerischen Buchten und Stränden lohnt sich immer. Mal rau und wild, mal sanft und verträumt präsentiert sich die 1200 Kilometer lange Küste Wales‘. Ob man einfach nur die ans Ufer schlagenden Wellen genießen möchte, ob man sich als Fotograf an den pastelligen Farben der vielen Küstenblumen erfreut oder an den ausgezeichneten Wanderwegen die Stiefel schnürt – für jeden ist hier etwas dabei. Mein Geheimtipp: Ich habe mir im mondänen Örtchen Aberystwyth eine Fahrt mit einer historischen Standseilbahn auf den Constitution Hill gegönnt. Von dort oben bietet sich ein traumhafter Blick entlang der Küste sowie auf das Meer in Richtung Irland.

Ein Land der Dichter und Denker

Wales ist auch das Land der Legenden. Um König Artus oder Geschichten von kämpfenden Drachen kommt hier niemand umhin. Doch immer wieder stößt man auch auf Spuren großer Dichter und Schriftsteller, die das Land hervorgebracht hat. Dylan Thomas etwa hat sich von Land, Leuten und der Natur inspirieren lassen. Sprache, Tradition und Landschaft scheinen in Wales eng miteinander verbunden zu sein. Das zeigt auch ein Besuch auf einer kleinen Farm im Nordwesten des Landes. Hier hat einst der Dichter Hedd Wyn gelebt. Während ihn in Wales jedermann kennt, bin ich zunächst nicht begeistert das Haus eines Mannes zu besichtigen, der auf walisisch gedichtet hat und mit dessen Werk ich folglich nichts anfangen kann. Doch die Skepsis trügt. Wer die Zeit hat, sollte sich genau solche Orte anschauen. Die Farm wurde gerade erst liebevoll restauriert und bietet jetzt als eine Art Freilichtmuseum ein Fenster ins walisische Leben vor rund 100 Jahren.

Ist das Essen in Wales wie in England?

Selten war ich vor einer Reise so gespannt auf das Essen, wie vor meinem Roadtrip durch Wales. Ob das Essen dort wie in England ist, ob es vielleicht nur Fish & Chips oder vielleicht doch kulinarische Hochgenüsse gibt? Vor meiner Abreise wurde mir versprochen, dass mich in Wales ein komplett anderes Essen als in England erwartet. Viel regionaler, viel frischer und viel leckererer sollte es sein. Das Frühstück konnte damit allerdings wohl nicht gemeint sein. Wie schon erwähnt, gab es keinen Unterschied zum nicht gerade leckeren englischen Start in den Tag. Schon deutlich besser gefiel mir das „Welsh rarebit“, eine Scheibe geröstetes Brot mit geschmolzenem Käse darüber. Geradezu himmlisch präsentiert sich das Gebäck zur klassischen Tea Time. Bara Brith, eine Art Christstollen oder Scones mit einer Butter-Sahne-Mischung – einfach himmlisch. Ebenso das Lamm-Rumpsteak, das ich an einem Abend auf dem Teller hatte. Nie zuvor habe ich ein solch hervorragendes Lamm gegessen. Ich habe mir eingebildet, die Weite der Weiden und das frische Grün Wales‘ zu schmecken. Allein für ein solches Steak wäre es eine erneute Reise nach Wales wert. Übrigen, Fish & Chips bekommt man auch an jeder Ecke. Und wer Freund unvermuteter Kulinarik ist, sollte einen Abstecher zum Pant Du Vineyard machen. Vom angegliederten Café, in dem die Besitzer auch schon mal Lasagne servieren, bietet sich nicht nur ein traumhafter Blick auf die Berge Snowdonias und die Küste, hier kann man auch die eigentlichen Erzeugnisse des Weingutes verkosten. Wie wäre es mit einem walisischen Wein oder doch lieber ein Cider oder ein naturtrüber Apfelsaft?

Die weltweit größte Dichte an Burgen

In keinem anderen Land gibt es eine größere Dichte an Burgen. Mehr als 600 sollen es sein. Fast überall, wo wir auf unserem Roadtrip durch Wales entlang kamen, war auch eine Burg zu sehen. Mal klein, mal groß, aber immer irgendwie beeindruckend. Besonders die unter dem englischen König Edward I. errichteten Monumente in Conwy und in Caernarfon sind besonders imposant. Conwy Castle gehört mit der komplett erhaltenen Stadtmauer zu den beeindruckendsten Beispielen mittelalterlicher Militärarchitektur auf der Welt. Gut und gerne kann man sich hier mindestens einen Tag Zeit lassen, um alles zu erkunden. Ähnlich sieht es im Caernarfon Castle aus. Der Bau ist gewaltig und bietet zahlreiche Räume und Türme zu entdecken. Die Aussicht über die Stadt und hinüber zur Insel Anglesey ist spektakulär. Prince Charles wurden hier mit 20 Jahren von der Queen die Insignien des Prinzen von Wales verliehen. Er wurde damit offiziell zum Thronfolger. Doch nicht nur die hervorragend erhaltenen Burgen sind einen Besuch wert. Auch in Städten wie Aberystwyth, wo man durch mittelalterliche Ruinen flanieren kann, sollte man sich unbedingt eine Besichtigung gönnen. Mein ganz persönlicher Favorit ist jedoch Castell y Bere. Zwar sind von ihr auch nur noch Fragmente erhalten, jedoch ist sie wunderschön in einer typisch walisischen Landschaft am Fuße des Cader Iris gelegen.

Gärten, die verzaubern

Wie die englischen Gärten sind auch die walisischen Gärten fast jedem Gartenliebhaber ein Begriff. Während unserer Rundtour habe ich die Möglichkeit einem davon einen kurzen Besuch abzustatten. Es ist jener, von Powis Castle, der mich sofort in seinen Bann zieht. Neben den Mauern des Schlosses wachsen Bananen und zahlreiche andere teils exotische, teils heimische Pflanzen. Auf den Terrassen mit ihren Arkaden blüht es, Statuen und Nischen verströmen italienisches Flair. Hinter einer saftig grünen Rasenfläche erheben sich akkurat in Form geschnittene Hecken, die in einer Ansammlung von 300 Jahre alten Eiben münden. Ich bin völlig begeistert. Vier Gärtner sollen angeblich allein drei Monate damit beschäftigt sein, die Eiben zu stutzen. Wer mal dort ist, sollte unbedingt auch einen Blick ins Innere des Schlosses werfen. Die original erhaltenen Räume aus dem 17. und 18. Jahrhundert sind absolut sehenswert. In einem davon hat einst sogar Prinz Charles genächtigt.

Wales ist ein Paradies für Eisenbahnfreunde

Wales ist ein Paradies für Eisenbahnfreunde. Zahlreiche Schmalspurbahnen mit alten Dampfloks sind im Land unterwegs. Von einem Turm des Caernarfon Castles sehe ich die „Ffestiniog and Welsh Highland Railways“ in den Bahnhof eindampfen. In die Vale of Rheidol Railway darf ich selbst einsteigen und die komplette Strecke der Schmalspurbahn fahren. Für die 19 Kilometer bis Aberystwyth wird rund eine Stunde benötigt. Wer die Zeit hat, sollte auf jeden Fall das Auto abstellen und sich die Fahrt mit einer solchen Bahn gönnen.

Wales bietet Fotomotive im Überfluss

Überall im Land ist der rote Drache präsent. Er ist das Wappen Wales‘ und er ziert neben Postkarten, Souvenirs und Fahnen auch Autos oder Hauswände. Der Drache ist ein beliebtes Fotomotiv – doch bei weitem nicht das einzige. Selten habe ich während eines Roadtrips so viele unterschiedliche Motive gesehen, wie in Wales. Hier bietet sich ständig ein kurzer Fotostopp an. Ob Drachen, Burgen, Landschaften oder andere Dinge – an Motiven mangelt es Wales wahrlich nicht.

Hotels in allen Kategorien

Wenngleich ich während meines Roadtrips durch Wales nur in zwei verschiedenen Hotels geschlafen habe, bin ich an vielen Übernachtungsmöglichkeiten ganz unterschiedlicher Art vorbeigekommen. Ich habe viele Campingplätze, einfache Pensionen, aber auch luxuriöse Hotels gesehen. Wer sich für die Hotels interessiert, in denen ich geschlafen habe, für den habe ich nachfolgende kurze Videos gedreht:

Roomtour im Chateau Rhianfa

Roomtour in der Nanteos Mansion

Was andere Blogger über Wales schreiben

Einen kurzen Roadtrip durch Wales haben auch Melanie und Thomas von reisen-fotografie.de gemacht. Den Artikel mit sehenswerten Fotos findet ihr unter https://www.reisen-fotografie.de/ein-mini-roadtrip-durch-das-noerdliche-wales/. Mariana hat einen Sommer im bezaubernden Küstenörtchen Aberystwyth verbracht. Ihr Artikel ist unter http://www.weltenbummlermag.de/wales/ zu finden. Eine ganze Palette toller Artikel über Wales hat Nicole von Freibeuter Reisen geschrieben. Unter http://www.freibeuter-reisen.org/tag/wales/ wird ihre Liebe zum Land deutlich. Nicht zuletzt bieten Aylin und Stefan von Today We Travel unter http://todaywetravel.de/2017/05/01/snowdonia-wales-wandern.html einen grandiosen Einblick in den Snowdonia Nationalpark.

Meine Tipps für Deinen Roadtrip durch Wales

  • Beschränke dich bei knapper Zeit lieber auf wenige Sehenswürdigkeiten. Burgen wie Conwy oder Caernarfon in einer halben Stunde besichtigen zu wollen, macht keinen Sinn.
  • Die Weite Snowdonias ist ideal für einen Roadtrip. Hier herrscht wenig Verkehr und zugleich gibt es großartige Aussichten. Halte unbedingt oft genug an, um diese Szenerie zu genießen.
  • Denke an einen Adapterstecker. Deutsche Stecker passen nicht in walisische Steckdosen.

Mit diesem Beitrag nehme ich an der Europa-Blogparade von Trip to the Planet teil. Alle Infos dazu unter: http://triptotheplanet.de/aufruf-europablogparade/

Ich wurde von Visit Britain bzw. Visit Wales eingeladen

Thomas Limberg

Ob Nordpol, Himalaya oder der Zoo um die Ecke. Immer wenn ich unterwegs sein und Neues entdecken kann, bin ich am glücklichsten. In diesem Blog nehme ich Dich seit 2010 mit auf meine Städtereisen, Roadtrips, Wander-Abenteuer und zu vielem mehr.

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