Spiekeroog und die Abseitsregel

Nur 150 km wohne ich von der Nordseeküste entfernt. Trotzdem bin ich dort viel zu selten. Seit jeher hat mich das Watt mit seinen Gezeiten fasziniert. Am Samstag habe ich etwas gegen die lange Abwesenheit getan und erstmals die ostfriesische Insel Spiekeroog besucht. Mit der Nordwestbahn führte der Weg zunächst über Sande nach Esens. Ab Esens folgte eine kurze Busfahrt zum Fähranleger in Neuharlingersiel.

Mit der Nordwestbahn fuhr ich an die Nordsee
Anschließend folgte eine kurze Busfahrt

Ich liebe es mit Schiffen zu fahren. Entsprechend freute ich mich auch auf die Überfahrt mit der „Spiekeroog II“. Leider war die Fähre für meinen Geschmack etwas überfüllt. Die Menschen drängten sich an Deck dicht auf dicht und man konnte froh sein, wenn man zu einer Seite die Sicht auf das Watt genießen konnte. Ich hatte allerdings Glück und so konnte ich direkt zwei Seehunde und eine Kegelrobbe neben dem Schiff erspähen.

Für meinen Geschmack war das Schiff etwas zu voll
Mit uns lief ein Krabbenkutter aus
Ja, das ist tatsächlich ein Seehund…
Mit einem Kajak würde ich auch wahnsinnig gerne mal auf eine Insel fahren.
Auf Spiekeroog angekommen, setzt sich die Karawane in Gang
Die Massen ziehen in Richtung Dorf
Immer der Menschenmenge nach
Die Fähre im Hafen

Trotzdem hat diese Überfahrt definitiv keinen Spaß gemacht. Um die Fahrt durchs Watt genießen zu können, hätte das Schiff um einiges weniger gefüllt sein dürfen. Entsprechend froh bin ich, als wir den Hafen von Spiekeroog erreichen und das Gedrängel an Deck vorbei ist. Da sich alle Passagiere jetzt im kleinen Inselort drängten, war es auch dort augenblicklich recht voll. Wir beschlossen zunächst einmal direkt zum Strand zu gehen und uns das Dörfchen später, wenn sich die Menschen etwas verteilt hatten, anzuschauen. Auf dem Weg zum Strand folgte ein kurzer Zwischenstopp im Museum für kuriose Muscheln.

Im kleinen Dorf ist viel los
0,8 km bis zum Wattenmeer
Schnell ein kurzer Blick auf den Inselplan
Museum für kuriose Muscheln
Tatsächlich sind hier Kuriositäten ausgestellt
Auch eine Sprechmuschel ist zu sehen
Das nennt man wohl Muschel-Selfie

Zum Strand führte ein gepflasterter Weg durch die Dünen. Rechts und links des Weges war es ganz ansehnlich, aber so richtig vom Hocker hat mich die Landschaft nicht gehauen. Zumal überall die für Deutschland typischen Verbotsschilder hingen.

Pflasterweg zum Strand
Dünen betreten verboten
Von 9-19 Uhr darf auch niemand mit einem Fahrrad fahren
Fahrräder abstellen ist ebenfalls nicht gestattet
Blick über die Dünen
Aussichtspunkt in den Dünen

Der Strand hingegen entschädigte für das Bild in den Dünen. Endlos, breit und vor allem wenig frequentiert. Ich lief ein ganzes Stück an der Nordküste in Richtung Osten entlang und schoss dabei Foto um Foto.

Am Strand war wenig los
Langsam lichtete sich auch die anfängliche Wolkendecke
Immer mehr kam die Sonne durch
Es herrschte gerade Ebbe
Der Strand auf Spiekeroog ist schön breit
Ausgedehnte Spaziergänge machen hier bestimmt richtig Spaß
Und dazu das herrliche Rauschen des Meeres
Auf dem Boden lagen reichlich Muscheln
Am Horizont zogen große Pötte vorbei
In einer solchen Umgebung fühle ich mich wohl
Komische Vögel gab es ebenfalls am Strand
Krabben gehören einfach zum Watt wie Sahne zum Kuchen
Der Blick reichte bis zur Nachbarinsel Wangerooge

Bei einer kleinen Rast am Dünenrand, gesellte sich dann die ein oder andere Möwe an meine Seite. Anscheinend hofften die unterhaltsamen Tierchen auf eine schmackhafte Zwischenmahlzeit.

Kaum war ein Brötchen ausgepackt…
… lauerte auch schon die erste Möwe
Immer mehr Möwen kamen geflogen
Dafür wurden die Menschen immer weniger
Hier lässt es sich aushalten

Stundenlang hätte ich am Strand bleiben können. Doch leider musste irgendwann der Rückweg angetreten werden. Schließlich wollte ich vor der Rückfahrt der Fähre noch das Inseldorf anschauen. Hätte ich allerdings vorher gewusst, was mich dort erwartet, wäre ich lieber länger am Strand geblieben. Das Dorf ist wirklich mal ein Dorf. Dort gibt es fast nichts. Hinzu kam, dass es Samstag war und die wenigen kleinen Läden nachmittags fast alle geschlossen hatten. Schaute man in die Gesichter der dort zahlreich auf Bänken sitzenden Menschen, konnte man ebenfalls eine gewisse Langeweile und Enttäuschung ablesen. Wo auf der Welt machen an Touristenzielen die Läden an einem Samstag zu?  Richtiges Nordsee-Feeling wollte hier zudem nicht aufkommen. Zwar waren die kleinen Häuschen mit ihren Hortensien im Vorgarten ganz ansehnlich, aber das maritime Flair fehlt hier etwas. Überall anders an der Küste gibt es Souvenirshops mit kitschigen Buddelschiffen, Plastikmöwen und Stofftier-Seehunden. Fischbuden, bunt geschmückte Flaniermeilen mit Bernsteinen in den Schaufenstern etc., gab es hier ebenfalls nicht. Leuchttürme, wie z.B. auf Borkum oder Langeoog?! Auf Spiekeroog Fehlanzeige! In dem Dorf erinnerte eigentlich fast gar nichts daran, auf einer Nordseeinsel zu sein. Man hätte sich auch in einem schmucken Vorort von Wanne-Eikel befinden können.

Im Dorf von Spiekeroog
Das Rathaus
Das Inselmuseum ist von einem hübschen Garten umgeben
Ein Rosengarten im Inseldorf

Da es nichts gab, was man im Dorf hätte Sinnvolles tun können, galt es noch etwas Zeit bis zur Rückfahrt zu überbrücken. Ich wanderte auf der Südseite der Insel, in Hafennähe, noch ein Stück am Strand entlang und richtete meine Kamera immer wieder in Richtung Watt und in die angrenzenden Salzwiesen, aus der die Rufe unzähliger Vögel schallten. Ein wahres Spektakel, das allein die Reise wert gewesen wäre.

Das Watt an der Hafenausfahrt
Faszinierende Vögel gibt es in den Salzwiesen
Im Watt gefällt es mir
Überall brüteten Vögel
Möwen sind auch hier zu finden
Gerne wäre ich hier noch etwas länger geblieben

Die Rückfahrt mit der Fähre bot ein ähnliches Bild, wie auf dem Hinweg. Jetzt war das Schiff aber noch etwas voller. Dafür gab es unterwegs erneut einen Seehund zu sehen.

Über die Grenzübergangsstelle aufs Schiff
Volles Haus am Anleger
Menschen ohne Ende
Mit der Flut kam auch die Fähre
Zur Abfahrt bereit
Am Hafen wird gewunken
Das westliche Ende Spiekeroogs
Während der Rückfahrt sind zahlreiche Vögel zu sehen
Blick über den Westzipfel Spiekeroogs nach Langeoog
Auch hier versteckt sich ein Seehund im Bild
Kurz vor uns fährt eine weitere Fähre von Spiekeroog nach Neuharlingersiel
Verschandelte Landschaft an der Küste
Fast zurück in Neuharlingersiel
An der Mole sind Angler unterwegs
Im Hafen stehen bereits einige Boote
Zeit die Fähre zu verlassen
Beide Fähren im Hafen
In Neuharlingersiel wäre ich gerne noch etwas geblieben.

Gerne wäre ich nach der Ankunft noch etwas in Neuharlingersiel geblieben und wäre dort durch den Hafen geschlendert. Gerne hätte ich dort etwas die maritimen Schaufenster begutachtet und mich an Fischbuden mit Fisch versorgt. Leider blieb dafür keine Zeit mehr, denn der Bus nach Esens, von wo es erneut mit der Nordwestbahn zurück ging, wartete bereits.

Vom Bahnhof Esens erfolgte die Rückfahrt
Ab nach Hause
Die Sitze in der Nordwestbahn empfand ich als sehr unbequem und viel zu eng

Wie lautet jetzt also mein Fazit zu Spiekeroog? Man könnte meinen, dass es mir gar nicht gefallen hat. Dem ist allerdings nicht so. Noch immer fasziniert mich die Nordsee. Das Watt, das Kommen und Gehen von Ebbe und Flut. Wie wir alle wissen, hängen die Gezeiten ja vom Mond ab. Ich konnte mir dies nie vorstellen. Eben weil Ebbe und Flut bzw. die Naturgesetze dahinter meine Vorstellungskraft übersteigen, fasziniert mich alles, was damit zusammenhängt. Sollte ich versuchen jemanden zu erklären, wie Ebbe und Flut entstehen, würde dies wahrscheinlich so klingen, als wenn jemand, der sich im Fußball nicht auskennt, versucht die Abseitsregel zu erklären. Ich will aber auch gar keine Erklärung. Ich genieße es, dem Naturschauspiel beiwohnen zu können. Eben deshalb fand ich den Strand auf Spiekeroog genial. Die Weite, das Rauschen der brechenden Wellen, die Seehunde, Vögel, die Wattwürmer im Schlick und die Muscheln im Sand – das ist einfach super.

Dennoch gab es Punkte, die eindeutig gegen Spiekeroog sprechen. Zum einen ist das Dorf wirklich stinklangweilig. Schon auf der Nachbarinsel Langeoog ist deutlich mehr im Ort los. Dort fühlt man sich, allein wenn man in die Schaufenster der Geschäfte blickt, wie an der Nordsee. Eine solche Atmosphäre habe ich auf Spiekeroog sehr vermisst.

Sollte ich noch einmal auf die Insel kommen, dann ganz sicher nur zum Wandern und Tiere beobachten. Denn dafür ist die Insel super geeignet. Wer nach Spiekeroog fährt, sollte am besten so weit wie möglich in den Osten der Insel wandern. Dort ist man dann fast alleine, und kann die zahlreichen Vögel beobachten und die Stille des Meeres genießen. Außerdem würde ich definitiv nicht mehr in der Hochsaison an einem Wochenende kommen. Denn dann macht auch die Überfahrt mit dem Schiff keinen Spaß. Dann lieber in der kalten Jahreszeit, wenn auch auf den Schiffen nichts mehr los ist.

Noch ein Punkt, den ich als negativ empfand, sind die überall aufgestellten Verbotsschilder. Diese sind allerdings nicht nur auf Spiekeroog zu finden, sondern an der gesamten deutschen Nordsee verbreitet. Mir ist zwar klar, dass es sich um Naturschutzgebiete handelt, aber die Überreglementierung in Deutschland ist doch etwas nervig. Überall anders auf der Welt, kommen auch sensible Gegenden ohne Betretungsverbote aus. Wer eine Düne betreten will, sollte dies auch in Deutschland tun dürfen. Die Massen werden eh kaum durch unzugängliches Gebiet stapfen und die Natur dürfte mit vereinzelten rücksichtsvollen Besuchern klar kommen. Woanders regelt sich sowas von ganz allein.

Wer etwas weiter fahren mag, findet z.B. in Dänemark eine ähnlich schöne Natur an den Küsten und hat nicht alle paar Meter irgendwelche Schilder mit Betretungsverboten stehen und ganz nebenbei auch keine gepflasterten Wege in den Dünen.

Alles in allem, ist Spiekeroog jedoch für einen Tagesausflug, sofern die Anreise nicht zu lang ist, durchaus geeignet.

Noch ein Wort zur Anreise mit der Nordwestbahn. Diese ist praktisch, halbwegs günstig aber relativ unbequem. Die Züge sind eher für Kurzstrecken ausgelegt und ähneln im Sitzkomfort einer rumpeligen S-Bahn. Die Anreise mit einem Auto ist wahrscheinlich sinnvoller.

Bücher zum Thema*:

5 Kommentare

Hier klicken, um einen Kommentar zu hinterlassen

.

  • Hallo Thomas,
    Du gibst einen recht „ungeschminkten“ Einblick in das Inselleben an einem Samstag in der Hauptsaison. Das gefällt mir, weil es für viele Reisende eben genau das ist, was sie machen. Du schilderst, was sie dabei erwartet und versuchst sogar, der Sache auch noch einige positive Aspekte abzugewinnen.
    Mich würde sehr interessieren, wie es auf Wangerooge mittlerweile aussieht. Dort war ich mal vor 40 Jahren (ohgott…)
    Viele Grüße, Sabine

  • Thomas,
    ich verrate Dir mal das Geheimnis von Spiekeroog:

    Die Ruhe & Beschaulichkeit des Dorfes ist heute für die meisten Gäste der Grund nach Spiekeroog zu fahren!

    Die Insulaner haben sich seit den 50er Jahren immer dem Massentourismus verweigert und das zahlt sich nun für sie aus.

    Keine ostfriesische Insel ist so teuer wie Spiekeroog – durch Deine Tagesfahrt sind dir ja die hohen Übernachtungskosten erspart geblieben!

    Ich selbst liebe Spiekeroog!

    Und deine tolle Fotoreportage weckt die Spiekeroog-Sehnsucht in mir!

    DANKE!

  • Lieber Thomas
    EIn schöner Bericht und den Eindruck vom überfüllten Boot und den auf die Inseln strömenden Massen teile ich
    Allerdings ist es genau die Unaufgeregtheit, die mir als Tourist an Spiekeroog so gefallen hat. Ein Ort, an dem man einfach die Seele baumeln lassen muss, weil gar nicht so viel mehr zu tun gibt.
    Liebe Grüsse, Ellen

Werbung

Social Media

Womit ich fotografiere

*

Alle mit einen Stern (*) gekennzeichneten Links sind Affiliate-Links. Wenn Du darauf klickst und anschließend etwas einkaufst, bekomme ich eine kleine Provision, die dabei hilft die Kosten dieses Blogs zu decken. Für Dich entstehen dadurch keine Mehrkosten.