Wo der Liter Milch über 25 Dollar kostete

osnapicture 17. Dezember 2010 0

Im letzten Jahr war ich im Yukon. Dabei stand natürlich auch ein Besuch der alten Goldgräberstadt Dawson City auf dem Programm. Ich versuchte mein Glück, bekam aus dem Klondike aber keine großen Goldnuggets heraus. Mit wenigen Brocken Gold im Gepäck, fuhr ich zurück nach Deutschland und veröffentlichte den folgenden Artikel in den Osnabrücker Nachrichten und im Emsland Kurier:

Am Zusammenfluss von Yukon und Klondike River entstand um das Jahr 1898 die größte Stadt nördlich von San Francisco. Fotos: Thomas Limberg

Wo der Liter Milch über 25 Dollar kostete
Zentrum des großen Goldrausches – Auf den Spuren von Jack London durch Dawson City

Der 21-jährige mittellose Mann lauschte den Geschichten der Goldgräber, Händler, Gauner, Schurken und Huren, die sich in den Bordellen und Kneipen der rasant wachsenden Stadt herumtrieben. Wie alle war auch er den Meldungen gefolgt, dass es am Klondike-River Goldnuggets in rauen Mengen geben soll, die nur darauf warteten, eingesammelt zu werden. Gold fand er keins, dafür aber einen weitaus größeren Schatz. Die Geschichten, der Menschen, die er später in seinen Büchern verarbeitete und die ihm zu Weltruhm verhalfen. Jene Geschichten, die Jack London unsterblich machten. Noch heute erinnert in Dawson City vieles an jene Tage vor über 100 Jahren, in denen Glücksritter aus der ganzen Welt in die entlegene Wildnis des Yukon aufbrachen und quasi über Nacht eine quicklebendige Stadt mitten im Nirgendwo errichteten.

Der Schaufelraddampfer Keno erinnert an die Zeit des großen Goldrausches.

Damals, als im Jahre 1898 der Goldrausch auf dem Höhepunkt war, machten über 40000 Menschen Dawson zur größten Stadt nördlich von San Francisco. Innerhalb weniger Monate schossen Restaurants, Bars, Theater, Geschäfte, Handwerksbetriebe und Bordelle wie Pilze aus dem Boden. Gold beherrschte das tägliche Leben. Windige Geschäftemacher ließen keine Gelegenheit aus, den Goldsuchern ihren neu erworbenen Reichtum wieder streitig zu machen.

Auch heute noch kommen viele Glücksritter nach Dawson City.

Salz wurde in Gold aufgewogen, für ein warmes Vollbad wanderten 100 Dollar über den Tresen und für einen Liter Milch mussten 25 Dollar berappt werden. Heute ist es in der einst ruhelosen Stadt am Zusammenfluss von Yukon- und Klondike-River still und beschaulich geworden. Nur noch knapp 1300 Menschen leben hier. Geblieben ist der unverwechselbare Wild-West-Charme und das noch heute überall präsente Goldfieber. Die Fassaden der Häuser, wie bei Diamond- Tooth-Gertie’s Spielhalle und Bombay Peggy’s einstigem Bordell, das heute ein Gasthaus ist, sehen noch immer so aus, wie sie auch Jack London gesehen hat.

Viele Gebäude sehen noch so aus wie zur Zeit Jack Londons.

Wer in die Saloons und Theater möchte, für den führt der Weg durch die gleichen riesigen Schwingtüren, durch die auch die Goldsucher im vorletzten Jahrhundert ihre Füße in die Amüsierbetriebe setzten. Im Inneren treffen sich heute, wie damals, die Goldsucher und tauschen abenteuerliche Geschichten über die neuesten Goldfunde aus. „Noch heute wird hier Gold in großen Mengen gefunden“, berichtet die Schwäbin Uta Reily. Sie betreibt in Dawson City eines der ältesten Goldgeschäfte. Wer sein Glück versuchen möchte, kann in Dawson überall Goldpfannen kaufen oder leihen. Rund 14 km vom Zentrum entfernt befindet sich der sogenannte „Free Claim #6“ – ein Claim, der jedermann offen steht.

Wer genügend Geduld aufbringt, kann im Klondike Gold finden.

Tatsächlich glitzert in den Pfannen der Touristen immer wieder feiner Goldstaub und mitunter sogar ein ansehnliches Nugget. Ob der Claim allerdings zu den „Millionen- Claims” zählt, darüber schweigen sich Einheimische gegenüber Touristen hartnäckig aus. Wer nicht dem Goldfieber verfällt und die Pfanne an den Nagel hängt, kann auch im Ort viel Interessantes entdecken.

An Goldnuggets kommt in Dawson City niemand vorbei.

Dawson City hat sich in den letzten Jahren in ein lebendiges Museumsdorf verwandelt. Die verblichenen Fassaden wurden zum grossen Teil wieder restauriert, eine Menge der alten Häuser wieder errichtet. Direkt am Yukon River liegt die SS Keno, ein Original-Riverboot, das einst Dienst auf dem Fluss tat und die Goldsucher in die kanadische Wildnis brachte. Anschauen sollten sich Fans von Jack London unbedingt seine Blockhütte, in der er während des Goldrausches lebte. 1969 wurde diese aus der Wildnis geborgen und das Originalholz aufgeteilt, so dass heute eine halbechte Jack London-Hütte an seinem Geburtsort Oakland, Kalifornien, steht und eine halbechte an seinem Wirkungsort Dawson City.

Die Blockhütte, in der Jack London lebte, kann besichtigt werden.

Per Google Street View lässt sich übrigens wunderbar ein virtueller Spaziergang in Dawson City unternehmen. Dazu einfach auf die folgende Karte klicken und mit den Pfeiltasten auf Wanderschaft gehen.


Größere Kartenansicht

Wer von Dawson City lieber in bewegten Bildern einen Eindruck bekommen möchte, sollte sich bei YouTube umschauen. Dort gibt es zahlreiche Videos über das Dörfchen am Zusammenfluss von Yukon und Klondike. Eines der schönsten davon, ist auch hier zu sehen:

Neben aktuellen Videos sind bei YouTube auch viele historische Videos zu finden, die zeigen, wie es damals in Dawson zuging. Ein gutes Beispiel dafür ist das folgende Video:

Wer sich für weitere Artikel über Kanada interessiert, findet unter folgendem Link alles, was ich bisher über dieses Land geschrieben habe: www.osnapicture.de/tag/kanada/

Über Dawson City und Umgebung habe ich zahlreiche Bücher gelesen. Besonders beeindruckt haben mich natürlich die Geschichten von Jack London. Auch Nicolas Vanier hat fesselnde Bücher über den hohen Norden Kanadas und Alaskas geschrieben. Wer sich dafür interessiert, dem seien die nachfolgend genannten Bücher wärmstens empfohlen:

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