Auf Safari im Chitwan Nationalpark

 

Wie lohnenswert allein die Fahrt von Kathmandu in den Chitwan Nationalpark, ganz im Süden Nepals an der Grenze zu Indien, ist, darüber habe ich HIER, bereits berichtet. Doch eine Safari, übertrifft alles. Im Nationalpark leben u.a. Tiger, Elefanten, Nashörner und Krokodile. Zumindest eines der Tiere wollte ich unbedingt live erleben. Um dies zu schaffen, stiegen wir auf einen offenen Safari-Jeep, um damit in den Dschungel zu fahren. Doch zunächst erlebten wir eine verkehrte Welt. Es waren nicht die Tiere, die im Mittelpunkt der Beobachtungen standen, sondern erstmal wir selbst. Während wir durch kleine Dörfer zuckelten, winkten die Menschen am Straßenrand. Kinder kamen aus den Hütten gerannt und beobachteten uns mit strahlenden Augen. Welch tolles Gefühl, wie man Kinder alleine durch Winken ein herzhaftes Lachen ins Gesicht zaubern kann. Ich hätte gerne auch den ganzen Tag mit diesem etwas überdimensionierten „Papamobil“ durch die Dörfer fahren und winken können.

Mit einem solchen Fahrzeug ging es hinaus in den Dschungel
Anfangs führte der Weg noch vorbei an kleinen Hütten und Häusern
An Reisfeldern entlang
Schulbusse kamen uns entgegen
Am Straßenrand wurde gewinkt

Dann führte der Weg durch einen kleinen Bach und wir ließen die Zivilisation langsam hinter uns. Ein kleiner Kontrollposten der Parkverwaltung und wir waren urplötzlich mitten im Dschungel. Für den Fall möglicher Tierbegegnungen begann ich langsam meine Kamera vorzubereiten. Wir waren noch keine fünf Minuten im dichten Urwald und ich hatte noch nicht das richtige Objektiv auf der Kamera, da raschelte es direkt neben unserem Fahrzeug auf dem stark bewachsenen Boden und aufgeregte Schreie machten sich breit. Gerade noch sah ich, wie 1-2 Meter neben uns eine ausgewachsene Tigerpython eilig flüchtete. Ein wunderschönes Tier. Vielleicht knapp über drei Meter lang. Ich war so perplex über diese unerwartete Begegnung, dass ich leider kein Foto zu Stande brachte.

Wir tauchten ein in den Dschungel
Hinter diesem Kontrollposten beginnt die wilde Welt

Nur wenig später kam uns das nächste Tier entgegen. Ein echtes Großkaliber – ein Elefant. Zwar kein Wilder, obwohl auch welche im Park leben, sondern einer, der als „Haustier“ gehalten und zum Reiten genutzt wurde, aber trotzdem eine imposante Erscheinung. Ebenfalls bemerkenswert waren die in großer Zahl vorhandenen exotischen Vögel. Ob Eisvögel, Reiher oder Paradiesvögel – hier gab es fast alles. Mit den Tieren hätte es so weiter gehen können. Doch als wir an eine Lichtung kamen, die vom anhaltenden Monsun ziemlich durchweicht war, passierte es: wir blieben stecken. Mir ging kurz durch den Kopf, was jetzt wohl passieren würde, wenn in diesem Moment ein Tiger auftauchen würde. Die Möglichkeit zur Flucht war komplett verbaut. Doch große Sorgen machte ich mir deswegen eigentlich nicht. Ich genoss es fast sogar hier zu stecken. Die einzigen Tiere, vor denen ich wirklich Angst hatte, waren die Mücken. Der Chitwan soll früher komplett malariaverseucht gewesen sein. Heute gilt er zwar annähernd als frei von der Tropenkrankheit, aber dennoch soll es vereinzelt zu Malariafällen kommen. Ich wollte nicht der nächste sein und verhüllte mich trotz drückender Hitze und sprühte mich mit Anti-Mückenmittel ein. Im Nachhinein muss ich jedoch sagen, dass kaum eine Mücke unterwegs war und das Risiko im Chitwan an Malaria zu erkranken wahrscheinlich extremst gering ist. Das Fahrzeug kam, dank tatkräftiger Helfer, die in den Schlamm stiegen und anschoben recht schnell wieder auf einen befahrbaren Untergrund und wir konnten die Safari fortsetzen.

Zu Beginn der Tour begegnete uns ein Elefant
Es ging tiefer hinein in den Busch
Das Dickicht nahm zu
Überall wuchsen Farne
Wahrscheinlich eine Orchideenart
Fast könnte man sich klein und verlassen vorkommen
Eine solche Safari ist ein echtes Erlebnis
Lichtungen wurden passiert
Und wir blieben erneut stecken
Relativ schnell ging es weiter

Doch so schön es war, durch den Dschungel zu fahren, ich wollte unbedingt ein weiteres großes Tier sehen. Ein Krokodil, einen wilden Elefanten, gar einen Tiger oder ein Nashorn. Überall versuchte ich während der Fahrt etwas zu erkennen. Allerdings gestaltete sich dies gar nicht so einfach, wenn fast überall dichtes Gestrüpp vorherrscht. Und dann plötzlich ein großes graues etwas hinter einer kleinen Lücke im Blätterdickicht. Tatsächlich – ein Panzernashorn. Wie schon bei der Schlange bin ich abermals etwas perplex. Zwar habe ich jetzt die Kamera schussbereit, irgendetwas sagt mir aber, nicht sofort aus dem Fahrzeug zu springen um eine gute Position zum Fotografieren zu finden. Bis ich soweit bin, erhebt sich das gewaltige Tier aus dem Wasser und verschwindet langsam hinter der dichten Vegetation am gegenüberliegenden Ufer. Ich schwanke zwischen der Freude ein solches Tier gesehen zu haben und bin gleichzeitig traurig darüber, dass ich nur ein Foto mit Blättern vor dem Nashorn hinbekommen habe.

Mein erstes Nashorn Foto

Doch ich sollte eine zweite Chance bekommen. Als wir zurück fuhren, hatte sich an gleicher Stelle das gleiche Nashorn erneut im Wasser breit gemacht. Jetzt überlegte ich nicht lange, sprang sofort vom Auto die kleine Böschung zum Fluss hinunter und hatte vom Ufer einen perfekten Blick auf das Tier. Für einen kurzen Moment stand für mich die Welt still. Das Nashorn schaute mich direkt an und ich schaute zurück. In solchen Momenten vergesse ich alles um mich herum und genieße es einfach  so etwas erleben zu können.  Es ist einfach eine ungeheure Faszination, die davon ausgeht, solchen Tieren von Angesicht zu Angesicht und ohne Zaun gegenüber zu stehen. Erst nach einigen Sekunden merkte ich, dass auch Mitreisende und die Safari-Guides hinter mir standen. Letztere mit Besenstielen für den Fall der Fälle. Ich musste schmunzeln. Als sich das Nashorn langsam aus dem Wasser erhob, erhob auch ich mich und begab mich allmählich zurück in Richtung Auto. Ich habe einen gehörigen Respekt vor solchen Tieren und wollte nicht herausfinden, was die Guides mit ihren Besenstielen gegen ein Tier von 2 Tonnen Gewicht ausrichten können. Zumal es gerade aus dem Chitwan auf YouTube einige Videos von angreifenden Nashörnern gibt. Anfangs sah es so aus, als wollte der Bulle in unsere Richtung, doch dann entschied er sich auf der anderen Seite im Wald zu verschwinden.

Auge in Auge mit einem Nashorn – ein grandioses Gefühl
Kein Vergleich zu einem Zoobesuch
Als sich das Nashorn erhob, war es Zeit zu gehen.

Im Verlauf der Safari sahen wir an einer weiteren Stelle, allerdings ziemlich weit entfernt, noch zwei weitere Nashörner. Andere große Tiere wurden keine mehr gesichtet. Mir war das egal. Ich freue mich so über diese Nashorn-Begegnung, die für mich den gleichen Stellenwert hat, wie meine erste Begegnung mit einem frei lebenden Grizzly oder die erste Begegnung mit einem Eisbären.

Ich beim Versuch die beiden Nashörner zu fotografieren. Foto: Madlen Vorwerk
Ich beim Versuch die beiden Nashörner zu fotografieren. Foto: Madlen Vorwerk
In der Ferne waren zwei weitere Nashörner zu sehen

Ich habe versucht von der Safari ein Video zu drehen. Bei der Nashorn Begegnung hatte ich jedoch leider nicht wirklich eine ruhige Hand:

Übrigens, schliefen wir im Barauli Community Homestay. Wer selbst eine Reise in den Chitwan plant, dem kann ich einen Aufenthalt dort nur wärmstens empfehlen. Geschlafen wird in kleinen Lehmhütten, die dem traditionellen Baustil der Ureinwohner entsprechen. Die Ureinwohner vom Stamm der Tharu haben uns herzlich empfangen und mit Tanz begrüßt. Hier einige Impressionen und ein kurzes Video davon:

Begrüßung durch die Tharu
Auch hier wurde überall gelächelt
Ein Besuch bei den Tahru ist etwas Besonderes
Balanceakt
Die Tharu sind sehr gastfreundlich
Dorfleben
Auch im Dorf gibt es „wilde Tiere“
Am Abend wurde zum Tanz eingeladen
Die Unterkunft von innen
Der Autor dieses Beitrags

Ein Video des Reiseveranstalters Royal Mountain Travel, zeigt übrigens sehr schön, wie es im und um das Barauli Homestay aussieht:

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Thomas Limberg

Ob Nordpol, Himalaya oder der Zoo um die Ecke. Immer wenn ich unterwegs sein und Neues entdecken kann, bin ich am glücklichsten. In diesem Blog nehme ich Dich seit 2010 mit auf meine Städtereisen, Roadtrips, Wander-Abenteuer und zu vielem mehr.

7 Kommentare

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  • Das ist einer dieser Momente die man nie vergisst, in der man sich bewusst wird welche Wunder die Natur zu bieten hat. Du hast die Begegnung mit dem Nashorn wirklich schön beschrieben. So habe ich mich auch gefühlt als ich einem stattlichen Moschusochsenbullen gegenüberstand, auch wenn der um Vergleich zu dem seltenen Panzernashorn nicht so spektakulär sein mag.
    Schade, dass du keine Fotos von all den schönen Vögeln gezeigt hast. Ich als Hobby-Ornithologe kann mich auch sehr für die kleinen Juwele begeistern. 🙂
    VG
    Kristin

    • Liebe Kristin,
      freut mich, dass dir mein Beitrag gefällt. Ich kann gut nachvollziehen, was du mit den Moschusochsen meinst, denn diesen habe ich in Kanada und auch in Norwegen (http://www.breitengrad66.de/2013/09/01/trekking-unter-moschusochsen/) ebenfalls gegenüber gestanden. Auch ein wahnsinnig toller Moment! Gibts von deiner Begegnung mit Moschusochsen auch irgendwo Fotos zu sehen?
      Die Vögel hätte ich auch gerne fotografiert, leider war das aus dem fahrenden Jeep mit langer Brennweite fast nicht möglich. Dafür wackelte es zu sehr.
      Liebe Grüße
      Thomas

      • Dein Beitrag aus Norwegen war unter anderem Anstoß für meine eigene Norwegenreise. 🙂
        Die Ochsen selbst habe ich dann fast direkt am Bahnhof von Kongsvoll gesehen, da sie im Frühjahr in die Täler wandern. Ich habe die Tiere allerdings nur einmal gesehen und wurde nicht von ihnen „belästigt.“ Meine Fotos sind nicht sehr schön, ich bin kein allzu guter Fotograf und das Wetter spielte auch nicht ganz mit. Ich versuche es aber noch einmal mit einem Foto, hoffentlich funktioniert der Link dieses Mal.
        http://i1257.photobucket.com/albums/ii508/Khatraz/Moschusochse_Bulle_LJ_zpskl5lqy22.jpg

        Verständlich, das habe ich nicht bedacht. Dafür gibt es immerhin in deinem neuen Beitrag Vogelfotos.

        • Hallo Kristin,
          es freut mich natürlich total, wenn ich mit meinem Artikel einen Beitrag dazu leisten konnte, dich für eine Reise ins Dovrefjell zu begeistern. Dein Moschusochse ist doch auch ein stattliches Exemplar und ein schönes Foto.
          Liebe Grüße
          Thomas

    • Hallo Francesca,
      vielen Dank! Das freut mich sehr 🙂 Es ist immer schön zu wissen, dass jemand was mit dem anfangen kann, was man schreibt. Ich drücke dir die Daumen, dass es auch bei dir mit einer Safari klappt. Hast Du mal was ähnliches gemacht? Wie findet man deine Fotos bei Instagram?
      Viele Grüße
      Thomas

      • Ich bin francaliina auf Instagram. Glaube du kennst mich. 🙂

        Nein leider bis her noch nichts vergleichbares. Hoffentlich bald! Gab noch niemandem in meinem Bekanntenkreis, der sich dafür interessiert.

        bin gespannt wohin es dich als nächstes verschlägt 😀