Minikreuzfahrt von Kiel nach Oslo

Überall Kakerlaken auf dem verrosteten Kahn, unbenutzbare Toiletten, in denen braune Brühe auf dem Boden schwappte und eine ziemlich schlaflose Nacht auf dem Deck – so sah meine letzte Fahrt mit einer großen Fähre aus. Das war vor etwas über zwei Jahren auf den Philippinen. Seitdem habe ich Schiffe gemieden. Da kürzlich eine Mini-Kreuzfahrt von Kiel nach Oslo und zurück mit der Color Line gratis angeboten wurde, konnte ich nicht widerstehen und nahm die rund 700 km lange Reise in Angriff. Ich muss zugeben, dass ich positiv überrascht war. Die 20-stündige Fahrt auf der größten Linien-Fähre der Welt war kein Vergleich zur schauderhaft abenteuerlichen Reise im südchinesischen Meer. Ganz im Gegenteil – die Color Fantasy war sehr sauber, das Personal vermittelte einen kompetenten Eindruck und man fühlte sich sicher. Zudem erwischte ich bestes Wetter. Strahlend blauer Himmel in Oslo und nur kurzzeitig dichter Nebel, bei dem man vom höchsten Punkt des Schiffes kaum das Meer sehen konnte. Dies ausgerechnet bei Oscarsborg, jener Festung von der 1940 der schwere Kreuzer Blücher versenkt wurde, der noch immer dort am Meeresgrund liegt. Ein schauderhaftes Gefühl, das man beim Passieren der Stelle am liebsten verdrängen möchte, was aber nicht gelingt. Nach dieser schicksalsträchtigen Stelle verschwand der Nebel dafür genau so schnell wie er gekommen war und Oslo glänzte im roten Schein der aufgehenden Sonne. Da die Color Fantasy nur vier Stunden in Oslo anlegte und ich in der kurzen Zeit möglichst viel sehen wollte, entschied ich mich eine auf dem Schiff angebotene Stadtrundfahrt zu buchen. Zunächst hatte ich Zweifel, weil solche organisierten Touren eigentlich nicht mein Fall sind und weil der Preis mit 39 Euro nicht ganz billig war. Doch die Rundfahrt war äußerst lohnenswert und unbedingt zu empfehlen. Zuerst ging es ins Wikingermuseum, dann hinauf zur beeindruckenden Skisprungschanze Holmenkollen – inklusive eines fantastischen Rundumblicks auf Oslo und den Fjord – und dann in den Vigeland Park. Eine Fahrt durch das Zentrum mit Oper, Rathaus und Schloss rundete die Tour perfekt ab. Doch bevor der Text hier zu lang wird, zunächst eine Karte der Fahrtroute und einige Fotos der Color Fantasy:


Mini-Kreuzfahrt Kiel-Oslo-Kiel auf einer größeren Karte anzeigen

Die MS Color Fantasy
Die MS Color Fantasy
Innenansicht auf Deck 12
Innenansicht auf Deck 12
Promenade auf Deck 7
Promenade auf Deck 7
Für das Restaurant im Heck fehlte mir das Kleingeld
Für das Restaurant im Heck fehlte mir das Kleingeld
Etwas preiswerter - Das Burger-Restaurant auf dem Sonnendeck
Etwas preiswerter – Das Burger-Restaurant auf dem Sonnendeck

Für Freunde des Glückspiels

Und die etwas noblere Variante
Und die etwas noblere Variante
Ein recht großer Duty Free Shop
Ein recht großer Duty Free Shop
Auf der Color Fantasy lebt Elvis noch
Auf der Color Fantasy lebt Elvis noch
Der Gang zu meiner Innenkabine auf Deck 10
Der Gang zu meiner Innenkabine auf Deck 10
Die Kabine sieht größer aus als sie ist
Die Kabine sieht größer aus als sie ist
Ein Blick in die andere Richtung
Ein Blick in die andere Richtung
Das Bad
Das Bad
Wasserratten können auch ins etwas größere Schwimmbad
Wasserratten können auch ins etwas größere Schwimmbad
Das Schwimmbad befindet sich am Heck des Schiffes
Das Schwimmbad befindet sich am Heck des Schiffes

Und hier ein paar Fotos, die ich während der Hinfahrt aufgenommen habe:

Im Hafen von Kiel liegen auch andere große Schiffe
Im Hafen von Kiel liegen auch andere große Schiffe
Hubschrauber machen Jagd auf Möwen
Hubschrauber machen Jagd auf Möwen
Das Marine Ehrenmal in Laboe
Das Marine Ehrenmal in Laboe
Es wird Nacht
Es wird Nacht
Einfahrt in den Oslofjord
Einfahrt in den Oslofjord
Kurz vor Sonnenaufgang
Kurz vor Sonnenaufgang
Hier wurde 1940 die Blücher versenkt
Hier wurde 1940 die Blücher versenkt
Hoffentlich wird dieser Ring nie gebraucht
Hoffentlich wird dieser Ring nie gebraucht
Gespenstische Stimmung im Nebel
Gespenstische Stimmung im Nebel
Erster Blick auf Oslo
Erster Blick auf Oslo
Ein Restaurant auf dem Wasser
Ein Restaurant auf dem Wasser
Die Sonne ist aufgegangen
Die Sonne ist aufgegangen
Das Fram Museum im Hafen von Oslo
Das Fram Museum im Hafen von Oslo

Als das Schiff um 10 Uhr in Oslo anlegte erwartete uns ein wunderschöner Wintermorgen. Direkt am Kai stand der Bus, mit dem es auf Stadtrundfahrt ging. Das kleine Wikinger-Museum war schön gemacht und sicher für Leute sehr interessant, die an der Geschichte der Nordmänner interessiert sind. Mich interessieren die Wikinger eher weniger. Dafür fand ich den Aufenthalt auf dem Holmenkollen faszinierend. Der Ausblick vom höchsten Punkt Oslos ist atemberaubend und die Skisprungschanze unbeschreiblich. Ich kann nicht verstehen, wie jemand dort freiwillig herunterspringen kann – zumal die Schanze in der Realität 10 Mal steiler aussieht als im Fernsehen oder auf Fotos. Ich würde dort niemals einen Sprung wagen. Stattdessen bin ich mit dem Aufzug nach oben und danach schön brav wieder heruntergefahren. Da die Zeit knapp bemessen war, blieben oben nur wenige Minuten und auch ins angrenzende Ski-Museum konnte nur kurz ein Blick erhascht werden. Wenn ich demnächst mal wieder in Oslo bin, werde ich mir dieses Museum sicher in Ruhe anschauen. Auch die Fahrt in den Vigeland Skulpturenpark war sehr lohnenswert. Da ich nicht unbedingt ein großer Kunstfreund bin, war ich zunächst etwas skeptisch, doch die Nackedeis gefielen mir irgendwie. Auch die kurze Fahrt durch das Zentrum war interessant, kannte ich Oslo doch bisher nur bei Nacht. Aber am besten, ich lasse auch hier einige Fotos sprechen:

Das Wikinger Museum
Das Wikinger Museum
Meine Reisegruppe im Museum
Meine Reisegruppe im Museum
Und noch ein Blick ins Museum
Und noch ein Blick ins Museum
Zuschauerränge am Holmenkollen
Zuschauerränge am Holmenkollen
Steil geht es abwärts
Steil geht es abwärts
Die Schanze von der Seite
Die Schanze von der Seite
Zur Besichtigung des Ski-Museums blieben leider nur zwei Minuten
Zur Besichtigung des Ski-Museums blieben leider nur zwei Minuten
Mal wieder stoße ich auf Eisbären...
Mal wieder stoße ich auf Eisbären…
Von unten sieht die Schanze am beeindruckendsten aus
Von unten sieht die Schanze am beeindruckendsten aus
Es gibt tatsächlich Leute, die springen
Es gibt tatsächlich Leute, die springen
Eingang zum Vigeland Skulpturenpark
Eingang zum Vigeland Skulpturenpark
Einige der Nackedeis
Einige der Nackedeis
Alle Figuren sind in kuriosen Posen dargestellt
Alle Figuren sind in kuriosen Posen dargestellt
Der Park eignet sich hervorragend für Spaziergänge
Der Park eignet sich hervorragend für Spaziergänge
Auch die Enten fühlen sich wohl
Auch die Enten fühlen sich wohl
Schön, oder? Die Oper
Schön, oder? Die Oper
Das norwegische Parlament
Das norwegische Parlament
Hier wohnt der König
Hier wohnt der König
Das Grand Hotel
Das Grand Hotel

Auch auf der Rückfahrt gab es viele interessante Fotomotive:

Kurz vor dem Auslaufen in Oslo
Kurz vor dem Auslaufen in Oslo
Das Rathaus mit den zwei Türmen gilt als Wahrzeichen Oslos
Das Rathaus mit den zwei Türmen gilt als Wahrzeichen Oslos
Die Festung ist militärisches Gebiet
Die Festung ist militärisches Gebiet
Die Color Fantasy verlässt Oslo
Die Color Fantasy verlässt Oslo
Ich liebe es Möwen zu fotografieren
Ich liebe es Möwen zu fotografieren
Von den Tieren habe ich einige auf meine Speicherkarten gebannt
Von den Tieren habe ich einige auf meine Speicherkarten gebannt
Die Möwen fühlen sich auch auf der Fantasy wohl
Die Möwen fühlen sich auch auf der Fantasy wohl
Und weil sie so schön sind, noch eine Möwe
Und weil sie so schön sind, noch eine Möwe
Begegnung mit einer kleineren Fähre
Begegnung mit einer kleineren Fähre
Schon bald ging über dem Oslofjord die Sonne unter
Schon bald ging über dem Oslofjord die Sonne unter
Traumhafte Abendstimmung
Traumhafte Abendstimmung
Kurz vor Oscarsborg zogen wieder Wolken auf
Kurz vor Oscarsborg zogen wieder Wolken auf
Von hier wurden die Torpedos auf die Blücher abgefeuert
Von hier wurden die Torpedos auf die Blücher abgefeuert
Das Observation Deck ist der höchste Punkt des Schiffes
Das Observation Deck ist der höchste Punkt des Schiffes
Vom Observation Deck hat man alles im Blick
Vom Observation Deck hat man alles im Blick

Bei der Ausfahrt aus dem Oslofjord war die Sonne endgültig weg

Auf der Kieler Förde zeigte sich die Sonne wieder
Auf der Kieler Förde zeigte sich die Sonne wieder
Ein großer Pott verlässt Kiel
Ein großer Pott verlässt Kiel
In Kiel werden U-Boote gebaut
In Kiel werden U-Boote gebaut

Noch ein Wort zu den Preisen auf dem Schiff. Es gibt dort zwar alles, was man braucht, jedoch ist das Preisniveau schlichtweg sauteuer. Die Restaurants sind eigentlich nur Personen mit dickem Geldbeutel vorbehalten. Lediglich das Burger-Restaurant auf dem Sonnendeck ist für Normalverdiener halbwegs bezahlbar. Ein Menü mit Burger, Pommes und Kola kostet hier z.B. 110 Kronen (ca. 14,37 Euro). Für ein Frühstück mit einer kleinen Tasse Kaffee und ein Croissant muss man 45 Kronen (5,88 Euro) hinlegen.

Burger-Menü für 110 Kronen
Burger-Menü für 110 Kronen

Wer auch eine Reise von Kiel nach Oslo plant, sollte auf keinen Fall die nachfolgend genannten Highlights auf der Strecke verpassen. Ich habe hier die Uhrzeiten, zu denen die Color Fantasy diese passiert aufgelistet:

  • Marine Ehrenmal Laboe (Hinfahrt: 14.40 Uhr, Rückfahrt: 9 Uhr)
  • Lotsenstation Kieler Förde (Hinfahrt: 15 Uhr, Rückfahrt: 8.40 Uhr)
  • Großer Belt Brücke (Hinfahrt: 18.30 Uhr, Rückfahrt: 5 Uhr)
  • Gefängnisinsel Bastøy (Hinfahrt: 7.30 Uhr, Rückfahrt: 16.30 Uhr)
  • Festung Oscarsborg (Hinfahrt: 8.30 Uhr, Rückfahrt: 15.30 Uhr)
  • Leuchtfeuer Dyna Fyr (Hinfahrt: 9.45 Uhr, Rückfahrt: 14.15 Uhr)

Zwischendurch habe ich auf dem Schiff etwas mit meinem iPhone gefilmt. Das ist das Ergebnis:

 

Nach der Reise kann ich ein positives Fazit ziehen. Die Fahrt durch die Förde und den Oslofjord ist spektakulär. Lediglich von den engen Innenkabinen ohne Fenster würde ich Personen mit Platzangst abraten. Besonders dann, wenn – wie in meinem Fall – im Fernsehen nur Sondersendungen zum Unglück der Costa Concordia laufen. Die vier Stunden in Oslo sind zwar nicht viel, aber um bei einer Stadtrundfahrt einen Eindruck davon zu bekommen, völlig ausreichend. Würde ich die Fahrt noch einmal machen, dann aber auf jeden Fall zu einer etwas wärmeren Jahreszeit. Um vernünftig nach draußen zu schauen bleiben eigentlich nur die Möglichkeiten sich in die teure Observation Lounge zu setzen oder auf dem Sonnendeck im Freien zu stehen. Letzteres wurde bei -7 Grad, 22 Knoten Fahrt und in 60 Metern Höhe über dem Meer irgendwann eisig. Der Wind brannte im Gesicht und in den Augen. Trotzdem ist der Aufenthalt im Freien eigentlich unverzichtbar. Besonders die Passage der Großen Beltbrücke, unter der das Schiff gerade so hindurchpasst, sollte niemand verpassen. Mehrere Lagen Kleidung sind jedoch zu dieser Jahreszeit Pflicht. Wer nicht in die Kostenfalle tappen will, sollte zudem möglichst viel eigene Verpflegung mitbringen.

Übrigens liegen die Fähren der Color Line jeden Morgen zwischen 10 und 14 Uhr im Hafen von Kiel. Dort lassen sie sich auch wunderbar vom heimischen PC beobachten. Das Webcam-Bild auf  www.seehafen-kiel.de wird minütlich aktualisiert.

Eine interessante Reportage über die Color Fantasy ist in der N24-Mediathek zu finden: Reportage XXL – Gigant im Liniendienst. Für Modellbaufreunde bietet die Firma Revell eine schöne Nachbildung des Schiffes im Maßstab 1:1200 an. Ich habe mir den Bausatz bei Amazon* bestellt.

So sieht das Modell der Color Fantasy von Revell aus. Ein Klick auf das Bild führt zu weiteren Infos:

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Thomas Limberg

Ob Nordpol, Himalaya oder der Zoo um die Ecke. Immer wenn ich unterwegs sein und Neues entdecken kann, bin ich am glücklichsten. In diesem Blog nehme ich Dich seit 2010 mit auf meine Städtereisen, Roadtrips, Wander-Abenteuer und zu vielem mehr.

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