Norwegen mal anders – Der Goldene Umweg

Einmal quer durch Norwegen führt die E6. Wer will, kann auf ihr direkt bis zum Nordkap fahren. Doch das wäre schade. An der Ostseite des Trondheimfjords führt ein Abzweig zur Halbinsel Inderøya. „Der goldene Umweg“ nennt sich diese knapp 25 Kilometer lange Strecke, die durch eine alte Kulturlandschaft führt und den Besucher unerwartete Einblicke in ein eher unbekanntes Norwegen bietet. Bereitwillig öffnen über 20 Betriebe – von alten Bauernhöfen über Schnapsbrennereien bis hin zu Käsereien oder urigen Gästehäusern ihre Tore für Besucher. Sie zeigen, was die Menschen aus der Landschaft gemacht haben und wie sie in und mit ihr leben.

Käse und Eis aus eigener Herstellung

Ein erster Stop bietet sich in der „Gangstad Gårdsysteri“ an. Astrid Aasen betreibt seit 35 jenen Hof, den ihr Urgroßvater 1913 errichtete. Aus der Milch der 40 Kühe produziert der Hof Käse und Eis, das inzwischen nicht nur in der Umgebung zum echten Geheimtipp geworden ist. Wer will, kann im eigenen Hofladen einkaufen und alles probieren. Vieles sieht hier noch so aus, wie zu Großvaters Zeiten. Den ehemaligen Wohnbereich ihrer Eltern ließ Aasen unverändert. Besucher gestattet sie gern einen Blick hinein. Tatsächlich sieht es dort so aus, als wäre die Zeit vor langer Zeit stehen geblieben. Wie es damals war, davon berichtet die 59-jährige voller Freude. Von ihr kann man auch erfahren, warum ein Teil der Häuser auf dem Hof in Rot und der andere Teil in Weiß gestrichen ist. Damals soll die rote kupferhaltige Farbe sehr günstig gewesen sein und wurde deshalb traditionell an den Wirtschaftsgebäuden verwendet. Weiß hingegen war teuer und daher dem Wohngebäude der Familie vorbehalten.

Als käme Pippi Langstrumpf zu Besuch

Ganz ähnlich präsentiert sich das „Strømnes Oldefars gjestehus“. Die niedlichen Holzhäuser fügen sich perfekt in die sanft geschwungene Landschaft ein. Hinter dem Wohnhaus stehen alte Obstbäume. Wer ins Innere der 1905 erbauten Häuser tritt, fühlt sich wie in einem Museum. Doch hier ist nichts eingestaubt oder hinter Glas. Vier Zimmer in traumhaft historischer Einrichtung stehen den Gästen zur Verfügung – inklusive Nachttopf. Besitzerin Margarete Uddu, die ihre Gäste in Deutsch mit Schweizer Akzent empfängt, ist es gelungen ein Stück alte Zeit zu retten. Das in einem Regal stehende Astrid-Lindgren-Buch ist hier gewiss nicht das einzige, das an Pippi Langstrumpf erinnert. Auch die Kaffeetafel wirkt so, als kämen gleich Pippis Freundinnen zu Besuch. Dabei ist es Uddu, die hier für Leben sorgt. Sie serviert ihren Gästen in dieser einzigartigen Umgebung regionale Köstlichkeiten, die tatsächlich jeden Umweg wert sind.

Aquavit zum Probieren

Nur einen Steinwurf entfernt liegt „Berg Gård“ – Eine Farm mit Blick über den Fjord. Hühner schlendern hier umher und über einem alten Wikingergrab erstreckt sich eine endlose Weide für Schafe. Neben einem alten Kramerladen und einem Restaurant mit hausgemachten Speisen gehört auch eine Schlachterei zur Farm. Wenn man Besitzer Svein Berfjord sieht, kann man sich sofort vorstellen, dass die Vorfahren wohl starke Wikinger gewesen sein mögen. Mit seinem bulligen Oberkörper und den breiten Schultern, könnte er in jeder Verfilmung über die Nordmänner mitspielen. Der sympatische Norweger strebt allerdings nicht zu einer Hollywood-Karriere, sondern versucht sich seit einiger Zeit in der Herstellung von Aquavit. Die Spirituose hat in der Region Trøndelag historische Wurzeln. 1821 wurde eine Destillerie in der Nähe von Trondheim gegründet. Später wurde der Aquavit von hier über den Äquator verschifft und hatte dabei reichlich Zeit sein volles Aroma zu entfalten. Was alles im Aquavit steckt und welche Unterschiede es gibt, darüber gibt Berfjord bereitwillig Auskunft. Gerne bietet er auch Verkostungen seines Aquavits im stilvollen Ambiente vor alten Eichenfässern an. Wer danach in unmittelbarer Nähe der Farm Elche sieht, hat nicht etwa zu viel Alkohol getrunken. Tatsächlich fühlen sich die majestätischen Tiere rund um den Fjord sehr wohl.

Kunst bestaunen oder selbst kreativ werden

Der Goldene Umweg bietet neben vielen kulinarischen Genüssen vor allem auch reichlich Kultur. Ein Beispiel ist die „Nils Aas Kunstverksted“. Hier sind Werke des bekannten norwegischen Künstlers Nils Aas zu sehen. Die 35-jährige Kunsthistorikerin Solveig Viken führt Besucher durch die Ausstellung und nimmt sie mit in den benachbarten Park, in dem ebenfalls Statuen von Aas zu finden sind. Wer will kann an Workshops teilnehmen und dabei selbst zum Künstler werden oder mit den Werken von Aas interagieren. Wo sonst kann man mit einem an einen Verstärker angeschlossenen Kaktus Musik machen oder in der Mitte eines Kunstwerkes Platz nehmen, um Wassertropfen fallen zu hören?

Aufwachen mit Blick auf den Fjord

Auch das Jægtvolden Fjordhotel gehört zum goldenen Umweg. Hier lässt sich die Natur Trøndelags schon beim Aufwachen genießen. Wer sein Zimmer auf der richtigen Seite hat, kann vom Bett aus direkt den Fjord sehen. Auf den Bänken am Ufer lässt es sich stundenlang aushalten. Einfach nur die Aussicht genießen oder den Rufen der unzähligen Vögel lauschen – Entspannung ist garantiert. Wer sich dann noch im Hotelrestaurant ein Abendessen gönnt, weiß, warum sich der Umweg so richtig gelohnt hat.

Roomtour im Jægtvolden Fjordhotel

Jægtvolden Fjordhotell

Ich wurde von Visit Norway und der Region Trøndelag eingeladen.

1 Kommentar

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  • Hi Thomas,

    mach Dir mit dem Thema „keine richtige Duschkabine“ keine Gedanken, das
    komplette Fluten des Bades habe ich in Hurghada auch schon geschafft.

    Ansonsten ist das echt eine traumhafte Landschaft. Eben wie bei
    Pippi Langstrumpf.

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