Nikosia, eine fast normale Stadt

Nikosia – die letzte geteilte Hauptstadt Europas. Wie ist es dort wohl? Gibt es etwas zu sehen? Lohnt sich die Stadt? Was kann man dort machen? Und vor allem, ist es dort sicher? Das sind Fragen, die ich mir vor der Reise in die Hauptstadt Zyperns gestellt habe und die mir andere auch immer wieder gestellt haben. Inzwischen war ich zwei Mal in Nikosia und habe zum Teil überraschende Antworten auf all diese Fragen gefunden und einige Tipps mitgebracht.

Nikosia ist fast so normal, wie jede andere Stadt

Bei meinem ersten Besuch in Nikosia habe ich gar nichts davon gemerkt, dass ich mich in einer geteilten Stadt befinde. Nikosia ist fast so normal, wie jede andere Stadt auf der Insel. Wir sind damals durch die zum Teil malerischen Gassen geschlendert und haben uns am mediterranen Flair erfreut. Vor den Häusern am Rande der Kopfsteinplaster-Wege geht es beschaulich zu. Blumentöpfe mit bunt blühenden Pflanzen und Kakteen prägen das Bild. Dazu immer wieder Zitrus-Früchte und Palmen. Manchmal könnte man meinen, man wäre in einem Dorf.

Nikosia verströmt ein mediterranes Flair
Nikosia verströmt ein mediterranes Flair
In den schmalen Gassen in Nikosia stehen reichlich Pflanzen
In den schmalen Gassen stehen reichlich Pflanzen
Besonders schön sind die vielen bunten Kontraste in Nikosia auf Zypern
Besonders schön sind die vielen bunten Kontraste
Für eine Hauptstadt geht es in Nikosia ruhig und beschaulich zu
Für eine Hauptstadt geht es in Nikosia ruhig und beschaulich zu
Auf den Straßen auf Zypern in Nikosia spielen die Menschen Karten
Auf den Straßen spielen die Menschen Karten

Tipp: Alte venezianische Stadtmauer und bunte Streetart

Dennoch gibt es hier mehr zu sehen. Da wären z.B. Die alte venezianische Stadtmauer, die im 16. Jahrhundert gebaut wurde und auch heute noch einen imposanten Anblick bietet. Und für alle, die es etwas moderner mögen, die vielen sehenswerten Graffitis, die namhafte Künstler der Streetart-Szene in der ganzen Stadt auf den Hauswänden geschaffen haben. Über diese habe ich HIER bereits etwas geschrieben. Beides sind wirklich sehenswerte Tipps.

Bis heute sind große Teile der alten venezianischen Stadtmauer in Nikosia erhalten geblieben
Bis heute sind große Teile der alten venezianischen Stadtmauer in Nikosia erhalten geblieben
Mit dem Famagusta Tor ist auch ein Stadttor in Nikosia auf Zypern erhalten
Mit dem Famagusta Tor ist auch ein Stadttor erhalten
Streetart schlägt in Nikosia die Brücke zwischen Tradition un Moderne
Streetart schlägt in Nikosia die Brücke zwischen Tradition und Moderne
Viele verschiedene Kunstwerke sind zu sehen
Viele verschiedene Kunstwerke sind zu sehen
Immer wieder wird auch die zypriotische Geschichte in der Streetart in Nikosia auf Zypern thematisiert
Immer wieder wird auch die zypriotische Geschichte thematisiert

Die ganz großen Highlights fehlen in Nikosia

Die ganz großen Highlights fehlen in Nikosia. Es gibt keinen Eiffelturm und keine Freiheitsstatue und trotzdem – oder vielleicht gerade deswegen, macht es Spaß sich treiben zu lassen. Einfach mal in einem der vielen Straßencafes sitzen, einen Frapé trinken und das Geschehen in den umliegenden Straßen beobachten, entschleunigt und lässt ein Urlaubsgefühl aufkommen.

In einem der Straßencafés in Nikosia auf Zypern zu sitzen lässt Urlaubsgefühle aufkommen
In einem der Straßencafés zu sitzen lässt Urlaubsgefühle aufkommen
Der Bischofspalast von Nikosia auf Zypern
Der Bischofspalast von Nikosia auf Zypern
Schattige Plätzchen sind beliebt
Schattige Plätzchen sind beliebt
Obwohl die ganz großen Sehenswürdigkeiten fehlen, gibt es in Nikosia viele bezaubernde Fotomotive
Obwohl die ganz großen Sehenswürdigkeiten fehlen, gibt es in Nikosia viele bezaubernde Fotomotive. Foto: travelroads.de

Leckeres Essen und vielfältige Shoppingmöglichkeiten

Hinzu kommt natürlich das Essen, das wie überall auf Zypern einfach phänomenal ist. Wer wissen möchte, was man auf der drittgrößten Mittelmeerinsel auf den Teller bekommt, findet HIER in meinem Artikel über die kulinarischen Köstlichkeiten Zyperns Antworten und Tipps. Auch wenn ich den Verlockungen widerstehen konnte – wer shoppen möchte, dürfte in Nikosia ebenfalls richtig sein. Entlang der zentralen Ledra Street, reiht sich ein Geschäft an das Nächste.

Das Essen auf Zypern ist frisch und vielfältig
Das Essen auf Zypern ist frisch und vielfältig
Beim essen auf Zypern ist für jeden Geschmack ist etwas dabei
Für jeden Geschmack ist etwas dabei

In Nikosia ist doch nicht alles normal

An der Ledra Street merkt man dann aber auch, dass in dieser Stadt nicht alles normal ist. Wir passieren einen H&M, kommen vorbei an einem Burger King und stehen nach einer Eisdiele auf der linken Seite plötzlich vor einer Straßensperre. Wir haben die Demarkationslinie erreicht. Hinter ihr beginnt das seit 1974 durch die Türkei besetzte Gebiet.

Vor allem am Abend erwacht auf der Ledra Street das Leben
Vor allem am Abend erwacht auf der Ledra Street das Leben

Tipp: Vom Shacolas Tower lässt sich ganz Nikosia überblicken

Wir besuchen den nahe gelegenen 50 Meter hohen Shacolas Tower. Dieser bietet eine Aussichtsplattform, von der man ganz Nikosia und die Umgebung überblicken kann. Wer nach Nikosia kommt, sollte sich diese Aussicht nicht entgehen lassen. Sie reicht auch über das besetze Gebiet bis zu einer Bergflanke im Norden, an dem eine 165 Meter lange aufgemalte Fahne der international nicht anerkannten Türkischen Republik Nordzypern auf den Fels gepinselt ist. Besonders ins Auge fällt von hier oben die nur 100 Meter nördlich der Demarkationslinie gelegene Selimiye-Moschee, die einst eine christliche Kathedrale war und in der bis ins 15. Jahrhundert die zypriotischen Könige gekrönt wurden.

Ein besuch auf dem Shacolas Tower ist ein absolutes Muss in Nicosia
Ein Besuch auf dem Shacolas Tower ist ein absolutes Muss in Nikosia
Von der Aussichtsplattform im Shacolas Tower Nikosia hat man eine komplette Rundumsicht
Von der Aussichtsplattform hat man eine komplette Rundumsicht
Der Blick in Richtung Süden zeigt eine aufstrebende Stadt
Der Blick in Richtung Süden zeigt eine aufstrebende Stadt
Nach Norden reicht der Blick ins besetzte Gebiet
Nach Norden reicht der Blick ins besetzte Gebiet
Vom Shacolas Tower in Nikosia ist auch die Selimiye-Moschee zu sehen, die einst eine gotische Kirche war
Vom Shacolas Tower ist auch die Selimiye-Moschee zu sehen, die einst eine gotische Kirche war

Am Grenzübergang in der Ledra Street

Wenn man wollte, könnte man am Grenzübergang in der Ledra Street problemlos in den nördlichen Teil der Stadt gehen. Ich sehe einen kleinen Container vor mir, in dem griechische Zyprioten die Pässe kontrollieren. Wahrscheinlich sieht es ein paar Meter weiter auf türkischer Seite genau so aus, doch so weit reicht mein Blick nicht. Menschen kommen und gehen. Es scheint so, als wäre es völlig normal die Grenze zu passieren. Ich persönlich will jedoch nicht hinüber.

Grenzübergang in der Ledra Street in Nikosia auf Zypern
Grenzübergang in der Ledra Street

Das Cyprus Museum beherbergte großartige Kunstschätze

Ich verspüre auch nicht den größten Drang, ins besetzte Gebiet zu gehen, schließlich gibt es auch auf dieser Seite der Demarkationslinie genügend Sehenswertes. Besonders begeistert bin ich vom „Cyprus Museum“. Es ist das größte archäologische Museum auf Zypern und beherbergt ungeheuer sehenswerte antike Kunstschätze aus der über neuntausendjährigen Kulturgeschichte Zyperns.

Klein aber fein ist das Cyprus Museum in Nikosia
Klein aber fein ist das Cyprus Museum in Nikosia
Die ausgestellten Exponate im Cyprus Museum in Nikosia sind überraschend zahlreich
Die ausgestellten Exponate sind überraschend zahlreich
Unzählige gut erhaltene Stücke sind zu sehen
Unzählige gut erhaltene Stücke sind zu sehen
Viele Ausstellungsstücke im Cyprus Museum Nikosia sind uralt
Viele Ausstellungsstücke im Cyprus Museum sind uralt
Dauerbrenner im Cyprus Museum sind Statuen von Aphrodite und Adonis. Foto: travelroads.de
Dauerbrenner im Museum sind Statuen von Aphrodite und Adonis. Foto: travelroads.de

Die Spuren der Teilung werden hier besonders deutlich

Die Spuren der Teilung werden in diesem Teil der Stadt besonders deutlich. Verlassene und verfallene Häuser haben Sandsäcke in den Fenstern, dazwischen sind Schießscharten eingebaut. Auf hohen Zäunen ist Stacheldraht verlegt und während hinter dem Zaun alle paar Meter eine türkische Fahne flattert sind es auf dieser Seite des Zauns die kleinen Weißen Türme der UN, die mir ins Auge fallen. Das Szenario hat auf der einen Seite etwas Bedrohliches, auf der anderen Seite, fühle ich mich trotzdem sehr sicher. Es scheint so, als wäre die Situation in Nikosia nach all den Jahren Alltag geworden. Viele Türme sind gar nicht besetzt. Ich habe zu keiner Zeit das Gefühl unsicher zu sein.

Das Paphos Tot in der Stadtmauer liegt in der Pufferzone in Nikosia. Öffnungen wurden zugemauert und mit Schießscharten versehen
Das Paphos Tor in der Stadtmauer liegt in der Pufferzone. Öffnungen wurden zugemauert und mit Schießscharten versehen
Ein typisches Bild in der Pufferzone Nikosias. Links die blau weißen Absperrungen, rechts die türkische Flagge
Ein typisches Bild in der Pufferzone. Links die blau weißen Absperrungen, rechts die türkische Flagge
Blick vom Paphos Gate auf einen der UN-Türme in Nikosia
Blick vom Paphos Gate auf einen der UN-Türme

Nikosia ist eine Stadt zwischen Tradition und Moderne

Dass dann und wann die Rufe eines Muezzins von der besetzten Seite hinüber schallen und auch einige Minarette das Bild der Skyline prägen, wirkte erst etwas komisch, dann aber auch wieder völlig normal. Nikosia ist etwas Besonderes. Nikosia ist eine Stadt zwischen Tradition und Moderne. Nicht nur durch die Teilung sind überall Spuren der unterschiedlichsten Kulturen zu finden. Immer wieder stößt man auch auf Großbaustellen. Das Stadtbild verändert sich. Wenn alles fertig ist, soll Nikosia hip und modern sein, habe ich mir sagen lassen.

In Nikosia stößt man auf viele Großbaustellen
In Nikosia stößt man auf viele Großbaustellen
Viele imposante Gebäude sind in der Stadt Nikosia bereits entstanden
Viele imposante Gebäude sind bereits entstanden

Viele alte Kirchen und Moscheen prägen das Stadtbild Nikosias

Mit seinem historisch kulturellen Erbe könnte es eine spannende Mischung ergeben. Schon jetzt mag ich diesen Ansatz. Was mir besonders gefällt sind die vielen alten Kirchen und Moscheen im Stadtbild. Sie verströmen ein abendländisches Flair und haben zugleich eine gewisse Symbolkraft. Eine Kirche nimmt sogar eine ganz besondere Rolle ein. Es ist die Heilig-Kreuz-Kirche, die mitten in der von der UN kontrollierten Pufferzone zwischen den beiden Teilen der Stadt liegt und dadurch irgendwie romantisch neutral erscheint.

In Nikosia prägen viele sehenswerte Kirchen das Stadtbild
In Nikosia prägen viele sehenswerte Kirchen das Stadtbild
Oft sind die Kirchen von kleinen Gärten umgeben
Oft sind die Kirchen von kleinen Gärten umgeben
Die Heilig-Kreuz-Kirche von Nikosia in der Pufferzone mit einem Posten der UNO
Die Heilig-Kreuz-Kirche in der Pufferzone mit einem Posten der UNO

Den Zypernkonflikt zu verstehen fällt schwer

Immer wieder machte ich mir in Nikosia Gedanken und fragte mich, ob nicht wie einst in Berlin, auch hier einfach die Mauer fallen könnte. Doch während wir Deutschen eine gemeinsame Sprache und eine gemeinsame Kultur haben, scheint es auf Zypern vielschichtiger. Als Außenstehender fällt es schwer, den Konflikt in seiner ganzen Tragweite zu verstehen.

Der Großteil der Häuser in der Pufferzone steht bis heute leer
Der Großteil der Häuser in der Pufferzone steht bis heute leer

Verschiedene Bestrebungen führten zum Konflikt

Zypern war stets eine Insel mit vielen unterschiedlichen Volksgruppen. In den 50er Jahren träumten viele griechische Zyprioten vom Anschluss der Insel an Griechenland. Gleichzeitig trachteten viele türkische Zyprioten nach einer Teilung. Nachdem die britische Kronkolonie Zypern 1960 in die Unabhängigkeit entließ, brach drei Jahre später ein Bürgerkrieg aus. 1974 putschte das griechische Militärregime gegen den Staatspräsidenten und erhoffte sich dadurch den Anschluss an Griechenland. Als Reaktion darauf landete die türkische Armee auf der Insel und besetze im Norden 37 Prozent der Gesamtfläche Zyperns. 162000 griechische Zyprioten sollen aus ihren Häusern im Norden vertrieben worden sein und rund 30000 türkische Zyprioten sollen ihre Heimat verloren haben. Tausende Menschen kamen ums Leben.

Blick von der Demarkationslinie ins besetzte Gebiet
Blick von der Demarkationslinie ins besetzte Gebiet

Eine nur fast normale Stadt

Wenn man heute durch Nikosia spaziert und plötzlich vor einer zugemauerten Gasse steht, in einer mit Stacheldraht abgesperrten Straße nicht weiter kommt oder vor dem Niemansland, das zum Teil noch vermint ist auf die Wachtürme der Soldaten schaut, wird man unweigerlich an den Zypern-Konflik erinnert. Für uns als Touristen könnte Nikosia eine ganz normale Stadt sein. Dennoch stimmt es traurig, zu sehen, was hier einst passiert ist und bis heute andauert. Die Wunden der Menschen sind noch längst nicht verheilt. Auch deshalb ist Nikosia eine nur fast normale Stadt – und dennoch ein echter Tipp für jeden Zypern-Besuch.

Absperrungen und Mauern sind in der geteilten Stadt ein fast normales Bild
Absperrungen und Mauern sind in der geteilten Stadt ein fast normales Bild
Die Teilung Nikosias hat Wunden hinterlassen, die sich nicht nur im Stadtbild zeigen
Die Teilung hat Wunden hinterlassen, die sich nicht nur im Stadtbild zeigen

Ich wurde von der Fremdenverkehrszentrale Zypern nach Nikosia eingeladen

Thomas Limberg

Ob Nordpol, Himalaya oder der Zoo um die Ecke. Immer wenn ich unterwegs sein und Neues entdecken kann, bin ich am glücklichsten. In diesem Blog nehme ich Dich seit 2010 mit auf meine Städtereisen, Roadtrips, Wander-Abenteuer und zu vielem mehr.

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Dörte Behrmann
Pressereferentin / Erlebnis Bremerhaven GmbH

Von der ersten Ansprache bis zum fertigen Blogbeitrag: Mit Thomas Limberg zusammen zu arbeiten ist eine Freude! Er ist verbindlich, professionell und trägt das Herz auf dem rechten Fleck. Unsere erste Bloggerreise wurde nicht zuletzt durch seine Kontaktfähigkeit zu einem großen Erfolg. Vom Ergebnis – in Text, Bild und Video – sind wir mehr als begeistert und wir bedanken für uns die optimale Verwertung der gelieferten Erlebnisse. Immer sehr gerne wieder!