Tief im Westen, wo die Sonne verstaubt

Tief im Westen, wo die Sonne verstaubt ist es besser, viel besser als man glaubt, schmachtete Herbert Grönemeyer einst. Doch stimmt das? Ich war ja bereits vor einiger Zeit in Bochum, weil ich mir unbedingt das Deutsche Bergbau-Museum anschauen wollte. Leider stand ich vor verschlossenen Türen, da man ausgerechnet an jenem Feiertag geschlossen hatte. Dumm gelaufen! Doch jetzt bin ich erneut in der besungenen Perle des Reviers gewesen, weil ich unbedingt das Museum sehen und die Aussicht vom benachbarten Bismarckturm genießen wollte.

Das Deutsche Bergbau-Museum in Bochum
Das Deutsche Bergbau-Museum in Bochum

Das Bergbau-Museum soll zu den beliebtesten Museen in ganz Deutschland zählen. Entsprechend hoch waren meine Erwartungen. Ein besonderes Highlight des Museums ist das Besucherbergwerk. Die Stollen und Gänge sind insgesamt 2,5 Kilometer lang und vermitteln einen recht guten Eindruck davon, wie es unter Tage zugeht bzw. zugegangen ist. An manchen Stellen denkt man wirklich, man wäre in einem echten Bergwerk. Dabei befindet man sich nie weiter als 20 Meter unter der Erde. Ein Bergwerk hat es an dieser Stelle nie gegeben. Alles wurde nur zu Demonstrationszwecken angelegt. Selbst der 71 Meter hohe Förderturm, der aus weiten Teilen des Ruhrgebietes zu sehen ist, stammt ursprünglich aus Dortmund.

Im Eingangsbereich warten einige Bergmänner auf die Besucher
Im Eingangsbereich warten einige Bergmänner auf die Besucher

Da man eigentlich nirgendwo im Ruhrgebiet in ein echtes Bergwerk kommt, ist das Fake-Bergwerk eine sehr gute Alternative. Schade nur, dass die Ausstellung dort wenig zeitgemäß aufbereitet ist. Ich habe einige sehr interessant aussehende Maschinen und Anlagen gesehen und hätte gerne gewusst, was ich dort eigentlich sehe. Leider fühlt man sich als Besucher etwas allein gelassen, da nur bei wenigen Ausstellungsstücken im Besucherbergwerk Hintergrundinformationen geliefert werden und mir irgendwie ein roter Faden fehlte. Zwar hätte die Möglichkeit bestanden an einer Führung teilzunehmen, doch will ich gerade in Museen immer gerne selbst nachlesen können, was dort gerade zu sehen ist. Oft kaufe ich mir deshalb auch anschließend im Museumsshop einen Führer, um hinterher in Ruhe noch einmal die Geschichte hinter den Dingen, die mich begeistert haben zu lesen und wirken zu lassen. Leider gab es im Bergbau-Museum keinen Führer zu kaufen.

Die Gänge im Besucherbergwerk sind eindrucksvoll
Die Gänge im Besucherbergwerk sind eindrucksvoll
Leider wird zu vielen Exponaten, wie diesem Zug, keine Info geliefert
Leider wird zu vielen Exponaten, wie diesem Zug, keine Info geliefert
Schweres Gerät ist zu sehen
Schweres Gerät ist zu sehen
Ein Grubenpferd befindet sich im Museum
Ein Grubenpferd befindet sich im Museum
Auch zu diesem Zug hätte mich die Geschichte dahinter interessiert
Auch zu diesem Zug hätte mich die Geschichte dahinter interessiert
Das Besucherbergwerk bietet tolle Ansichten, aber wenig Infos
Das Besucherbergwerk bietet tolle Ansichten, aber wenig Infos
Wofür diese Dinge hier wohl alle gut sein mögen?
Wofür diese Dinge hier wohl alle gut sein mögen?
Trotz Ferienzeit war fast nichts los in den Gängen unter Tage
Trotz Ferienzeit war fast nichts los in den Gängen unter Tage
Besonders imposant fand ich diese Abbaumaschine
Besonders imposant fand ich diese Abbaumaschine

Nach dem Besuch unter Tage führte mich der Weg auf das Fördergerüst. Auch hier hatte ich recht hohe Erwartungen, da ich mehrfach gehört hatte, dass man von dort oben eine tolle Aussicht über weite Teile des Ruhrgebietes haben soll. Tatsächlich konnte man sehr weit – und das sogar trotz schlechtem Wetters – sehen. Was ich jedoch völlig dämlich fand ist die Vergitterung auf dem Turm. Dort ist alles so engmaschig vergittert, dass es an keiner Stelle eine Möglichkeit gibt vernünftige Fotos zu schießen. Selbst ein kleines Objektiv durch die Gitter zu schieben ist an keiner Stelle möglich. So etwas habe ich bisher noch nie irgendwo auf der Welt auf einem Aussichtspunkt gesehen.

Leider ist der Förderturm engmaschig vergittert
Leider ist der Förderturm engmaschig vergittert
Um zu fotografieren muss man die Kamera abenteuerlich über das Gitter halten
Um zu fotografieren muss man die Kamera abenteuerlich über das Gitter halten
Wer aufs Fotografieren verzichten kann, dürfte sich hier oben aber an der tollen Aussicht erfreuen
Wer aufs Fotografieren verzichten kann, dürfte sich hier oben aber an der tollen Aussicht erfreuen
In der näheren Umgebung ist die Jahrhunderthalle zu sehen
In der näheren Umgebung ist die Jahrhunderthalle zu sehen
Auch die Zeche Carolinenglück ist nicht weit entfernt
Auch die Zeche Carolinenglück ist nicht weit entfernt
Der Stadtpark mit dem Bismarckturm liegt direkt hinter dem Museum
Der Stadtpark mit dem Bismarckturm liegt direkt hinter dem Museum
Als Bochumer hat man im Schrebergarten seine Laube
Als Bochumer hat man im Schrebergarten seine Laube
Hinter Gittern auf dem Förderturm
Hinter Gittern auf dem Förderturm

Kann man mit den Einschränkungen leben, dass im Besucherbergwerk kaum Infos geliefert werden und man auf dem Förderturm nicht anständig fotografieren kann, ist das Museum sicher zu empfehlen. Zumal es auch noch einen Ausstellungsbereich gibt, in dem auf 12.000 Quadratmetern über die Geschichte des Bergbaus informiert wird. Leider gibt es momentan noch eine weitere – wie ich finde – sehr gravierende Einschränkung: Das Museum baut seine Ausstellung derzeit um. Vieles ist deshalb gar nicht zu sehen. Ganze Etagen sind nicht zugänglich. Das fand ich sehr schade, denn gerade der Ausstellungsbereich über Tage lohnt sich wirklich. Tolle Modelle sind hier zu sehen und die Geschichte des Bergbaus wird wirklich anschaulich erläutert. Im Gegensatz zum Besucherbergwerk finden sich hier nämlich reichlich Hintergrundinfos. Viele Ausstellungsstücke sind zudem Funktionsmodelle. So lassen sich auf Knopfdruck z. B. Fördertürme in Bewegung setzen. Schade nur, dass einige Modelle außer Betrieb waren und auch auf dem ein oder anderen Info-Monitor nur ein Software-Fehler aufleuchtete.

Viele sehenswerte Modelle werden im Museum gezeigt
Viele sehenswerte Modelle werden im Museum gezeigt
Aus allen Epochen sind Beispiele zu finden
Aus allen Epochen sind Beispiele zu finden
Hier informieren Modelle über die Methoden der Bewetterung unter Tage
Hier informieren Modelle über die Methoden der Bewetterung unter Tage
Blick durch einen der Ausstellungsräume
Blick durch einen der Ausstellungsräume
Beeindruckend ist dieses Modell zum Tagebau
Beeindruckend ist dieses Modell zum Tagebau
Wie Eisen- und Metallerz gewonnen wird, zeigt man hier
Wie Eisen- und Metallerz gewonnen wird, zeigt man hier
Leider waren viele Funktionsmodelle, wie dieses hier defekt
Leider waren viele Funktionsmodelle, wie dieses hier defekt
Fasziniert war ich von diesem Model, das zeigt, welche Menge an Stollen sich unter dem Ruhrgebiet befindet
Fasziniert war ich von diesem Model, das zeigt, welche Menge an Stollen sich unter dem Ruhrgebiet befindet

Mit 6,50 Euro bewegt sich der Eintrittspreis noch in einem moderaten Rahmen. Somit sind die derzeitigen Einschränkungen nicht ganz so ärgerlich. Man kann das Museum durchaus besuchen, ich würde jedoch empfehlen bis zum Abschluss des Umbaus zu warten, dann dürfte man sicher mehr davon haben. Oder man nutzt, wie ich eine Ruhr.Topcard, die zum Eintritt in zahlreichen weiteren Museen, Zoos, Industriedenkmälern etc. im Ruhrgebiet berechtigt. Mit ihr kann man das Museum quasi als Zugabe gratis mitnehmen.

Das Museum baut derzeit um. Ein Großteil der Ausstellung ist nicht zu sehen
Das Museum baut derzeit um. Ein Großteil der Ausstellung ist nicht zu sehen
Viele Dinge, die ich gerne gesehen hätte, schlummern gerade in Kisten
Viele Dinge, die ich gerne gesehen hätte, schlummern gerade in Kisten
Viele andere Exponate werden demnächst verpackt
Viele andere Exponate werden wohl demnächst verpackt

Doch zurück zur Stadt, in der Laut Grönemeyer die Sonne verstaubt. Ist es dort tatsächlich besser als man glaubt? Ehrlich gesagt, ich weiß es nicht. Ich werde mit Bochum jedenfalls irgendwie nicht warm. Eigentlich bin ich auch dorthin gefahren, um auf den Bismarckturm zu gehen. Nachdem ich schon einmal umsonst nach Bochum gefahren war, habe ich extra vorher genau nach den Öffnungszeiten geschaut. Leider schreibt die Bochum Marketing GmbH HIER, dass der Turm zwischen April und Oktober freitags bis sonntags und an Feiertagen zwischen 11 und 18 Uhr geöffnet hat. Doch, Pustekuchen! Erst wenn man in Bochum vor dem verschlossenen Turm steht, sieht man ein Schild auf dem steht, dass er nur an sechs Terminen im Jahr geöffnet hat.

Eigentlich wollte ich auch auf den Bismarckturm im Stadtpark
Eigentlich wollte ich auch auf den Bismarckturm im Stadtpark
Leider entsprechen die im Internet angegebenen Öffnungszeiten nicht der Realität
Leider entsprechen die im Internet angegebenen Öffnungszeiten nicht der Realität

Meine Ruhr.Topcard wurde mir vom Ruhr-Tourismus zur Verfügung gestellt.

Thomas Limberg

Ob Nordpol, Himalaya oder der Zoo um die Ecke. Immer wenn ich unterwegs sein und Neues entdecken kann, bin ich am glücklichsten. In diesem Blog nehme ich Dich seit 2010 mit auf meine Städtereisen, Roadtrips, Wander-Abenteuer und zu vielem mehr.

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