Wo auf Zypern ein Seeungeheuer lebt

Auf Zypern gibt es zahlreiche Sagen und Legenden. Die Göttin Aphrodite soll hier einst aus dem Meer gestiegen sein. Glaubt man den Erzählungen, dann lebt in den Fluten auch ein Meerungeheuer. Die Geschichte, die ein wenig an Loch Ness erinnert, fasziniert mich irgendwie. Doch auf Zypern ist es nicht Nessie, hier ist es das Ayia Napa Seeungeheuer. Immer wieder wollen es Touristen und Einheimische gesehen haben. Sollte es das Monster wirklich geben, dann hat es sich als Lebensraum einen der schönsten Plätze der Insel ausgesucht. Rund um das Cape Greco, dem südöstlichsten Punkt Europas, soll es immer wieder auftauchen. Tatsächlich werde ich bei meinem Besuch auf Zypern ein kleines Monster sehen. Doch dazu später mehr.

Ob hier ein liebes Monster lebt?

Von meinem Hotel an der Konnos Bucht habe ich einen ersten Blick auf dieses zauberhafte Stück Natur. Ganz sanft schaukeln die Wellen an den Strand. Der Himmel schimmert in allen möglichen Rot- und Blautönen. Von Syrien her, das keine 80 Kilometer entfernt ist, zieht die Sonne auf und sorgt für eine wohlige Wärme am noch frühen Morgen. Dass ein Meerungeheuer zu einer solchen Kulisse passt, kann ich mir einfach nicht vorstellen. Es sei denn, es ist ein liebes Monster. Kein Wunder, dass die örtlichen Fischer es als „Friendly Monster“ bezeichnen.

Das Wohnzimmer eines Ungeheuers?

Etwas weiter präsentiert sich die Küste wilder. Steil fallen die Felsklippen in Richtung Meer ab. Meereshöhlen sind zu erkennen. Vielleicht doch das Wohnzimmer eines Ungeheuers? Ich weiß es nicht. Ich genieße einfach nur die Aussicht auf ein Meer, das ich selten irgendwo anders in einem solch hellen Blau habe leuchten sehen. Besonders deutlich ist dieses Leuchten an der Monachus Monachus Arch, einem Steinbogen, der das perfekte Fotomotiv abgibt sowie an der Kamara tou Koraka, eine natürlichen Felsbrücke vor dem Meer.

Ein kleines Stück Karibik auf Zypern

Doch ein Ungeheuer sehe ich nirgendwo. Stattdessen immer wieder neue faszinierende Stände und Buchten. Ob auf der Akamas Halbinsel oder an der Blauen Lagune mit der kontrastreichen Kirche Agia Thekla, ob am Vizakia oder Nissi Beach oder gar an der Fig Tree Bay. Nirgendwo findet sich auch nur eine kleine Spur des Ungeheuers. Stattdessen überall leuchtendes Blau in scheinbar unendlichen Abstufungen. Reisebloggerin Janine, von www.bereisediewelt.de, mit der ich unterwegs war, hat die Buchten um Ayia Napa als ein Stück Karibik auf Zypern bezeichnet. Sie trifft damit den Nagel auf den Kopf.

Ein Ungeheuer aus tausenden kleinen Steinen

Doch was ist jetzt mit dem Seeungeheuer? Realität oder Legende? Oft wird es mit Skylla, einem Meerungeheuer aus der griechischen Mythologie, gleichgesetzt. Demnach soll es sich um ein Wesen mit dem Oberkörper einer jungen Frau und einem Unterleib aus sechs Hunden handeln. Dieses Wesen ist unweit von Ayia Napa in einem Mosaik aus hellenistischer Zeit verewigt. Im sogenannten Haus des Dionysos in Paphos, ließ es der Besitzer einst anfertigen. Vor einigen Jahren ließ sogar die zypriotische Regierung offiziell nach dem Monster suchen – ohne Erfolg. Leider blieb auch meine Suche nach Fotos von dem Monster-Mosaik erfolglos. Bei meinem Besuch in der Villa des Dionysos habe ich zwar fast alle Mosaike fotografiert, aber ausgerechnet das mit dem Ungeheuer leider nicht.

Zeitreise ins Mittelalter

Ich lasse das Ungeheuer erstmal Ungeheuer sein und nutze die Chance mir anzuschauen, was Ayia Napa außer den Traumstränden noch zu bieten hat. Ein Abstecher in das Ayia Napa Kloster trifft genau meinen Geschmack. Ein mächtiger uralter Baum steht vor dem Kloster. Der an eine mittelalterliche Burg erinnernde Bau stammt von den venezianischen Kreuzfahrern aus dem 15. Jahrhundert. Teils in den Fels hinein gebaut staune ich nicht schlecht über die damalige Bautätigkeiten.

Aussichtspunkt zwischen modernen Skulpturen

Nicht so alt sind die Skulpturen im 20.000 Quadratmeter großen Skulpturenpark von Ayia Napa. Bildhauer aus 50 Ländern haben hier Kunstwerke für die Ewigkeit geschaffen. Ich bin kein großer Freund moderner Kunst und dennoch gefällt es mir hier. Der Blick vom Hang des Parks reicht weit hinunter zum Meer und über die Dächer Ayia Napas. Ob sich von hier wohl das Meerungeheuer sehen lässt? Natürlich habe ich kein Glück.

Auch ich sehe ein Monster

Doch dann ist es soweit. Zurück am Meer sehe ich ein niedliches Monster. Vorsichtig schiebt es seinen Kopf zwischen einer kleinen Felsspalte hervor. Es mustert mich neugierig, entschließt sich dann aber zur Flucht und bleibt zwei Meter weiter regungslos stehen. Ob das kleine Tier etwas mit dem Ayia Napa Seeungeheuer zu tun hat? Wie ein Fabelwesen sieht es jedenfalls aus. Wikipedia bezeichnet es allerdings als Hardun. Eine Echse aus der Familie der Agamen.

Es soll noch weitere Ungeheuer auf Zypern geben

Übrigens soll das Meerungeheuer von Ayia Napa nicht das einzige auf Zypern sein. Auch im Kouris See, der vom gleichnamigen Damm aufgestaut wurde, soll ein fabelhaftes Wesen wohnen. Der Damm ist der größte von über 100 Staueinrichtungen Zyperns und von enormer Bedeutung für die Wasserversorgung der Insel. Als dieser 1985 gebaut wurde, musste ein komplettes Dorf umgesiedelt werden. Das alte Alassa versank in den Fluten. Geblieben ist nur die Ruine einer Kirche. Immer wenn der Stausee einen niedrigen Wasserstand hat, gibt er sie wieder frei. Ich hatte das Glück und konnte diesen ganz besonderen Ort zu einer solchen Zeit besuchen. Danach war ich mir sicher, Ungeheuer gibt es hier bestimmt keine. Dafür aber eine ganz einzigartige Stimmung voller Ruhe und Kraft, die sich in merkwürdiger Weise auf die Besucher überträgt.

Ich wurde von der Fremdenverkehrszentrale Zypern eingeladen.

Thomas Limberg

Ob Nordpol, Himalaya oder der Zoo um die Ecke. Immer wenn ich unterwegs sein und Neues entdecken kann, bin ich am glücklichsten. In diesem Blog nehme ich Dich seit 2010 mit auf meine Städtereisen, Roadtrips, Wander-Abenteuer und zu vielem mehr.

4 Kommentare

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  • Interessanter Beitrag, diesen Teil der Insel habe ich leider nicht gesehen. Die Landschaft sieht aber auch dort malerisch aus und die Farbe des Meeres, herrlich!
    Ich war vor Kurzem für 12 Tage dort und war ebenso begeistert wie du.
    Das kleine Ungeheuer hat mich auf meiner gesamten Reise begleitet. Meinen ersten Hardun sah ich in Tamassos, später aber auch mehrmals im Troodos-Gebirge, bei Paphos und in Kourion. Das waren äußerst fotogene Echsen. 🙂

    • Hallo Kristin,
      vielen Dank! Das freut mich!
      Schön, dass dir Zypern auch so gut gefällt wie mir. Die Ecke um Paphos sowie das Troodos-Gebirge sind ja wirklich auch traumhaft. Und was die Hardune (oder sagt man Harduns?) anbelangt – die sind wirklich witzig.
      Liebe Grüße
      Thomas

    • Hallo Mel,
      eben weil Zypern so schön abwechslungsreich ist, zählt dieses traumhafte Stück Land zweifelsfrei zu meinen Lieblingsinseln. Vielleicht habe ich ja bei meinem nächsten Besuch dort Glück und das Ungeheuer lässt sich mal blicken…
      Liebe Grüße
      Thomas