Winter-Traumtour auf die Naunspitze

Thomas Limberg 1. Februar 2016 0

Das Kaisergebirge – allein der Name klingt nach Abenteuer! Alpingeschichte wurde dort geschrieben und mich haben die schroffen Felsgipfel des Zahmen und des Wilden Kaisers schon immer fasziniert. Nachdem ich den Kaiser bisher immer nur vom Tal aus bewundert habe, bin ich jetzt erstmals zu einer Gipfeltour aufgebrochen. Mein Ziel war die 1633 Meter hohe Naunspitze im Zahmen Kaiser. Gestartet bin ich früh morgens bei minus 11 Grad am Bahnhof in Kufstein. Ich erlebte einen traumhaften Tag, der ganz gewiss zu meinen bisher schönsten Bergerlebnissen zählt.

Die Tour im Überblick

volle Distanz: 21745 m
Maximale Höhe: 1597 m
Minimale Höhe: 478 m
Gesamtanstieg: 1568 m

 

So erlebte ich die Tour auf die Naunspitze

Entschieden habe ich mich für diese Tour, weil ich ohne Auto unterwegs war und nach einem Gipfel suchte, der von einem Bahnhof aus erreichbar ist. Die Naunspitze ist dafür ideal. Wer mit dem Zug von Norden aus in das Inntal  fährt, hat von Kiefersfelden einen hervorragenden Blick auf den Gipfel. Da von dort aber über die steilen Felswände kein Wanderweg nach oben führt, ist das nur wenige Kilometer entfernte Kufstein die erste Wahl. Die beiden nachfolgenden Fotos entstanden am Vortag der Tour.

Der Pfeil zeigt auf den Gipfel der Naunspitze

Der Pfeil zeigt auf den Gipfel der Naunspitze

Kurz vor Kufstein sieht die Naunspitze so aus. Der Anstiegsweg kommt von rechts

Kurz vor Kufstein sieht die Naunspitze so aus. Der Anstiegsweg kommt von rechts

Theoretisch gibt es am nordöstlichen Stadtrand Kufsteins, schon im Gebiet der Gemeinde Ebbs, einen Wanderparkplatz, von dem man die Tour ebenfalls hätte beginnen könnte. Da ich aber kein Auto hatte und nicht mit einem Bus fahren wollte, lief ich die Strecke bis hierher ebenfalls. Morgens, um kurz nach 6 Uhr bei starkem Frost, waren die rund 30 Minuten sogar ideal um für die eigentliche Tour warm zu werden. Denn direkt hinter dem Parkplatz Kaisertal ging es gleich knackig in die Höhe. Trotz Schnee, ließ es sich auf dem sehr gut ausgebauten Wanderweg, der zunächst über einige Stufen nach oben führt, hervorragend laufen. Dank Vollmond konnte auch meine Stirnlampe in der Tasche bleiben. Als ich nach einer knappen halben Stunde die sogenannte Neapelbank erreichte, begann es auch bereits zu dämmern. Angeblich wurde die Bank in Anlehnung an die bekannte Redensart „Neapel sehen und sterben“ benannt – und tatsächlich, der Blick von dort auf Kufstein ist grandios. Ich sah, wie die Stadt um die Festung langsam erwachte, wie die dahinter liegenden Berge mit dem Pendling in ein zartes Rosa getaucht wurden und war begeistert. Schon jetzt hatte sich die Tour gelohnt!

Blick von der Neapelbank auf die Festung Kufstein

Blick von der Neapelbank auf die Festung Kufstein

Der Pendling leuchtete in einem zarten Rosa

Der Pendling leuchtete in einem zarten Rosa

Ich bekam meinen Mund im weiteren Verlauf des Weges kaum noch zu. Zum einen, weil ich doch arg am Schnaufen war, zum anderen, weil mich die Winterlandschaft mit den zunehmend spektakulärer werdenden Aussichten mehr und mehr faszinierte. Eiszapfen hingen an den Felswänden, der Blick auf den Wilden Kaiser wurde immer besser und der Himmel hüllte sich in ein strahlendes Blau.

Eiszapfen glänzten in der Sonne

Eiszapfen glänzten in der Sonne

Trotz reichlich Schnees kam man gut voran

Trotz reichlich Schnees kam man gut voran

Anfangs führte der Weg durch Wald

Anfangs führte der Weg durch Wald

An der Ritzau Alm war der Gipfel erstmals zu sehen

An der Ritzau Alm war der Gipfel erstmals zu sehen

Eine kleine Kapelle an der Alm

Eine kleine Kapelle an der Alm

Die Fernblicke wie zum Wendelstein (rechts) wurden immer besser.

Die Fernblicke wie zum Wendelstein (rechts) wurden immer besser.

Blick zurück auf die Ritzau Alm und Kufstein

Blick zurück auf die Ritzau Alm und Kufstein

Blick in den Wilden Kaiser mit (v. l.) Hackenköpfe, Scheffauer und Zettenkaiser

Blick in den Wilden Kaiser mit (v. l.) Hackenköpfe, Scheffauer und Zettenkaiser

Die imposante Ellmauer Halt (rechts) mit dem Kopftörlgrad und den Karlspitzen (links)

Die imposante Ellmauer Halt (rechts) mit dem Kopftörlgrad und den Karlspitzen (links)

Besonders faszinierend fand ich auch die vielen Tierspuren im Schnee. Überall waren die Fährten von Gämsen zu sehen. Auch dann noch, als das erste Zwischenziel, die herrlich gelegene Vorderkaiserfeldenhütte (LINK ZUR HÜTTE), erreicht war. Leider hatte die Hütte gerade geschlossen. Mich hielt dies jedoch nicht davon ab, mich eine ganze Zeit vor die Hütte in die Sonne zu setzen und meinen Blick auf die zahlreichen Berge am Horizont wandern zu lassen.

Überall waren Tierspuren zu finden

Überall waren Tierspuren zu finden

Die Vorderkaiserfeldenhütte war ein erstes Zwischenziel

Die Vorderkaiserfeldenhütte war ein erstes Zwischenziel

Ein echter Logenplatz

Ein echter Logenplatz

Hinter der Hütte ist bereits der Gipfel der Naunspitze zu sehen.

Hinter der Hütte ist bereits der Gipfel der Naunspitze zu sehen.

Noch eine Stunde und 15 Minuten zum Gipfel

Noch eine Stunde und 15 Minuten zum Gipfel

Die Festung Kufstein herangezoomt

Die Festung Kufstein herangezoomt

Blick ins Inntal und auf Kufstein

Blick ins Inntal und auf Kufstein

Blick ins Karwendel mit den Ödkarspitzen

Blick ins Karwendel mit den Ödkarspitzen

Der Gipfel des Pendling mit dem Pendlinghaus und dahinter dem Karwendelgebirge mit der Kaltwasserkarspitze

Der Gipfel des Pendling mit dem Pendlinghaus und dahinter dem Karwendelgebirge mit der Kaltwasserkarspitze

Während der Weg bis zur Vorderkaiserfeldenhütte noch sehr gut zu gehen war, wurde es jetzt richtig winterlich. Nur wenige Wanderer hatten sich anscheinend in den letzten Tagen höher gewagt. Entsprechend war im tiefen Schnee auch kaum eine Spur zu finden. Ich ärgerte mich etwas, dass ich keine Schneeschuhe mitgenommen hatte und legte stattdessen leichte Steigeisen an. Zwar halfen diese nicht dagegen, immer wieder im Schnee zu versinken, aber insgesamt waren sie doch eine lohnende Hilfe. Der Weg nach oben wurde zunehmend schweißtreibender. Unterhalb des Petersköpfls begann der Gipfelaufbau der Naunspitze. Hier war es endgültig mit einer Spur vorbei. Ich versuchte mich durch den tiefen Schnee an den Gipfel zu tasten und versank bei jedem Schritt bis zur Hüfte. Ich wollte schon aufgeben, da sah ich plötzlich, wie sich direkt am Gipfel etwas bewegte. Es war eine Gams, die mich beobachtete. Sie behielt mich genau im Auge, machte aber keine Anstalten zu flüchten. Ich war fasziniert und konnte das Tier in aller Ruhe fotografieren. Nach ein paar Minuten erschien eine weitere Gams. Diese unvergessliche Begegnung motivierte mich ungemein, weiter zu versuchen, auf den Gipfel zu kommen. Wenn die Gämse es hoch schafften, müsste es mir doch auch irgendwie gelingen, dachte ich. Tatsächlich kam ich bis zum letzten Felsaufbau. In der schon kräftigen Sonne war der Schnee aber stellenweise schon angeschmolzen und dann wieder gefroren, an anderen Stellen dafür überraschend tief. Mir waren die Verhältnisse nicht ganz geheuer und ich entschied mich schweren Herzens rund 40 Höhenmeter unterm Gipfel aufzugeben. Hätte ich die Gämse nicht gesehen, hätte ich es wahrscheinlich gewagt, aber dieses großartige Erlebnis sowie der bisherige Weg genügten mir in diesem Fall. Ich wollte einfach nichts mehr riskieren.

Unterhalb des Petersköpfl befand sich unberührter Tiefschnee

Unterhalb des Petersköpfl befand sich unberührter Tiefschnee

Gipfelbereich der Naunspitze

Gipfelbereich der Naunspitze – Wer genau schaut, sieht eine Gams

Am Gipfel standen Gämse

Am Gipfel standen Gämse

Das Gipfelkreuz war zum Greifen nah

Das Gipfelkreuz war zum Greifen nah

Zurück an der Hütte gönnte ich mir eine ausgedehnte Pause

Zurück an der Hütte gönnte ich mir eine ausgedehnte Pause

Ich trat den Rückweg an, gönnte mir zwischendrin an der Vorderkaiserfeldenhütte erneut eine ausgedehnte Pause und konnte mir, bis ich schließlich nach 21 Kilometern wieder Kufstein erreichte, ein Strahlen im Gesicht kaum verkneifen. Obwohl ich am Gipfel gescheitert war, fühlte ich mich als Gewinner. Ich war überglücklich einen solch tollen Tag erleben zu dürfen.

So sieht der Zahme Kaiser mit der Naunspitze (rechts) im Sommer aus. Aufgenommen habe ich dieses Foto in Ebbs.

So sieht der Zahme Kaiser mit der Naunspitze (rechts) im Sommer aus. Aufgenommen habe ich dieses Foto in Ebbs.

Webcam zeigt Livebilder der Naunspitze

Übrigens gibt es auf dem Gipfel des Pendlings eine ziemlich geniale Webcam, die genau auf das Kaisergebirge gerichtet ist und auf der der komplette Aufstiegsweg von Kufstein zur Naunspitze zu sehen ist. Nachfolgend habe ich das aktuelle Livebild der Webcam mit freundlicher Genehmigung durch www.foto-webcam.eu eingebunden. Ein Klick auf das Bild vergrößert die Ansicht.

Livebild des Kaisergebirges mit der Naunspitze (l.). Aufgenommen vom Gipfel des Pendlings durch www.foto-webcam.eu.

Mein Film zur Tour

Ich habe versucht die Besonderheiten dieser grandiosen Tour in bewegten Bildern festzuhalten und ein Video davon produziert. Dieses ist nachfolgend zu sehen:

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