Mit dem Fahrrad von Osnabrück nach Amsterdam

Dieser Artikel wurde zuletzt am 2. Oktober 2022 aktualisiert.

Letztes Jahr habe ich mir zu Weihnachten selbst ein neues Fahrrad geschenkt. Damit war plötzlich alles anders. Hatte ich zuletzt ein schwerfälliges Trekkingrad, mit dem ich nie so richtig warm geworden bin, fand ich mit dem neuen Gravelbike sofort die Lust am Radfahren wieder. Schnell entstand der Plan, damit eine längere Tour zu machen. In meiner Heimatstadt Osnabrück bin ich gestartet und von dort nach Amsterdam gefahren. Dabei lief nicht alles nach Plan.

Mit dem Fahrrad von Osnabrück nach Amsterdam

Doch langsam der Reihe nach: Im Vorfeld hatte ich mir Gedanken gemacht, ob ich es überhaupt bis Amsterdam schaffe. Schließlich war ich komplett untrainiert und hatte 250 km vor mir. Lange habe ich mir Gedanken um die richtige Ausrüstung gemacht und überlegt, was ich wirklich brauche. Unterwegs wollte ich campen und einfach dort bleiben, wo es mir gefällt. Als die Fahrradtaschen gepackt waren, buchte ich für acht Tage später ein Zugticket für die Rückfahrt aus Amsterdam und radelte los.

Der erste Abschnitt bewusst kurz gewählt

Die erste Etappe wählte ich mit 35 Kilometern ganz bewusst sehr kurz. Schließlich hatte ich jetzt über eine Woche Zeit, bis ich am Ziel sein musste und ich wollte am ersten Tag testen, ob am Rad und mit meiner Ausrüstung alles passt.

Als ich auf dem Sattel saß und in die Pedale trat, war die anfängliche Aufregung sofort verschwunden. Jetzt freute ich mich nur noch auf die Tour und auf Amsterdam. Vom ersten Kilometer an hatte ich wahnsinnigen Spaß und erfreute mich an diesem unbeschreiblichen Freiheitsgefühl. Ich fuhr durch die niedlichen Orte Westerkappeln und Mettingen, passierte den Mittellandkanal und als ich mich gerade so richtig ans Fahren gewöhnt hatte, war ich auch schon an meinem ersten Etappenziel angekommen.

Für eine Nacht wollte ich auf dem Campingplatz Hertha-See im Münsterland bleiben. Ich baute dort mein Zelt auf und freute mich darüber, dass alles so wunderbar geklappt hatte. Der ganze Nachmittag war herrlich entspannt. Ich ging schwimmen, versuchte mich im Malen und genoss das wunderbare Sommerwetter bei einem kühlen Bier.

 

Camping Hertha-See
Der Platz ist wunderschön gelegen und die Sanitäreinrichtungen sind modern. Außerdem gibt es ein Restaurant, einen Kiosk und viele andere Freizeitmöglichkeiten. Die Übernachtung mit Zelt kostet in der Hauptsaison für eine Person 20,40 Euro. Hinzu kommen ein Euro pro Nacht für das Wlan und 50 Cent für eine Dusche. Weitere Infos finden sich auf der offiziellen Website unter: www.hertha-see.de.

Am nächsten Morgen konnte ich es kaum erwarten, wieder aufs Rad zu steigen. Im Licht der aufgehenden Sonne verließ ich den sehr empfehlenswerten Campingplatz und strampelte direkt in Richtung Westen. Zunächst fuhr ich zwischen idyllischen Feldern entlang, besorgte mir im nächsten Ort Frühstück und kam in Rheine schließlich an die Ems.

Über Salzbergen und Schüttorf nahm ich Kurs auf Bad Bentheim. Dort machte ich einen Abstecher zur Burg Bentheim und gönnte mir nach dem kurzen steilen Aufstieg zum Gebäude aus dem Mittelalter eine erste kurze Pause.

Mit dem Fahrrad von Osnabrück nach Amsterdam und zur Burg Bentheim

Über die Grenze in die Niederlande

Anschließend waren es noch exakt 10 Kilometer bis zur niederländischen Grenze. Als ich diese passierte, war ich extrem happy und fühlte mich, als hätte ich gerade den Zielstrich einer Tour-de-France-Etappe als erster überquert. Einerseits war ich stolz, es bis in die Niederlande geschafft zu haben, andererseits war ich zugleich auch überrascht, wie einfach es doch eigentlich gewesen war.

In den Niederlanden war es augenblicklich ein ganz anderes Fahrgefühl. War ich die letzten Kilometer einfach nur geradeaus an einer Landstraße gefahren, wurde der Weg jetzt deutlich abwechslungsreicher. Ich kam durch Wälder, durchquerte einen Rhododendronpark sowie die Städte Oldenzaal und Borne.

Als ich am Nachmittag nach einem Schlafplatz für die Nacht Ausschau hielt, entdeckte ich den nur wenige Kilometer entfernten Campingplatz t‘ Grasbroek. Ich steuerte diesen an und richtete mich dort häuslich ein. Auch dieser Campingplatz lag an einem wunderschönen See. Von meinen Camping-Nachbarn wurde ich zum Grillen eingeladen. Ich hatte einen tollen Abend, der mit einem fulminanten Sonnenuntergang am See endete.

Camping t‘ Grasbroek
Der Campingplatz t‘ Grasbroek liegt an einem großen See. Die Stellplätze sind ebenfalls sehr großzügig und naturnah. Es gib einen kleinen Kiosk. Für eine Übernachtung habe ich 10 Euro bezahlt. Für eine Dusche kamen 50 Cent hinzu. Das Sanitärgebäude war leider nicht das beste und trübte etwas den Gesamteindruck des ansonsten wunderschönen Campingplatzes. Weitere Infos unter: www.grasbroek.nl

Um 8.30 Uhr saß ich am nächsten Morgen wieder auf dem Rad. Nach 20 Kilometern erreichte ich den Nationalpark De Sallandse Heuvelrug, der besonders für seine ausgedehnten Heideflächen bekannt ist. Da ich kurz zuvor schon mit dem Auto im Park war, streifte ich ihn jetzt nur kurz und konzentrierte mich darauf, möglichst viele Kilometer unter die Räder zu bekommen. Schließlich wollte ich die Kühle des Morgens nutzen, denn für den Nachmittag waren Temperaturen von deutlich über 30 Grad angesagt.

Heide im Nationalpark Sallandse Heuvelrug

Bei der weiteren Fahrt genoss ich die hervorragenden Fahrradwege in den Niederlanden. Eigentlich überall war man auf wahren Autobahnen für Zweiräder unterwegs und kam fast nirgendwo mit dem Autoverkehr in Berührung. Selbst in den Städten Deventer und Apeldoorn, die ich im weiteren Verlauf durchquerte, war es total entspannt zu fahren.

Tatsächlich machte mir dann aber die Hitze zu schaffen. Ich kam an den Rand der Veluwe – dem größten Waldgebiet der Niederlande – das ich durchqueren musste. Die Sonne knallte von oben und das Thermometer zeigte 34 Grad. Selbst im Wald gab es keinen Schatten. Leider fiel mein Internet aus. Deshalb konnte ich unterwegs nicht nach einem Campingplatz suchen. Weiter und weiter fuhr ich durch die Hitze und hatte erstmals auf dieser Tour keinen Spaß mehr. Irgendwann wollte ich einfach nur noch raus aus der Sonne und beschloss deshalb spontan, ein Hotel am Wegesrand zu buchen. Da hatte ich gerade die Veluwe durchquert und seit dem Start am Morgen ziemlich genau 90 km zurückgelegt.

Die Nacht im Hotel war eine Wohltat. Am nächsten Morgen fühlte ich mich wieder richtig gut. Ich beschloss, an diesem Tag bis nach Amsterdam zu fahren. Schon kurz nach dem Start war die Strecke ein Traum. Praktisch die ganze Zeit fuhr ich am Wasser entlang. Je näher ich Amsterdam kam, desto größer wurde meine Freude. Langsam begann ich zu realisieren, dass ich es tatsächlich schaffen würde, mit dem Fahrrad von Osnabrück nach Amsterdam zu fahren.

Knapp 10 Kilometer vor dem Ziel legte ich einen kurzen Zwischenstopp an der Burg Muiderslot ein, die als eine der ältesten und am besten erhaltenen der Niederlande gilt. Was dann folgte, fühlte sich einfach nur grandios an. Ich fuhr hinein nach Amsterdam. Zwar knallte die Sonne wieder mit über 30 Grad vom Himmel, aber ich war einfach nur glücklich, es geschafft zu haben.

Am Ziel in Amsterdam

Mein Plan war es, in Amsterdam einen Campingplatz anzusteuern. Als ich dort ankam, erfolgte aber die große Enttäuschung. Der Campingplatz war ausgebucht. Ich telefonierte mit anderen Campingplätzen in der Umgebung und bekam auch dabei immer wieder zu hören, man sei ausgebucht. Bei den Hotels zeigte sich ein ähnliches Bild. In der ganzen Umgebung war kein Hotel zu vernünftigen Preisen zu bekommen. Um die 300 Euro für eine Nacht war ich nicht bereit zu investieren.

Campingplatz Amsterdam

Ursprünglich wollte ich von Amsterdam sogar weiter bis an die Nordsee, doch auch dort war alles ausgebucht. Noch vor wenigen Minuten spielten die Glücksgefühle fast verrückt, jetzt machte sich die totale Enttäuschung mehr und mehr breit. Da es bereits nachmittags war, musste ich schnell eine Entscheidung fällen, wie es weitergehen sollte. Schweren Herzens entschied ich mich, den Rückweg anzutreten und erneut in dem Hotel zu übernachten, indem ich in der Nacht zuvor schon geschlafen hatte.

Fletcher Hotel-Restaurant Mooi Veluwe
Das Fletcher Hotel-Restaurant Mooi Veluwe* ist wunderschön im Wald gelegen und ein idealer Ausgangspunkt für die Erkundung der Veluwe. Mir hat es dort insgesamt sehr gut gefallen. Leider war das Preisniveau aber recht hoch. Mehr Infos zum Hotel und Buchungsmöglichkeiten: HIER*

Frustriert trat ich den Rückweg an. Mir war klar, dass ich dadurch heute die längste Etappe der bisherigen Tour fahren musste und dass ich ziemlich Gas geben musste, wenn ich nicht erst spät abends im Hotel ankommen wollte. Die ersten Kilometer spulte ich in einem Gefühl der völligen Leere ab. Doch schon ziemlich bald war die Enttäuschung verflogen. Plötzlich hatte ich wieder riesigen Spaß. Zwar war jetzt klar, dass ich nicht mehr an die Nordsee kommen würde, doch das war mir jetzt nicht mehr wichtig. Zu stolz war ich, Amsterdam erreicht zu haben und zu sehr erfreute ich mich daran, hier mit dem Fahrrad unterwegs sein zu können.

Der Maler Henri de Toulouse-Lautrec portraitiert im Sexmuseum Amsterdam ein Aktmodell
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Erstmals mehr als 100 km mit dem Fahrrad gefahren

Hinzu kam, dass mein Tacho unterwegs die magische Marke von 100 km übersprang, die ich seit dem Start am Morgen zurückgelegt hatte. Nie zuvor hatte ich 100 km an einem Tag mit dem Fahrrad zurückgelegt. Jetzt wusste ich, dass ich das kann und dass sogar noch mehr möglich ist. Als ich irgendwann auf den Hof des Hotels rollte, zeigte mein Fahrradcomputer 124 km an, die ich heute gefahren war.

Ich war extrem glücklich, zugleich aber auch von der permanent knallenden Sonne ziemlich ausgelaugt. Im Hotel wurde mir klar, dass ich es tatsächlich geschafft hatte. Ich überlegte, wie es jetzt weitergehen sollte. Es stand fest, dass ich jetzt kein wirkliches Ziel mehr hatte. Amsterdam hatte ich erreicht, die Nordsee schied aus. Planlos durch die Gegend zu fahren, reizte mich nicht. Deshalb traf ich die Entscheidung, am nächsten Morgen mit dem Zug nach Hause zu fahren.

Als ich dann schließlich nach dem Frühstück die letzten Kilometer vom Hotel zum Bahnhof in Putten rollte, genoss ich diese ganz besonders. Auch wenn in Amsterdam nicht alles so klappte, wie ich es mir gewünscht hatte, war ich glücklich. Die Tour war für mich ein echtes Highlight. Ich schob mein Fahrrad mit einem Lächeln in den Zug und wusste, dass ich demnächst unbedingt wieder solche Fahrradtouren machen möchte.

Benutzte Ausrüstung und Packliste der Radtour
Nachfolgend finden sich die wichtigsten Dinge, die ich auf der Tour nach Amsterdam dabei hatte:

Fahrrad:
Fahrrad: Cube Nuroad Race
Gepäckträger: acid SIC 29 RILink*
Radcomputer: Wahoo ELEMNT Bolt V2*
Schlösser: Abus Bordo Granit XPlus 6500* und Uvex Hiplok Z LOK*
Trinkflaschen und Halter: Fidlock Twist*
Taschen: Ortlieb Back-Roller Plus, Ortlieb Ultimate Six Plus, Ortlieb Cockpit-Pack, Ortlieb Rack-Pack

Camping:
Zelt: Naturehike Spider 1*
Isomatte: Therm-a-Rest NeoAir Xlite*
Schlafsack: Enlightened Equipment Revelation Quilt
Stuhl: Decathlon Campingstuhl niedrig MH500

Küche:
Kocher und Topf: Optimus Crux Lite*
Besteck: Light My Fire Spork*

Kleidung:
Helm: Abus Storm Chaser*
T-Shirt: Decathlon Triban
Hose: Free Bike Bermuda*

Der Weg zum Nachfahren und ein Video der Tour

Route der Fahrradtour nach Amsterdam

Die komplette Tour habe ich per GPS aufgezeichnet. Sie ist unter https://www.komoot.de/tour/887368689 zu finden. Außerdem habe ich unterwegs ein Video produziert und es bei YouTube hochgeladen. Es ist unter https://www.youtube.com/watch?v=6M7mZR9-aUI zu finden.

Thomas Limberg

Ich bin Thomas – das Gesicht hinter Breitengrad66. Schon seit 2010 nehme ich meine Leser in diesem Reiseblog mit auf Reisen. Unterwegs gibt es fast nichts, für das ich mich nicht begeistern kann. Ob fremde Kulturen, sportliche Herausforderungen, einzigartige Natur, schicke Hotels oder außergewöhnliche Kulinarik – ich bin immer neugierig auf Neues. Auf keiner Reise fehlen darf meine Kamera, denn Fotografie ist eine meiner größten Leidenschaften. Besonders stolz bin ich darauf, dass Breitengrad66 bei der renommierten Wahl zum Reiseblog des Jahres 2020 von Touristik PR unter die 20 besten gewählt wurde. Mehr über diesen Blog und über mich gibt es HIER zu lesen.

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