Wie ich meinen ersten Wolf in Deutschland gesehen habe

Seit jeher üben Wölfe eine ganz besondere Faszination auf mich aus. Seitdem sie in Deutschland wieder heimisch sind, trage ich den Wunsch in mir, einen davon in freier Wildbahn sehen zu können. Dieser Wunsch ging jetzt völlig überraschend in Erfüllung.

Typisches Wolfsrevier im Osten Deutschlands
Typisches Wolfsrevier im Osten Deutschlands

Dabei wäre es fast gar nicht dazu gekommen. Es war der 2. Weihnachtstag und ich noch etwas erkältet. Deshalb wollte ich eigentlich gar nicht raus in die Natur. Doch ich war auch zu Besuch in einem Teil von Deutschland, in dem viele Wölfe leben und in dem es so viel Wild gibt, wie an nur wenig anderen Orten in unserer Heimat. Spontan entschied ich mich, statt im Bett zu bleiben, früh morgens in den Wald zu gehen.

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Völlig unabhängig davon, ob ich eine Möglichkeit habe einen Wolf zu sehen oder nicht, liebe ich es einfach, früh morgens im Wald zu sein. Dort lässt sich der Tag so wunderbar entspannt beginnen. In der Stille des Waldes zu beobachten, wie es langsam hell wird, ist für mich ein echter Genuss. Dabei bin ich immer völlig konzentriert, setze meine Schritte ganz leise und achte auf jedes kleinste Geräusch und jede Bewegung. Das entspannt nicht nur ungemein, es hat mich auch schon viele Tiere entdecken lassen. Gerade in der Gegend, im Osten Deutschlands, wo ich jetzt unterwegs war, bin ich in der Vergangenheit so immer wieder auf die Tiere des Waldes getroffen. Ich konnte Rehe, Hirsche, Alder, Hasen, Wildschweine oder sogar einen Marderhund fotografieren. Was fehlte, war bisher der Wolf.

Marderhund

Kraniche

Hirsch

Doch das sollte sich an diesem 2. Weihnachtstag ändern. Es war völlig still im Wald. Nicht der Hauch eines Windes war zu spüren. Kaum ein Vogel durchbrach mit seinem Gesang die die fast schon angespannte Lautlosigkeit. Viele Vögel waren ohnehin in ihren Winterquartieren im Süden und so waren es unsere Schritte auf dem feuchten Waldboden, die für die lautesten Geräusche sorgten. Sämtliche Tiere dürften uns so sicher auf große Distanzen hören und uns aus dem Wege gehen. Große Hoffnungen überhaupt ein Tier – geschweige denn einen Wolf zu sehen, machte ich mir unter diesen Umständen nicht. Trotzdem genoss ich diese Stille und war um so überraschter, als es plötzlich rund 30-40 Meter links des Weges zwischen einigen jungen Buchen laut knackte. Gerade so sah ich noch, wie ein Hirsch flüchtete. Ich hatte absolut keine Chance, ein Foto von ihm zu machen. Dennoch – der Ausflug in den Wald hatte sich gelohnt und wurde sogar mit einer kurzen Tiersichtung belohnt.

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Wenig später stand, verdeckt durch einen Hochsitz, plötzlich auch noch ein Reh mitten auf dem Weg. Es war weit weg. Da zwischen uns vielleicht 200 Meter und der unansehnliche Hochsitz lagen, gab ich mir keine große Mühe, ein schönes Foto davon zu bekommen.  Wir machten uns auf den Rückweg. Fast waren wir wieder am Auto angekommen, da geschah das Unvorstellbare. Auf einer kleinen Lichtung bog plötzlich langsam trottend ein Tier um die Ecke und kam direkt auf uns zu. Im ersten Moment konnte ich kaum glauben, was ich dort sah. Es war tatsächlich ein Wolf – uns das auch noch sehr nah. Reflexartig riss ich die Kamera nach oben und schoss drei, vier Fotos. In diesen vielleicht zwei Sekunden erblickte uns auch der Wolf. Er schaute kurz zu uns und flüchtete dann schnell in den Wald. Insgesamt hat diese Begegnung keine 10 Sekunden gedauert und doch war sie absolut einzigartig. Ewig habe ich davon geträumt einen Wolf zu sehen und jetzt hatte ich in Deutschland das Glück einen ganz nah sehen zu können. Das stattliches Tier mit wunderschönem Winterfell war vielleicht 40 bis 50 Meter entfernt und sehr schön zu erkennen. In der Schnauze trug der Wolf eine Rehkeule, die er wahrscheinlich zum Frühstück verspeisen wollte. Ich vermute, dass dadurch sein Geruchssinn eingetrübt war und er uns möglicherweise nicht gerochen hat. Anders kann ich mir nicht erklären, wie wir das Glück haben konnten, so nah heran kommen zu können.

Wolf in Deutschland beobachten

Wolf in Deutschland beobachten

Wolf in Deutschland beobachten

Ich habe diese Begegnung mit dem Wolf als großartiges Geschenk empfunden. Es mag komisch klingen, aber Auge in Auge mit einem solch faszinierenden Tier Blickkontakt zu haben, ist ein unvorstellbar schönes Gefühl. Dass ich meinen ersten Wolf noch dazu an Weihnachten sehen konnte, ist etwas ganz Besonderes für mich. Noch unglaublicher wurde es aber drei Tage später, als ich zu Hause am Computer die Fotos dieses Tages anschaute. Das Tier, was wir hinter dem Hochstand gesehen hatten, war kein Reh. Es war auch nicht, wie zuerst von mir vermutet ein Wildschwein. Auf den Fotos war eindeutig zu erkennen, dass das Tier ebenfalls ein Wolf war. Ich bekam Gänsehaut. Noch immer kann ich es kaum glauben, tatsächlich an diesem Tag zwei Wölfe in unserer wunderschönen Natur gesehen zu haben.

Wölfe in Deutschland beobachten

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Wolfsspur

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