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Camping auf einem Weingut in den Niederlanden

Dieser Artikel wurde zuletzt am 11. Juni 2026 aktualisiert.

“Da gibt es Weine?”, fragte mich ein Kollege, als ich ihm erzählte, dass wir am Wochenende auf einem Weingut in den Niederlanden campen waren. Ja, bei unseren Nachbarn gibt es Weine – sehr gute sogar! Tatsächlich wusste ich da bisher auch nichts von. Dass dem doch so ist, war aber nicht die einzige Überraschung, die wir auf dem Weingut Erve Wisselink erlebten. Neben den edlen Tröpfchen gibt es dort einen ganz besonderen Campingplatz.

Camping zwischen Weinreben auf einem Weingut in den Niederlanden - Erve Wisselink

Doch alles langsam der Reihe nach. Der Weinbau in den Niederlanden hat tatsächlich eine lange Tradition. Schon die Römer sollen ihn in der Region angebaut haben. Im frühen Mittelalter  konzentrierte sich der Weinanbau vor allem auf den hügeligen Süden und geschützte Lagen im Landesinneren. Der Schwerpunkt lag in Süd-Limburg und im Maastal. Dort boten die kalk- und lösshaltigen Böden ideale Bedingungen. Aber auch in anderen Gegenden der heutigen Niederlande wurde damals innerhalb von Stadtmauern und Klostergärten sowie an geschützten Hängen Wein angebaut. 

Ab dem 14. und 15. Jahrhundert läutete die sogenannte „Kleine Eiszeit“ das Ende dieser Epoche ein. Es wurde schlicht zu kalt und feucht, als dass die Trauben noch verlässlich reifen konnten. Zudem machten die aufkommende Bierbraukunst und billigere Weinimporte aus Frankreich und Deutschland dem niederländischen Weinbau endgültig den Garaus. Über Jahrhunderte war er quasi komplett verschwunden – bis zu seiner Wiederbelebung in den 1970er Jahren.

Im Süden Limburgs entstanden wieder erste Weingüter. Dabei setzte man vor allem auf klassische, früh reifende weiße Rebsorten, die mit dem kühleren Klima zurechtkommen, wie Müller-Thurgau, Auxerrois und Riesling. Einen riesigen Sprung machte der Weinbau in den Niederlanden schließlich ab den 1990er Jahren. In dieser Zeit kamen neue Rebsorten wie Johanniter, Solaris sowie Regent und Rondo auf. Sie brauchen kaum Spritzmittel, reifen früh und machten den Weinbau plötzlich fast im ganzen Land möglich.

Heute ist der Weinbau in den Niederlanden längst kein skurriles Hobby mehr, sondern ein hochmoderner Agrarzweig, der mit anderen bekannten Weinregionen mithalten kann. In allen 12 Provinzen der Niederlande wird er inzwischen angebaut und bekommt bei internationalen Blindverkostungen Auszeichnungen. 

Eines dieser Weingüter ist das Weingut Erve Wisselink, auf dem wir campen waren. Ebenso, wie ich vom Wein in den Niederlanden überrascht war, hat mich auch dieser Platz überrascht. Er liegt in Eibergen, in der ländlichen Region Achterhoek innerhalb der Provinz Gelderland – unweit der deutschen Grenze. Eine Region, die der örtliche Tourismusverband selbstbewusst als “Die schönste Ecke der Niederlande” bezeichnet. Auch wenn es in den Niederlanden sehr viele schöne Ecken gibt, ist an dieser Aussage auf jeden Fall etwas dran. Mir fallen sofort die vielen alten Bäume auf, die überall die Straßen säumen, dazu schier endlose Wiesen und reichlich Natur mit vielen Kühen. 

Erve Wisselink liegt mittendrin. Als wir auf den Platz fahren, bin ich direkt begeistert. Links der Einfahrt erstreckt sich eine Wiese, die bis zum Horizont reicht. Auf ihr jagt eine Katze nach Mäusen. Auch Hasen sind in der Ferne zu erkennen, dazu unzählige Vögel: Rotschwänze, Raben und reichlich andere Arten, deren Namen ich nicht kenne. Wir gehen ins Rezeptionsgebäude und werden per Handschlag begrüßt. Anoek erklärt uns alles, was  wir wissen müssen und hat dabei die ganze Zeit ein Lächeln auf den Lippen, das dem Gast augenblicklich das Gefühl vermittelt, hier willkommen zu sein.

Gemeinsam mit ihrem Mann betreibt sie das Weingut und den familiären Campingplatz, der über insgesamt 25 Stellplätze verfügt. Einer davon ist für uns reserviert. Im Schritttempo fahren wir dorthin – und das direkt an den Weinreben vorbei. Freundlich grüßen die anderen Camper, die vor ihren Wohnwagen sitzen. Uns gefällt es hier auf Anhieb. Wir richten uns ein und genießen wenige Augenblicke später die herrliche Aussicht auf die Reben und die umliegende Natur.

Rund um das Gelände wurden viele unterschiedliche Bäume und Sträucher gepflanzt. Nicht nur zahlreiche Vögel werden hiervon angelockt. Auch Hühner und Bienen fühlen sich auf dem kleinen Campingplatz pudelwohl. Zwischen Wohnwagen, Zelten und Weinreben laufen braune Hennen und ein weiß-schwarze Hahn umher. Überall picken sie nach Futter und dann und wann fällt sogar bei einigen Campinggästen ein extra Leckerbissen an. Ihren Stall haben sie direkt hinter dem Feld mit den Weinreben, dort wo auch die Bienenstöcke des Weinguts stehen. Campinggäste können den Honig ebenso kaufen wie die Eier der Hühner, selbstgemachte Marmelade oder frisch aufgebackene Brötchen zum Frühstück.

Doch wir wollen zunächst einmal den Wein probieren. Wie gelegen kommt es uns da, dass gerade ein Gewitter heranzieht und wir auf der überdachten Terrasse des Campingplatzes für eine Weinprobe einkehren können. 12,50 Euro zahlen wir pro Person für drei Gläser. Uns gefällt das Ambiente. Uns schmeckt der Wein – wir fühlen uns hier richtig wohl. Auch weil hier alles so ungezwungen und familiär ist. Wir sind gerade erst angekommen, da spricht uns auch schon ein sympathischer Camper in einer Mischung aus Niederländisch und Englisch an. Ob wir extra wegen des Weines hierher gekommen sind, will er wissen. Offenbar ist direkt aufgefallen, dass wir neben einem Paar aus Belgien, die einzigen ausländischen Gäste auf dem Campingplatz sind.

Auch mit Anoek kommen wir erneut ins Gespräch. Sie erzählt uns mehr über das Weingut und den Campingplatz. 2006 wurden hier die ersten Reben gepflanzt. Sie hat den Platz aber erst vor 2,5 Jahren mit ihrem Mann übernommen. Die Liebe, die die beiden seitdem in das Projekt stecken, wird sowohl im Gespräch als auch an den vielen unvergleichlichen Details auf dem Platz deutlich. Ich frage sie, wie viele Flaschen Wein man aus den Reben produzieren kann und bin dann über ihre Antwort sehr überrascht. Bis zu 4000 sollen es sein. Doch in diesem Jahr neigen sich die Bestände von einigen Sorten bereits dem Ende entgegen. Es sei oft viel los und der Wein gut gefragt. 

Eine der Flaschen nehmen wir anschließend direkt mit zu unserer Parzelle, wo wir den Campinggrill anwerfen und den Sonnenuntergang genießen. Insgesamt zwei Nächte bleiben wir hier. In dieser Zeit gelingt es uns, wunderbar zu entspannen. Schnell ist der Alltag vergessen und das Gefühl eines kleinen Kurzurlaubs present. Als wir am Morgen unserer Abreise barfuß im noch leicht feuchten Gras unseren Minicamper abfahrbereit machen, stellt sich etwas Wehmut ein. Fast zeitgleich kommt Anoek vorbei und bringt uns eine Tüte mit noch warmen Brötchen, die wir am Vorabend unkompliziert online bestellt haben. Wir erfreuen uns am Duft der frischen Brötchen und wissen, dass das sicher nicht unser letzter Besuch hier auf dem Campingplatz Erve Wisselink gewesen sein wird.

PS: Ein Tipp für alle Campingfans: Der Campingplatz Erve Wisselink liegt ganz in der Nähe von Europas größtem Campinggeschäft. Der Obelink Megastore in Winterswijk ist in knapp 20 Minuten zu erreichen. Wir haben vom Campingplatz aus ebenfalls einen Ausflug zu Obelink unternommen und in diesem riesigen Geschäft gute fünf Stunden verbracht.

Transparenzhinweis: Wir sind für sämtliche Kosten, die im Zusammenhang mit dem Besuch auf dem Campingplatz Erve Wisselink standen, selbst aufgekommen.

Thomas Limberg

Ich bin Thomas – das Gesicht hinter Breitengrad66. Schon seit 2010 nehme ich meine Leser in diesem Reiseblog mit auf Reisen. Unterwegs gibt es fast nichts, für das ich mich nicht begeistern kann. Ob fremde Kulturen, sportliche Herausforderungen, einzigartige Natur, schicke Hotels oder außergewöhnliche Kulinarik – ich bin immer neugierig auf Neues. Auf keiner Reise fehlen darf meine Kamera, denn Fotografie ist eine meiner größten Leidenschaften. Besonders stolz bin ich darauf, dass Breitengrad66 bei der renommierten Wahl zum Reiseblog des Jahres 2024 von Touristik PR unter die 15 besten gewählt wurde. Mehr über diesen Blog und über mich gibt es HIER zu lesen.

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