Foto-Tutorial: Frei lebende Tiere fotografieren – Was brauchen Anfänger?

Frei lebende Tiere zu fotografieren gehört zu meinen liebsten Hobbys. Doch was braucht man eigentlich, wenn man “Wildlife” fotografieren will? Muss es eine teure Ausrüstung sein oder reichen für den Anfang auch einfache Mittel? In diesem Foto-Tutorial zeige ich, wie ich frei lebende Tiere fotografiere – und das ohne eine extrem teure Fotoausrüstung.

Klar, eine Profiausrüstung ist gerade in der Tierfotografie ein großer Vorteil, jedoch braucht man diese nicht unbedingt. Neben einem Grundverständnis für die Kameratechnik und die Lebensweise der Tiere kommt es bei der Tierfotografie vor allem auf eins an: Geduld!

Wilde Tiere fotografieren
Reh an der Nordseeküste. Aufnahmedaten: f9, 1/500, ISO 200, 400 mm

Welche Ausrüstung brauchen Anfänger, um frei lebende Tiere zu fotografieren?

Professionelle Tier- und Wildlife-Fotografen arbeiten mit sehr lichtstarken Objektiven, die leicht dem Gegenwert eines Kleinwagen entsprechen. Jedoch kann man auch sehr gute Ergebnisse erzielen, wenn man nicht so viel Geld in sein Hobby investieren möchte.

Theoretisch reicht bereits ein gutes Handy, um beeindruckende Tierfotos zu schießen. Zwar wird es damit sicher nicht das formatfüllende Portrait eines Löwen werden, aber auch eine Gruppe Rehe vor der untergehenden Sonne oder der Igel vor dem gold leuchtenden Herbstlaub im heimischen Garten können äußerst reizvolle Fotomotive sein. Diese lassen sich auch mit dem Handy aufnehmen.

Wilde Tiere fotografieren. Ein Alligator im Everglades Nationalpark zum Sonnenuntergang
Ein Alligator im Everglades Nationalpark. Aufnahmedaten: f2.8, 1/40, ISO 640, 15 mm

Wer jedoch im Bereich der Tierfotografie mehr Möglichkeiten haben möchte, sollte über eine Spiegelreflexkamera oder eine spiegellose Systemkamera mit einem Zoomobjektiv nachdenken. Einsteigermodelle wie die Canon EOS 4000D* sind ab knapp über 300 Euro zu haben und für den Anfang völlig ausreichend.

Meine empfohlene Fotoausrüstung mit Objektiven und Kameras für die Reisefotografie
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Wer sich dazu noch ein Objektiv mit einem großen Brennweitenbereich, wie das Tamron 18-400 mm* kauft, ist gut aufgestellt, um frei lebende Tiere zu fotografieren. Beides zusammen kostet unter 1000 Euro und ermöglicht Tierfotos im Weitwinkelbereich und sehr stark herangezoomte Aufnahmen aus der Ferne. Das nachfolgende Foto von einem Nashorn in Nepal habe ich mit einem solchen Objektiv aufgenommen, das einen Brennweitenbereich von 18-300 mm hat. Es handelt sich dabei um das Sigma 18-300mm F3,5-6,3*.

Frei lebende Tiere fotografieren
Nashorn in Nepal. Aufnahmedaten: f6.3, 1/320, ISO 100, 200 mm

Auch ich habe meine ersten Tierfotos mit solchen Kameras und Objektiven gemacht. Inzwischen habe ich etwas aufgerüstet und fotografiere mit einer etwas teureren Kamera und teureren Objektiven, die jedoch noch immer weit günstiger sind, als die absoluten Profigeräte.

Der Vorteil meiner Kamera, gegenüber den Einsteigermodellen, ist vor allem ein genauerer Autofokus, ein besseres Rauschverhalten (Fotos werden dadurch nicht so körnig) und eine höhere Serienbildgeschwindigkeit, die vor allem bei sich schnell bewegenden Tieren nicht zu unterschätzen ist.

Als Objektiv nutze ich gerne ein bildstabilisiertes 70-200 mm* mit einer durchgängigen Blende von 4.0. Es ist damit zwar nicht so lichtstark wie Profiobjektive, dafür aber super scharf und mit schnellem Autofokus. Erlauben es die Lichtverhältnisse, kombiniere ich das Objektiv auch gerne mit einem 2fach Extender. Dadurch steht mir die doppelte Brennweite zur Verfügung.

Natürlich stoße ich so manches Mal mit dieser Kombination an meine Grenzen, grundsätzlich sind damit aber tolle Tierfotos möglich. Ebenso, wie mit jeder günstigeren Kombination aus Kamera und Objektiv. Ein Richtig oder Falsch gibt es hier nicht.

Erst kürzlich habe ich mir mit dem Sigma 150-600 mm* ein Objektiv zugelegt, das mir noch viel mehr Möglichkeiten in der Tierfotografie bietet, auf das ich hier aber nicht näher eingehe, da es sicher nicht mehr zu den Objektiven für absolute Anfänger zählt.

 Wilde Tiere fotografieren Gams im Schnee
Gams in Österreich. Aufnahmedaten: f8, 1/500, ISO 125, 400 mm

Fast unerlässlich ist jedoch ein Stativ. Ich habe lange darauf verzichtet, weil ich dachte ein solches behindert mich nur und bringt mir kaum Vorteile. Irgendwann habe ich dann aber ein Einbeinstativ ausprobiert und war erstaunt. Ich bin damit nicht nur weiterhin sehr flexibel, es ermöglicht mir auch eine deutlich höhere Ausbeute an scharfen Fotos. Solche Einbeinstative* sind teilweise schon für um die 15 Euro zu haben.

Wo kann man frei lebende Tiere fotografieren?

Viel wichtiger als die Frage nach der Technik ist die Frage, wo man überhaupt Tiere fotografieren kann. Die beste Ausrüstung nützt nichts, wenn wir kein Tier vor die Linse bekommen. Es müssen auch nicht unbedingt Elefanten, Löwen oder Giraffen in Afrika sein. Direkt bei uns vor der Haustür gibt es viel mehr Tiere, als manch einer denkt.

Ein Großteil davon ist vor allem in der Dämmerung aktiv. Wer mittags im Wald ist, wird kaum ein größeres Tier sehen. Ganz anders sieht es in den frühen Morgenstunden aus. Wenn ich Tiere fotografieren möchte, breche ich fast immer auf, wenn es noch dunkel ist, damit ich zur Dämmerung im Wald bin. Dann herrscht dort Hochbetrieb.

Rehe im Wald fotografieren
1/160 Sek., f8, ISO 800, 400 mm

Gerade in unseren Wäldern trifft man fast überall auf Rehe, die sehr dankbare Fotomotive abgeben. Dazu vielerorts Wildschweine, Füchse und Dachse, oft auch Hirsche oder – mit viel Glück – sogar Wölfe. An den Küsten lassen sich Seehunde und Kegelrobben fotografieren, in den Alpen Steinböcke und Gämse. Unzählige Vögel sind überall verbreitet, ebenso Amphibien und Reptilien oder gar Insekten.

Wer mit offenen Augen durch die Natur streift, wird bereits viel entdecken. Darüber hinaus ist es besonders wichtig zu wissen, wo es sich lohnt nach Tieren Ausschau zu halten. Spaziergänger, Jäger, Förster, Anwohner ect. sind eine sehr wertvolle Quelle, die ich immer gerne befrage, ob sie wissen wo sich in der Nähe Tiere aufhalten.

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Oft hilft auch das Gespräch mit anderen Fotografen. Einige helfen Anfängern gerne weiter und verraten auf Nachfrage gerne einige Tipps. Man findet diese in diversen Foto- und Natur-Foren im Internet oder schreibt einfach mal Fotografen an, die sich im netz präsentieren. Sollte von euch jemand in der Nähe meines Wohnortes Osnabrück unterwegs sein, schreibt mir gerne. Vielleicht können wir dann gemeinsam auf Fotopirsch gehen.

Tiere fotografieren – Tipps von anderen Bloggern
Viele Anfänger stellen sich die Frage, wo sie interessante Tiere zum Fotografieren finden. Bei der Beantwortung ist ein Blick in andere Blogs hilfreich. Viele Bloggerkollegen geben Tipps, wo es sich in Deutschland und unseren Nachbarländern lohnt auf Motivjagd zu gehen. Oft sind auch echte Geheimtipps dabei, wie „Escape von Reality“ HIER zeigt. Oder hättet Ihr gedacht, dass sich in Dänemark solch faszinierende Schauspiele zeigen? Doch auch bei uns vor der Haustür gibt es eine faszinierende Tierwelt zu entdecken. Im Blog „Travelinspired“ zeigt sich u.a. was man vor den Toren Hamburgs für tolle Naturelebnisse haben kann. Oft sind es auch Tiere, an die wir nicht unbedingt zuerst denken, wenn wir überlegen, welche Art sich für tolle Fotos eignen könnte. Schaut doch mal bei  „Go on Travel“ und „tberg.de“ vorbei. Beide Blogger zeigen, wie toll Kranichfotos wirken können und wo man Kraniche gut fotografieren kann. Noch exotischer wird es, wenn man z.B. nach Helgoland fährt, wie HIER zu sehen ist. Tatsächlich lassen sich in Deutschland sogar wilde Nandus oder wilde Pferde fotografieren. Es lohnt sich also immer, auch bei anderen Bloggern einmal nach Tipps zu suchen, wenn es darum geht, Tiere zu fotografieren.

Welche Tiere eignen sich für den Anfang?

Um Erfahrung im Fotografieren von frei lebenden Tieren zu sammeln, eignen sich besonders Vögel sehr gut. Übungsobjekte sind fast überall jederzeit verfügbar. Meisen und Rotkehlchen lassen sich wunderbar auch auf dem Balkon oder im heimischen Garten ablichten.

Kohlmeise
Kohlmeise, 1/250 Sek., f4, ISO 200, 200 mm

Wer größere Tiere fotografieren möchte, sollte sich am Anfang an Rehen versuchen. Der Vorteil dabei ist, dass diese ebenfalls fast flächendeckend heimisch sind und dass man schnell Fortschritte machen wird. Meiner Erfahrung nach, sind Rehe nicht sonderlich schlau. Wenn man weiß, wie man sich am besten verhält, gelingt es oft, sehr nah an die Tiere heranzukommen.

Rehe fotografieren – Ganz nah auf Pirsch

Wie geht man am besten vor, wenn man Tiere fotografieren möchte?

Wie schon erwähnt, ist Geduld neben der geeigneten Location und dem richtigen Zeitpunkt extrem wichtig. Da fast alle Wildtiere scheu sind, kommt es auch darauf an, nicht bemerkt zu werden. Viele Wildtierfotografen harren stunden- oder tagelang in Verstecken aus und warten auf den einen Moment.

Es gibt unzählige Möglichkeiten, sich in der Natur zu verstecken und zu tarnen. Ein kleines Tarnzelt, das sich in die Umgebung integriert ist in vielen Fällen sehr sinnvoll. Absolut unerlässlich ist es auch die entsprechende Kleidung zu tragen. Diese besteht im Idealfall aus Erdtönen und passt sich der Umgebung an. Auch die Hände und das Gesicht sollten bedeckt werden, da die helle Haut von vielen Tieren sonst zu schnell erkannt wird. Nützlich sind spezielle Tarnanzüge, Tarnnetze oder Tarnumhänge. Ich nutze gerne einen solchen Ghillie Suit* und bin damit sehr zufrieden.

Tarnzelt Stealth Gear One Man Chair im Test

Neben der optischen Tarnung ist es vor allem wichtig, sich lautlos zu verhalten und sich gegen den Wind zu nähern. Bei vielen Tieren sind Hör- und Geruchssinn sehr ausgeprägt.

Wenn man weiß, wo die Tiere zu welcher Zeit auftauchen, ist ein Ansitz oft erfolgversprechender als zu pirschen. Tabu sollten dafür aber die Hochsitze der Jäger sein. Es ist nicht nur verboten, diese zu nutzen, von dem hohen Standpunkt aus wirken Tierfotos in der Regel auch nicht sonderlich spektakulär.

Welche Literatur zum Thema „Tiere fotografieren“ ist empfehlenswert?

Relativ neu ist das „Praxisbuch Naturfotografie durchs ganze Jahr“*. Ich habe es mir erst vor wenigen Tagen gekauft uns stöbere seitdem immer wieder darin. Es bietet sehr viele Inspirationen und für jeden Monat ein sogenanntes Vertiefungsthema, in dem auf diverse fotografische Aspekte eingegangen wird. Da der Autor die Fotos für das Buch größtenteils in Holland und Belgien aufgenommen hat, bekommt der Leser zugleich auch noch viele Infos über die dortige Flora & Fauna.

Praxisbuch Naturfotografie durchs ganze Jahr: Naturmotive von Januar bis Dezember fotografieren
  • 292 Seiten - 24.09.2020 (Veröffentlichungsdatum) - dpunkt.verlag GmbH (Herausgeber)

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