Ein Besuch in Auschwitz

Thomas Limberg 18. März 2014 5

Es war eine Reise, die sich für immer ins Gedächtnis einbrennen wird. Mit einem Zug fuhren wir von Krakau nach Auschwitz. Während eine normale Zugfahrt nichts Besonderes ist, beschlich mich hier schon ein sehr komisches Gefühl. Wir rollten über die gleichen Schienen, auf denen vor 70 Jahren über eine Million Juden ihrem Tod entgegen rollten. Unweigerlich tauchen bei einer solchen Anreise immer wieder die entsetzlichen Bilder der damaligen Deportationszüge vor dem geistigen Auge auf. Man schaut, während der Zug langsam Richtung Auschwitz rattert, gedankenverloren in die Landschaft und fragt sich, was die Menschen, die damals hier lang fuhren wohl gedacht haben müssen.

In Auschwitz angekommen dann eine kleine Pause für die wirren Gedanken. Heute ist es eine Kleinstadt wie jede andere in Polen. Der Bahnhof ist unscheinbar und nichts erinnert an das, was ganz in der Nähe einst passierte. Wüsste ich nicht, dass rund 1500 Meter nordwestlich die Todesfabrik Birkenau und 1500 Meter südlich das Stammlager Auschwitz liegen, es hätte ein Ort sein können, an dem ich mich gemütlich in einen Biergarten hätte setzen können. Doch an einem solchen Ort würde mir dies nicht gelingen. Wir schlugen den kurzen Weg in Richtung Stammlager, auch Auschwitz I genannt ein, und durchquerten dabei das Gebiet mit jenen Industriehallen, in denen die Nazis ihre Zwangsarbeiter für sich schuften ließen. Schnell waren sie wieder da die Gedanken an damals. Wie mag es hier zugegangen sein, was mag in den Köpfen der Menschen vorgegangen sein?

Dann eine erneute Pause für die fliegenden Gedanken. Das Stammlager ist erreicht. Ein großer Busparkplatz liegt vor uns. Zahlreiche Kioske und Imbissbuden säumen den Weg. So makaber es klingt, nichts wirkt hier, als ständen wir vor jenem Ort, an dem der größte Massenmord der Geschichte stattgefunden hat. Fast wirkt es sogar wie der Eingang zu einem Freizeitpark. Fast unwirklich erscheinen dort die langsam auftauchenden Stacheldrahtzäune und das Eingangstor zum Lager. Das Schild mit der weltbekannten Aufschrift “Arbeit macht frei” hängt jetzt über unseren Köpfen. Wirklich realisieren, wo wir uns jetzt befinden kann wohl niemand.

Der Eingang ins Stammlager Auschwitz mit dem "Arbeit macht frei"-Schriftzug

Der Eingang ins Stammlager Auschwitz mit dem “Arbeit macht frei”-Schriftzug

Leichter Morgennebel hüllt die dahinter befindlichen Barracken in ein gespenstisches Szenario. Wie zum Schutz hebe ich meine Kamera und beginne zu fotografieren. Immer wenn ich mich auf gute Fotos konzentriere, bleibt kein Platz, mir Gedanken über etwas anderes zu machen. In diesem Moment will ich mir wahrscheinlich auch keine Gedanken machen, weil ich weiß, dass das, was dort auftauchen könnte weit jenseits aller Vorstellungskraft liegt.

Leichter Nebel unterstreicht die düstere Stimmung an diesem Ort

Leichter Nebel unterstreicht die düstere Stimmung an diesem Ort

Die Szenerie in Auschwitz wirkt auch heute noch bedrohlich

Die Szenerie in Auschwitz wirkt auch heute noch bedrohlich

Vorbei an den Barracken und durch scheinbar endlose Stacheldrahtzäune bahnen wir uns den Weg ins Innere des Lagers. Wir kommen vorbei an bedrohlich wirkenden Wachtürmen und sind umgeben von einer merkwürdigen Stille. Außer uns sind an diesem Morgen nur wenige Menschen auf dem Gelände. Ich versuche mir vorzustellen, welche Geräuschkulisse damals hier geherrscht haben muss. Vor uns liegt ein Galgen. Es ist der Galgen, an dem der ehemalige Lagerkommandant Rudolf Höß 1947 erhängt wurde. Obwohl hier ein Mensch starb, stellt sich angesichts seiner Verbrechen, dort fast eine Gleichgültigkeit ein. Fast möchte man ausrufen: “Gut so!”

Der Ort, an dem Rudolf Höß getötet wurde

Der Ort, an dem Rudolf Höß getötet wurde

 Doch mit der Gleichgültigkeit ist es ganz schnell vorbei. Man ist erst seit wenigen Minuten in Auschwitz, realisiert noch nicht so richtig, wo man eigentlich ist und steht dann plötzlich unvermittelt vor einer der Gaskammern. Man geht hinein, durch eine massive Tür, durchschreitet den Auskleideraum, in dem sich die Todgeweihten ihrer Kleider entledigen mussten und steht dann mitten drin in einem der grausigsten Orte der Welt. Selbst fast nicht mehr fähig zu atmen, schießen einem fast die Tränen in die Augen und die Gedanken an das, was in diesem Raum passiert ist, bringen einem fast um den Verstand. Der Blick fällt auf die Öffnung in der Decke, durch die die SS das Zyklon B einwarf, auf die Kratzspuren an den Wänden, die die Sterbenden hinterlassen haben und auf das Guckloch in der Tür, durch das die Verbrecher ihre Taten verfolgen konnten. Es ist erschreckend still. Niemand traut sich zu sprechen und doch wird es laut im Kopf. Man muss unweigerlich an all jene Schreie denken, die hier einst ausgestoßen worden sein müssen. Wie angewurzelt steht man eine ganze Weile in dieser Gaskammer bevor man in der Lage ist den angrenzenden Raum zu betreten: das Krematorium. Der Anblick der Verbrennungsöfen und der Leichenkarren gibt selbst Hartgesottenen fast den Rest. Man ist nur noch froh danach schnell wieder ins Freie gehen zu können und stellt sich dabei die Frage: “Warum kann ich hier einfach so rausgehen und warum konnten es 1,3 Millionen Menschen nicht?”

Das Krematorium I mit dahinter liegender Gaskammer

Das Krematorium I mit dahinter liegender Gaskammer

Der Eingang zur Gaskammer I

Der Eingang zur Gaskammer I

Für viele der letzte Blick nach draußen - Fenster im Auskleideraum

Für viele der letzte Blick nach draußen – Fenster im Auskleideraum

Ein Ort, zu dem die Worte fehlen - Die Gaskammer I

Ein Ort, zu dem die Worte fehlen – Die Gaskammer I

Deckenöffnung durch die das Zyklon B eingefüllt wurde

Deckenöffnung durch die das Zyklon B eingefüllt wurde

Das angrenzende Krematorium mit den Verbrennungsöfen

Das angrenzende Krematorium mit den Verbrennungsöfen

Aus der Gaskammer gab es kein Entrinnen

Aus der Gaskammer gab es kein Entrinnen

Wieder im Freien herrscht eine völlige Leere. Planlos streif man weiter durch das Lager. Es dauert eine ganze Weile, bis man überhaupt wieder in der Lage ist klare Gedanken zu fassen. Doch mit dem Schrecken ist es längst nicht vorbei. Auf dem weiteren Weg durch das Lager passieren wir den sogenannten Sammelgalgen, an dem Massentötungen vorgenommen wurden, überqueren den Appellplatz, auf dem sich nicht weniger grausame Szenen abgespielt haben müssen und besuchen schließlich einige Barracken, in denen das Schicksal der Ermordeten greifbar wird. Hier sind heute jene Habseligkeiten ausgestellt, die die Deportierten mit nach Auschwitz brachten und die die Nazis ihnen raubten. Ebenso sind die Haare der Menschen zu sehen, die die Nazis ihnen abschnitten bevor sie sie in die Gaskammer schickten. Ein erschreckend großer Berg mit einem Gewicht von sieben Tonnen.

Erschreckend: Der Sammelgalgen

Erschreckend: Der Sammelgalgen

Welche schrecklichen Szenen mögen sich auf dem Appellplatz abgespielt haben?

Welche schrecklichen Szenen mögen sich auf dem Appellplatz abgespielt haben?

Anhand der menschlichen Haare wird das traurige Schicksal greifbar

Anhand der menschlichen Haare wird das traurige Schicksal greifbar

Kartuschen in denen einst das Zyklon B war

Kartuschen in denen einst das Zyklon B war

Einige Brillen der Ermordeten

Einige Brillen der Ermordeten

Prothesen und Gehilfen der Holocaust-Opfer

Prothesen und Gehilfen der Holocaust-Opfer

Unvorstellbare Mengen an Habseligkeiten der Opfer sind zu sehen

Unvorstellbare Mengen an Habseligkeiten der Opfer sind zu sehen

Bedrückend ist vor allem jene Baracke, die mit Schuhen der Opfer gefüllt ist

Bedrückend ist vor allem jene Baracke, die mit Schuhen der Opfer gefüllt ist

Selbst die Koffer, die die Juden auf ihrer letzten Reise mitbrachten sind noch da

Selbst die Koffer, die die Juden auf ihrer letzten Reise mitbrachten sind noch da

Der weitere Weg durch das Konzentrationslager führt in Barracken, in denen die Schlafräume, die sanitären Anlagen etc. von damals zu sehen sind. Immer wieder fällt dabei die jetzt hier herrschende Stille auf. Man möchte sich oft gar nicht vorstellen, was hier los war, als das Lager in Betrieb war. Besonders nicht, als wir die Blöcke 10 und 11 sowie die dazwischen liegende Erschießungswand erreichen. Dass ein Josef Mengele hier seine abscheulichen Verbrechen begangen hat, liegt weit jenseits aller Vorstellungskraft. Auch dass im Keller von Block 11, der von Zeitzeugen oft als gefürchtetster Ort in Auschwitz beschrieben wird, die ersten Opfer durch Gasexperimente starben scheint kaum vorstellbar. Bedrückt schleichen wir durch den Keller und kommen dort auch an jener berüchtigten “Hungerzelle” vorbei, in der Maximilian Kolbe eingekerkert wurde. Nachdem ihn die SS-Männer dort verhungern lassen wollten, er aber nach über zwei Wochen noch nicht tot war, wurde er schließlich durch eine Giftspritze umgebracht.

Blick in einen Toilettenraum

Blick in einen Toilettenraum

Schlafsaal in einer der Barracken

Schlafsaal in einer der Barracken

Auf den Fluren hängen heute Bilder der ehemaligen Gefangenen

Auf den Fluren hängen heute Bilder der ehemaligen Gefangenen

Die Erschießungswand zwischen den Blöcken 10 und 11

Die Erschießungswand zwischen den Blöcken 10 und 11

Raum, in dem sich die Gefangenen vor der Erschießung auskleiden mussten

Raum, in dem sich die Gefangenen vor der Erschießung auskleiden mussten

Der Keller von Block 11

Der Keller von Block 11

Todeszelle von Maximilian Kolbe

Todeszelle von Maximilian Kolbe

 Tief beeindruckt von dem, was wir bisher gesehen hatten, machten wir uns anschließend auf den Weg ins drei Kilometer entfernte Birkenau. Wenngleich wir schon im Stammlager kaum Worte finden konnten, wussten wir, dass dies hauptsächlich als Konzentrationslager diente und uns in Birkenau das eigentliche Vernichtungslager erwartete. Würde man dort überhaupt annähernd eine Vorstellung für das bekommen können, was sich dort einst abspielte? Mit ungutem Gefühl im Bauch führte uns der Weg abermals durch die Nebenlager mit ihren einstigen Rüstungsfabriken, in denen zehntausende Zwangsarbeiter schuften mussten. Ständig begleitet vom Gedanken wie es den Gefangenen, die damals zwischen den Lagern und den Fabriken hin- und hergetrieben wurden ergangen sein muss, standen wir plötzlich vor jenem Gebäude, das zum erschreckenden Symbol für die Grausamkeiten des Holocaust wurde: dem Einfahrtstor nach Auschwitz-Birkenau. Fast fühl es sich an wie eine Zeitreise 70 Jahre in die Vergangenheit. Das Grauen wird plötzlich wieder überaus greifbar. Wie schon im Stammlager verstecke ich mich hinter meiner Kamera, doch so richtig kann ich mich auch damit nicht ablenken. Während ich auf dem Gleis, das durch das Tor führt stehe, ertappe ich mich dabei, wie ich mich immer wieder umschaue, ob nicht doch ein schnaubender Zug heranrollt.

Zug um Zug rollte einst durch dieses Tor in die Tötungsfabrik

Zug um Zug rollte einst durch dieses Tor in die Tötungsfabrik

 Als wir das Tor passiert hatten, stand uns einer der nach dem Besuch der Gaskammer im Stammlager, emotionalsten Augenblicke bevor. Wir befanden uns jetzt auf der sogenannten Judenrampe. Es sah noch genau so aus, wie man es von alten Fotos kennt. Der Ort, an dem die Juden aus den ankommenden Zügen getrieben und selektiert wurden. Willkürlich wurde aufgeteilt, wer als arbeitsfähig befunden wurde und wer von hier direkt den Weg in die Gaskammer antreten musste. Ganz sicher war dies einer der Orte in ganz Auschwitz, an dem sich die meisten Dramen abspielten. Wie Familien hier getrennt wurden und welche Brutalität hier herrschte, ist kaum zu glauben. Wenngleich dieser Ort noch immer so aussieht, wie auf den alten Fotos, gibt es doch einen entscheidenden Unterschied. Die Menschen fehlen. Gerade die heute dort herrschende Stille ist es, die ihn auch heute nur sehr schwer erträglich macht. Einzig das Zwitschern unzähliger Vögel ist zu hören. Wüsste man es nicht besser, man könnte fast Gefallen daran finden.

Weiche in den Tod an der Judenrampe

Weiche in den Tod an der Judenrampe

Welche Szenen sich bei der Selektion abgespielt haben müssen, ist unvorstellbar

Welche Szenen sich bei der Selektion abgespielt haben müssen, ist unvorstellbar

Als wäre er gerade erst angekommen: Rest eines Deportationszuges

Als wäre er gerade erst angekommen: Rest eines Deportationszuges

Für viele der letzte Weg - Von der Judenrampe in die Gaskammer

Für viele der letzte Weg – Von der Judenrampe in die Gaskammer

Die Menschen im Hintergrund sind auf dem Weg von der Rampe ins Krematorium II

Die Menschen im Hintergrund sind auf dem Weg von der Rampe ins Krematorium II

Auf der Rampe wurden einige der bewegendsten Fotos des Holocaust aufgenommen

Auf der Rampe wurden einige der bewegendsten Fotos des Holocaust aufgenommen

 Mir ist in diesem Moment mehr als bewusst, dass fast alle der hier ankommenden Juden direkt nach ihrer Ankunft vergast wurden. Entsprechend bedrückt beschreiten wir den gleichen Weg, den auch sie damals gingen von der Rampe zu den beiden Krematorien am Ende der Gleise. Es sind die Gaskammern 2 und 3 – beide, wie alle in Birkenau von den Nazis kurz vor Kriegsende gesprengt. Dennoch ist gut zu erkennen, was hier einst war. Die Treppen, die in die unterirdischen Kammern führten, aus denen so viele Menschen nie zurückkehrten sind vollständig erhalten. Fassungslos steht man davor und blickt gedankenverloren hinab.

Die Überreste von Gaskammer und Krematorium II

Die Überreste von Gaskammer und Krematorium II

Auch vom Krematorium III ist nicht mehr viel übrig

Auch vom Krematorium III ist nicht mehr viel übrig

Jüdische Frauen und Kinder vor Krematorium III auf dem Weg zu Krematorium II

Jüdische Frauen und Kinder vor Krematorium III auf dem Weg zu Krematorium II

Durchgang in den hinteren Lagerbereich

Durchgang in den hinteren Lagerbereich

Wer in Birkenau ist, sollte es keinesfalls versäumen hinter den Krematorien II und III den entlegenen nördlichen Lagerbereich zu besuchen. Gerade hier wurde mir die Perversität dieses Ortes besonders deutlich. Es geht durch ein kleines Wäldchen, vorbei an Seen und Feldern. Vögel zwitschern immer mehr und auf den Lichtungen grasen friedlich einige Rehe. Ich ertappe mich dabei, wie ich denke, dass es hier sehr schön ist. Zugleich schäme ich mich für diese Gedanken. Es wirkt heute alles so friedlich, doch schön war es hier gewiss nicht. Haben die Menschen, die hier unter den Bäumen unwissend auf ihren Tod warteten vielleicht auch dem Vogelgezwitscher gelauscht und die letzten Momente in ihrem Leben genossen? Wie mögen sich erst jene Menschen gefühlt haben, die auf den Lichtungen die Leichen ihrer Familien verbrennen und die Asche in die angrenzenden Seen schütten mussten?

Eigentlich ein schöner Ort, wäre da nicht der Stacheldraht

Eigentlich ein schöner Ort, wäre da nicht der Stacheldraht

Entwässerungsgräben, die von den Gefangenen ausgehoben werden mussten

Entwässerungsgräben, die von den Gefangenen ausgehoben werden mussten

Weite Felder auf denen Leichenberge brannten und Asche verstreut wurde

Weite Felder auf denen Leichenberge brannten und Asche verstreut wurde

Im Wald liegen Krematorium und Gaskammer IV

Im Wald liegen Krematorium und Gaskammer IV

Direkt daneben einige Gruben, in denen Leichen verbrannt wurden

Direkt daneben einige Gruben, in denen Leichen verbrannt wurden

Juden, die als "arbeitsunfähig" eingestuft wurden, warten im Wald vor Kreamatorium IV auf den Tod

Juden, die als “arbeitsunfähig” eingestuft wurden, warten im Wald vor Kreamatorium IV auf den Tod

Man mag sich gar nicht vorstellen, was einst hier geschah

Man mag sich gar nicht vorstellen, was einst hier geschah

Ebenfalls im Wald das Krematorium V

Ebenfalls im Wald das Krematorium V

Das "weiße Haus" - Eine der ersten provisorischen Gaskammern

Das “weiße Haus” – Eine der ersten provisorischen Gaskammern

Ein großer See - Gefüllt mit der Asche der Opfer

Ein großer See – Gefüllt mit der Asche der Opfer

Die Erinnerung ist bewegend

Die Erinnerung ist bewegend

Unter diesen Bäumen warteten viele Juden bevor sie in die Gaskammer gingen

Unter diesen Bäumen warteten viele Juden bevor sie in die Gaskammer gingen

Was mögen die Menschen gedacht haben, die hier im Wald warteten?

Was mögen die Menschen gedacht haben, die hier im Wald warteten?

Heute grasen hier friedlich Rehe

Heute grasen hier friedlich Rehe

Wieder aus dem Wald heraus durchqueren wir wir die scheinbar endlosen, durch Stacheldraht abgegrenzten Bereiche, mit den Wohnbarracken. Die Füße beginnen zu schmerzen und die Dimension von Auschwitz wird immer deutlicher. Selbst wilde Tiere in einem Zoo würden nirgendwo so eingepfercht wie die Menschen damals hier. Ein Blick ins Innere der hölzernen Barracken lässt das Grauen und die katastrophalen Bedingungen von damals erahnen. Nicht anders sieht es in den Steinbarracken aus. Auf engstem Raum waren hier hunderte Menschen untergebracht. Man fragt sich, wie lange hätte man es hier wohl selbst ausgehalten.

Endlos wirkt das durch Stacheldraht gesicherte Areal

Endlos wirkt das durch Stacheldraht gesicherte Areal

Welch trostloses Leben müssen die Menschen hinter diesen Zäunen gefristet haben?

Welch trostloses Leben müssen die Menschen hinter diesen Zäunen gefristet haben?

Die Enge hier muss eine Qual gewesen sein

Die Enge hier muss eine Qual gewesen sein

Holzbarracken von außen

Holzbarracken von außen

Männer, die als arbeitsfähig befunden wurden, mussten hier hausen

Männer, die als arbeitsfähig befunden wurden, mussten hier hausen

Und ein Blick ins Innere

Und ein Blick ins Innere

Sanitäranlagen im Inneren einer Barracke

Sanitäranlagen im Inneren einer Barracke

Was nach dem Besuch in Auschwitz bleibt, ist die Frage, ob man sich einen Besuch dort antun muss. Auf jeden Fall wird ein solcher auf Ewigkeit in der eigenen Erinnerung bleiben und dabei ein Stück helfen zu verstehen, zu was Menschen in der Lage sein können. Ich kann jedem nur raten Auschwitz zu besuchen. Besonders die erhaltene Gaskammer im Stammlager, die Judenrampe in Birkenau und der dortige Wald lösen Emotionen aus, die schwer zu beschreiben sind. Die 1,3 Millionen Auschwitz-Opfer werden dadurch zwar nicht wieder lebendig, aber wenn die Erinnerung an sie dadurch wach gehalten werden kann, ist ein Stück erreicht.

Wer sich für die Geschichte Auschwitz interessiert, dem kann ich übrigens das Buch “Auschwitz: Geschichte eines Verbrechens” sowie den mehrteiligen Dokumentarfilm “Auschwitz von der BBC” wärmstens empfehlen. Sowohl im Buch als auch im Film kommen Opfer und Täter zu Wort. Von allen Büchern und Filmen, die ich über Auschwitz gelesen bzw. gesehen habe, ist keines annähernd so interessant. Bei beiden bekommt man eine sehr gute Vorstellung davon, wie sich Auschwitz zu dem entwickeln konnte was es war.

Danken möchte ich an dieser Stelle der Holocaust Gedenkstätte Yad Vashem, die mir die hier gezeigten schwarz-weiß Fotos zur Verfügung gestellt hat. Sie entstammen dem sogenannten Auschwitz-Album, das die Ankunft ungarischer Juden im Mai oder Juni 1944 in Auschwitz zeigt. Die Rechte dieser Fotos liegen bei der Gedenkstätte. Alle hier gezeigten Farbfotos stammen von mir.

 

 

 

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5 Kommentare »

  1. Der böse Frosch 17. Juni 2015 at 21:22 - Reply

    Sehr interessante, gute und vor allem umfangreiche Bildreportage. Hochachtung!

  2. Arthur Böhnke 1. Dezember 2015 at 13:44 - Reply

    Es ist die ohnmächtige Wut auf die Aroganz und Dummheit auf die von ( …. !) erwählten Völker.
    Das macht mir den Glauben an die Meschen so schwer.
    Machthunger, Geldgier, auf der einen Seite Angst, Feigheit und Geistig beschränkten auf der anderen Seite machen soetwas möglich.

  3. Jean 25. April 2016 at 07:43 - Reply

    Hallo Thomas,
    dein Beitrag ist wirklich sehr bewegend und sehr gut geschrieben! Man kann deine Besichtigung so gut nachvollziehen und auch wenn man schon einmal ein anderes Lager besucht hat, ist Auschwitz doch noch mal viel schlimmer…
    Liebe Grüße, Jean

    • Thomas Limberg 25. April 2016 at 08:18 - Reply

      Hallo Jean,
      danke, das freut mich!
      Liebe Grüße
      Thomas

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