Wie ein Heathrow der Vogelwelt

Am roten Felsen herrscht Hochbetrieb. Starts und Landungen erfolgen zu Hunderten im Sekundentakt. Was der Flughafen Heatrow für die Luftfahrt ist, ist Helgoland für die Vogelwelt.

Zu Tausenden nisten die Seevögel in den schmalen Felsspalten. Fotos: Thomas Limberg
Zu Tausenden nisten die Seevögel in den schmalen Felsspalten. Fotos: Thomas Limberg

Die Lage der Insel – 50 Kilometer von der Küste entfernt – bietet in Deutschland einzigartige Bedingungen zur Vogelbeobachtung. Rund 400 Vogelarten sind auf Helgoland schon gesehen worden – mehr als nirgendwo sonst in Mitteleuropa.
Im Frühjahr nutzen die Zugvögel Helgoland als willkommenen Rastplatz, um von Afrika über die iberische Halbinsel bis zu ihren Brutplätzen nach Skandinavien und Sibirien zu fliegen. Im Herbst bieten Rückenwinde aus Nordost ideale Flugbedingungen, um in einer Nacht die Deutsche Bucht zu überqueren und in den Süden zurück zu kehren. Kommt es allerdings zu schlechtem Wetter, was in dieser Jahreszeit auf dem Meer häufig passiert, nutzen vor allem alte und geschwächte Vögel die Insel als Landeplatz, auf dem sie neue Kraft für die weitere Reise sammeln können. An manchen Tagen suchen so tausende von Amseln, Rotkehlchen, Heckenbraunellen und Mönchsgrasmücken Zuflucht auf dem Eiland mit den charakteristischen Felsen.
Doch nicht nur Zugvögel machen auf Helgoland Station. Zahlreiche Seevögel finden auf der nur 1,7 Quadratkilometer großen Insel ideale Brutbedingungen vor. Vor allem im Frühjahr ist auf dem Lummenfelsen die Hölle los. In dem kleinsten Naturschutzgebiet Deutschlands halten sich zur Brutzeit mehr als 30 000 Vögel auf. Darunter befinden sich auch Vögel, die nirgendwo sonst in Deutschland brüten, wie beispielsweise der Basstölpel, der seit 1991zu den ständigen Bewohnern der Insel zählt. Die majestätischen Vögel färben zuweilen den gesamten Westfelsen in ein weithin sichtbares Weiß.
Vom Wanderweg, der sich am oberen Rand der Steilklippe um die Insel schlängelt lassen sich die Tölpel aus nächster Nähe beobachten. Von hier haben Besucher einen Logenplatz, wenn es darum geht, den Nestbau, das Brüten, die Aufzucht der Jungen oder die eleganten Segelflüge im rauhen Meerwind zu beobachten. Dabei sind die Basstölpel überhaupt nicht scheu. Der zweite Teil ihres Namens bezieht sich auf die oft sehr zutrauliche Art der Altvögel.
Ein weiterer Vogel, der in Deutschland nur auf Helgoland brütet, ist die Trottellumme. Die mit ihrem schwaz weißen Federkleid und dem charakteristischen Körperbau an Pinguine erinnernden Vögel mischen sich im Frühjahr und Sommer zu tausenden unter die brütenden Basstölpel und dienen dem westlichen Felsen Helgolands sogar als Namensgeber. Gemeinhin bekannt ist das Kliff unter dem Namen „Lummenfelsen“. Dieser ist immer Ende Juni Schauplatz eines einzigartigen Naturspektakels. Dann verlassen die drei Wochen alten – zu diesem Zeitpunkt noch flugunfähigen – Küken der Trottellummen Deutschlands einzigen Vogelfelsen in der Hochsee und springen bis zu 40 Meter in die Tiefe.
Neben der Trottellumme und dem Basstölpel findet der aufmerksame Beobachter zahlreiche weitere Vögel, die sich in den schmalen Nischen des Felsens ein gemütliches Brutplätzchen eingerichtet haben. Dreizehenmöwe, Tordalk und der mit den Albatrossen verwandte Eissturmvogel lassen sich vom Klippenrandweg leicht finden.

Basstölpel gehören seit 1991 zu den ständigen Bewohnern der Insel.
Basstölpel gehören seit 1991 zu den ständigen Bewohnern der Insel.
Auch Möwen nisten gerne auf Helgoland.
Auch Möwen nisten gerne auf Helgoland.
Namensgebend für den Vogelfelsen sind die charakteristischen Trottellummen.
Namensgebend für den Vogelfelsen sind die charakteristischen Trottellummen.

Vogelbeobachtung auf Helgoland
Die beste Zeitpunkt Vögel auf Helgoland zu beobachten ist zwischen Ende April und Anfang Juni sowie im September und Oktober. Dann nutzen zehntausende Zugvögel die Hochseeinsel als Zwischenstation auf ihrer langen Reise. Während der „Lummentage“ im Juni informieren Mitarbeiter der Vogelwarte über die brütenden Vögel. Zu den Helgoländer Vogeltagen im Herbst wird in jedem Jahr ein Wettkampf gestartet. Teams aus Laien und Experten versuchen dabei möglichst viele Vogelarten vor ihre Ferngläser zu bekommen.

Anreise nach Helgoland
Fährüberfahrten, zum Teil mit Seebäderschiffen, sind z. B. ab Büsum, Cuxhaven, Bremerhaven und Wilhelmshaven oder mit der Schnellfähre bzw. Katamaran ab Hamburg, Wedel und Cuxhaven möglich. Die schnelleren Katamarane legen direkt im Hafen an, Seebäderschiffe gehen vor der Insel auf Reede. Fahrgäste werden von dort mit Börtebooten auf die Insel gebracht. Ganzjährige Verbindungen mit dem Flugzeug gibt es z. B. mit der OLT ab Heide/ Büsum und Bremerhaven, Flüge mit Air Hamburg starten ab Uetersen/ Hamburg.

Vom Klippenrandweg haben Besucher einen hervorragenden Blick auf die Vögel.
Vom Klippenrandweg haben Besucher einen hervorragenden Blick auf die Vögel.

Dieser Artikel ist am 17.07.2011 in den Osnabrücker Nachrichten erschienen.

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